ZDK-Umfrage: Betriebe setzen auf E-Auto-Prämie trotz Hürden

02.03.2026 14:34 Uhr | Lesezeit: 4 min
Ein Spielzeugauto und Geld und in einem Showroom
Verhaltener Optimismus in der Branche, der ZDK mahnt deswegen auch: "Wenn sich die Förderung jetzt im Regelungsdickicht und in Verfahrensfragen verliert, wird sie ihre Wirkung verfehlen."
© Foto: abu - stock.adobe.com

Zwei Drittel der Betriebe im deutschen Kfz-Gewerbe rechnen laut einer neuen Branchenumfrage mit positiven Effekten der angekündigten E-Auto-Kaufprämie auf die schwache Privatkundennachfrage. Das teilte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) mit.

Trotz anhaltender Unsicherheit setzen viele Kfz-Betriebe große Hoffnungen in die angekündigte E-Auto-Kaufprämie. Zwei Drittel der Betriebe im deutschen Kfz-Gewerbe rechnen laut einer neuen Branchenumfrage mit positiven Effekten der angekündigten Förderung auf die schwache Privatkundennachfrage. Das teilte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) am Montag mit.

In der Umfrage unter 590 Autohändlern und Werkstätten erwarten 60 Prozent der Befragten "leichte positive" Auswirkungen der Prämie, weitere fünf Prozent sogar "starke positive" Effekte. Lediglich knapp fünf Prozent gehen von "leicht negativen" oder "stark negativen" Folgen aus.

"Die Prämie setzt ein wichtiges Signal und belebt das Interesse privater Kunden – besonders im unteren und mittleren Preissegment. Unsere markengebundenen Händlerverbände berichten seit Bekanntgabe der Eckdaten im Januar von deutlich mehr konkreten Anfragen", erklärte ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. "Jetzt kommt es darauf an, dass das Antragsverfahren endlich Fahrt aufnimmt. Nur wenn es zügig startet, kann die Kaufprämie ihre Wirkung wirklich entfalten – sonst verpufft ihr positiver Effekt."

Zwischen Kaufprämie und weiteren Impulsen

Neben der Kaufprämie sehen die Betriebe vor allem zusätzliche flankierende Maßnahmen als entscheidend für eine nachhaltige Belebung der E-Auto-Nachfrage. Besonders häufig genannt werden:

  • niedrigere Strompreise
  • ein konsequenter Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur
  • die gezielte Förderung gebrauchter E-Autos
  • mehr Transparenz bei Ladetarifen
  • stärkere Unterstützung beim Aufbau privater Ladepunkte

Laut ZDK-Umfrage gelten diese Faktoren als zentrale Hebel, um Kaufentscheidungen zu erleichtern. Insgesamt zeigt sich: Die Betriebe sehen in der Kombination aus Kaufprämie und verlässlichen Rahmenbedingungen entlang der gesamten Nutzungskette den Schlüssel für zusätzliche Marktdynamik.

Konkrete E-Auto-Bestellungen: Ernüchternde Erwartungen

Deutlich vorsichtiger fällt das Bild bei den Erwartungen zu konkreten Neuwagenbestellungen von reinen E-Autos (BEV) und Plug-in-Hybriden (PHEV) aus. Hier prognostizieren die Betriebe überwiegend negative Entwicklungen – sowohl im Privat- als auch im gewerblichen Kundensegment. Die Umfrage endete am 6. Februar.

"Wenn sich die Förderung jetzt im Regelungsdickicht und in Verfahrensfragen verliert, wird sie ihre Wirkung verfehlen", warnte Peckruhn. "Handel und Kunden brauchen schnellstmöglich klare, verständliche und verbindliche Regeln. Die Kaufprämie muss zügig und praktikabel umgesetzt werden – sonst droht der nächste Vertrauensverlust."

Angespannte Geschäftslage

Die aktuelle Geschäftslage bewerten die Betriebe weiterhin überwiegend negativ: Jeder zweite befragte Betrieb sieht seine Situation pessimistischer als noch im Sommer 2025. Besonders ausgeprägt ist die Skepsis bei größeren Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten – 63 Prozent von ihnen stufen ihre wirtschaftliche Lage als "eher schlechter" oder "schlechter" ein.

Auch im Servicegeschäft wird die Zurückhaltung sichtbar: 36 Prozent der Betriebe bewerten ihre Reparatur- und Wartungsaufträge als "eher schlechter" oder "schlechter" – gegenüber noch 19 Prozent im zweiten Halbjahr 2025. Besonders betroffen sind mittelgroße Betriebe (16–50 Beschäftigte), von denen fast 39 Prozent ihre Service- und Werkstattleistungen negativ einschätzen.

"Die Einbußen haben nun auch den Werkstattservice erreicht – entsprechend hat sich die Geschäftslage weiter eingetrübt. In der anhaltenden konjunkturellen Schwäche halten sich Unternehmen wie Privatkunden mit Investitionen spürbar zurück. Das betrifft längst nicht mehr nur den Neuwagenkauf, sondern zunehmend auch Werkstattaufträge", so Peckruhn.

Umsatzerwartungen bleiben gedämpft

Auch die Ertragserwartungen für 2026 fallen zurückhaltend aus: 42 Prozent der Betriebe rechnen mit schlechteren Umsätzen, während nur 20 Prozent von steigenden Erlösen ausgehen. Unter den mittelgroßen Betrieben bewerten sogar 49 Prozent ihre Umsatzperspektiven negativ.

"Die Branche spürt die Zurückhaltung von Kunden und Unternehmen deutlich. Wenn Investitionen ausbleiben und Betriebe bei Neueinstellungen zögern, drücken diese Unsicherheiten direkt auf die Umsatzerwartungen", betonte Peckruhn. "Jetzt ist die Politik am Zug: Nur mit mehr Kaufkraft und verlässlichen Rahmenbedingungen können Betriebe im Kfz-Gewerbe investieren – damit auch die Konjunktur nach Jahren des Stillstands endlich wieder anzieht."


Tachomanipulation in Deutschland – die 20 häufigsten Automodelle

Audi A8 50 TDI Quattro Fahrbericht (2023) Bildergalerie


Profi-Know-how für Ihre Werkstatt

In der Rubrik "Werkstattwissen" finden Sie Grundlagen, Praxistipps und Techniktrends zu den Themen Umwelt, Automobiltechnik, Elektromobilität, KI und Motoröl.

Kostenlos. Verständlich. Von Experten. Für Profis.

Jetzt entdecken

HASHTAG


#ZDK

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

WEITERLESEN



NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


asp AUTO SERVICE PRAXIS Online ist der Internetdienst für den Werkstattprofi. Neben tagesaktuellen Nachrichten mit besonderem Fokus auf die Bereiche Werkstatttechnik und Aftersales enthält die Seite eine Datenbank zum Thema RÜCKRUFE. Im neuen Bereich AUTOMOBILE bekommt der Werkstatt-Profi einen Überblick über die wichtigsten Automarken und Automodelle mit allen Nachrichten, Bildergalerien, Videos sowie Rückruf- und Serviceaktionen. Unter #HASHTAG sind alle wichtigen Artikel, Bilder und Videos zu einem Themenspecial zusammengefasst. Außerdem gibt es im asp-Onlineportal alle Heftartikel gratis abrufbar inklusive E-PAPER. Ergänzt wird das Online-Angebot um Techniktipps, Rechtsthemen und Betriebspraxis für die Werkstattentscheider. Ein kostenloser NEWSLETTER fasst werktäglich die aktuellen Branchen-Geschehnisse zusammen. Das richtige Fachpersonal finden Entscheider auf autojob.de, dem Jobportal von AUTOHAUS, asp AUTO SERVICE PRAXIS und Autoflotte.