Würth: Umsatzrekord und Gewinneinbruch

Würth hat 2019 erstmals mehr als 14 Milliarden Euro Umsatz erzielt, aber weniger Geld verdient als noch 2018.
© Foto: picture alliance/KEYSTONE/ARNO BALZARINI

Eigentlich wollte der für seine Schrauben und Werkzeuge bekannte Handelskonzern Würth im Jahr 2019 nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim Vorsteuergewinn eine neue Bestmarke aufstellen. Doch aus Letzterem wurde nichts.

Vor allem dank guter Geschäfte im Ausland hat der Handelskonzern Würth vergangenes Jahr erstmals mehr als 14 Milliarden Euro Umsatz erzielt, aber weniger Geld verdient als noch 2018. Der Weltmarktführer im Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial steigerte seine Erlöse im Vorjahresvergleich um 4,8 Prozent auf 14,27 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Künzelsau mitteilte. Der Gewinn vor Steuern ging hingegen deutlich um 13,8 Prozent auf 750 Millionen Euro zurück.

Der Konzern begründete diesen Einbruch unter anderem damit, dass die Einkaufspreise für viele Rohstoffe gestiegen seien. Diese Mehrkosten hätten teils nicht bei den eigenen Kunden durchgesetzt werden können. Auch die kritische Lage der Autoindustrie habe negative Auswirkungen gehabt. Zum Nettogewinn machte Würth zunächst keine Angaben.

Würth-Chef Robert Friedmann sagte, es gebe "eine leichte Bremsspur", allerdings lege der Konzern weiter zu. "Und wenn man sich so nach links und rechts umschaut, ist das ja nicht der Standard, dass man noch mit knapp fünf Prozent wächst." Friedmann hatte sich noch im Mai überzeugt davon gezeigt, beim Gewinn vor Steuern das Rekordergebnis von 870 Millionen Euro von 2018 steigern zu können. Im Juli hatte er gesagt, man werde zumindest das Niveau des Vorjahres erreichen.

Der Mischkonzern ist in unterschiedlichsten Branchen aktiv, vorrangig allerdings im Montage- und Handwerksbereich. Früher auf Schrauben spezialisiert, bietet Würth heute beispielsweise auch Werkzeuge, Elektronik-Bauteile und Elektrogeräte oder chemische Produkte an. In seinem Kerngeschäft, das mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht, verkauft das Unternehmen seine Produkte nicht an Privatpersonen, sondern nur an Profis, also etwa Handwerks- und Industriebetriebe. Zum Kerngeschäft gehören mehr als 125.000 Artikel.

Mittleres einstelliges Umsatzplus für 2020 prognostiziert

Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr sagte Firmen-Patriarch Reinhold Würth (84) der Deutschen Presse-Agentur, er sei gemäßigt optimistisch. "Ich denke, dass wir ein ganz nettes Wachstum hinbekommen werden." Zwar werde die Autoindustrie sicher weiter Probleme bekommen, "aber wir streuen ja über alle Branchen, die es überhaupt gibt". Eine der wichtigsten Kundengruppen für Würth seien die Baubetriebe. "Und die haben volle Auftragsbücher. Auf diesem Gebiet werden wir mit Sicherheit weiter deutlich wachsen." Friedmann erklärte, er rechne für 2020 mit einem mittleren einstelligen Umsatzplus und einem proportional steigenden Betriebsergebnis.

Im vergangenen Jahr trug vor allem das Auslandsgeschäft zum Umsatzwachstum bei. Während der Konzern seine Erlöse in Deutschland um 2,1 Prozent steigern konnte, fiel das Plus im Ausland bereinigt um Zukäufe mit fünf Prozent höher aus. Gute Wachstumsraten seien etwa in Südamerika sowie in Ost- und Südeuropa erzielt worden.

Reinhold Würth hatte das von seinem Vater Adolf gegründete Unternehmen 1954 übernommen und von einem Zwei-Mann-Betrieb zu einem Milliardenkonzern ausgebaut. Inzwischen hat er sich längst aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und die Firmenleitung abgegeben. Die Würth-Gruppe besteht aus über 400 Gesellschaften in mehr als 80 Ländern. Sie beschäftigt über 78.600 Mitarbeiter, davon rund 24.300 in Deutschland. (dpa)

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