Weniger ist mehr

16.04.2010 12:02 Uhr

ATH Heinl

Von Sulzbach-Rosenberg aus beliefert das Familienunternehmen Heinl Werkstattausrüster weltweit mit Hebebühnen und Reifenservicemaschinen, welche im Lohnauftrag in China gefertigt werden.

Vor knapp 20 Jahren machte sich Hans Heinl mit dem Unternehmen ATH-Heinl in Sulzbach-Rosenberg selbstständig. Die Geschäftsidee damals wie heute: Werkstätten kostengünstige Werkstattausrüstung in vernünftiger Qualität anbieten. Die Vertriebsprodukte der ersten Zeit waren polnische Hebebühnen in quasi unverwüstlicher Ausstattung, welche bei Kunden zum Teil heute noch problemlos im Einsatz sind. Im Laufe der Zeit änderte und erweiterte sich das Lieferprogramm. Der Vertrieb erfolgte zunächst direkt ohne Zwischenhändler an Werkstätten. Stück für Stück schaffte sich ATH-Heinl seinen Markt. Weil die europäischen Werkstattausrüstungs-Hersteller den für die junge Marke typischen Preisvorteil kaum erfüllen konnten, suchte sich Hans Heinl zunehmend neue Geschäftspartner. So ging er schon sehr früh nach China und knüpfte dort Kontakte zu Werkstattausrüstungs-Herstellern, welche ihn fortan belieferten. Es bedurfte vieler Anstrengungen, die Hersteller dazu zu bringen, die in Europa erwartete Produktqualität zu fertigen, doch es gelang. So galt es, die technische Qualität der Produkte sicherzustellen und die europäischen Sicherheitsvorschriften zu erfüllen. Schließlich musste auch dem optischen Eindruck der Produkte auf die Sprünge geholfen werden.

Entwickelt wird selbst

Doch diese Anfangsthemen sind lange bewältigt. Heute entwickelt und konstruiert ATH-Heinl seine Produkte selbst und lässt diese von seinen Fertigungspartnern in China exklusiv fertigen. Nach den in Sulzbach-Rosenberg gefertigten Plänen entstehen in China Prototypen, welche dann in Deutschland getestet und verbessert werden, bis nach einigen Durchläufen die Serienreife erreicht ist. Weil es in China ähnlich wie in Italien eine Vielzahl von hochspezialisierten Werkstattausrüstern gibt, welche sich auf ganz bestimmte Produkte oder Produktsegmente festgelegt haben, arbeitet Heinl mit einer Reihe von Unternehmen zusammen. So stammen die Reifenservicemaschinen aus anderen Werken als die Scherenbühnen und diese wieder von einem anderen Produzenten als die Säulenbühnen. Die in langjähriger Zusammenarbeit gewachsenen Kontakte sind so eng, dass Heinl zum Teil in Europa eingekaufte Komponenten direkt zur Weiterverarbeitung an seine Fertigungspartner schickt. Oder spezielle Maschinen und exklusiv genutzte Fertigungseinrichtungen werden von Heinl finanziert.

Heute hat ATH-Heinl sich als Marke im Werkstattausrüstungs-Markt fest etabliert, und das in vielen Ländern weltweit. Dabei hilft, dass sich das fest in der Oberpfalz verwurzelte Familien-Unternehmen stets an seine Grundsätze gehalten hat. So betreibt ATH-Heinl ganz bewusst eine Einmarken-Strategie und liefert auch an große Händler keine Eigenmarken. Nur wo ATH-Heinl draufsteht, ist auch ATH-Heinl drin. Auch wenn sich das Lieferprogramm seit den Anfängen völlig verändert hat, so steht die Marke ATH-Heinl für Produkte mit einem besonderen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Im Vertrieb neu aufgestellt

Seit einigen Monaten hat die Familie Heinl ein neues Kapitel in der Firmengeschichte aufgeschlagen und hat den Vertrieb ihrer Produkte vom Direktvertrieb auf ein Händlervertriebsnetz umgestellt, wie das in den ausländischen Märkten schon immer der Fall war. Gut 50 Händler vertreiben nun in Deutschland die ATH-Heinl-Produkte. Mit dieser Änderung ist auch eine weitere Konzentration auf die beiden Kernproduktgruppen Hebetechnik und Reifenservicemaschinen verbunden. Eine Vielzahl von reinen Handelsprodukten wie Wagenheber, Kompressoren, Ölauffangwagen und vieles mehr wird bald nicht mehr in den Katalogen zu finden sein. Neben der Preiswürdigkeit ist auch die enorme Lieferbereitschaft eine Stärke der Oberpfälzer. Dank eines täglich von den Lieferanten mit Nachschub versorgten Lagers von mehr als 400 Hebebühnen und 1.000 Reifenmontiermaschinen ist jedes Produkt innerhalb kürzester Zeit lieferbar. Ebenfalls kurzfristig ab Lager verfügbar sind Ersatzteile für alle vertriebenen Produkte. Dank der heutigen Logistik-Infrastruktur ist es möglich, die Endkunden kleinerer Händler in deren Auftrag direkt zu beliefern oder größere Posten ins Lager des Händlers zu liefern. Viele Werkstattausrüstungs-Händler holen die Ware auch direkt in Sulzbach-Rosenberg mit eigenen Lastwagen ab.

So wenig Elektronik wie möglich

Schon bei der Konstruktion der Produkte legt ATH-Heinl Wert darauf, dass die Hebebühnen weitgehend ohne Elektronik funktionieren und so im Feld jederzeit leicht zu reparieren sind. Und wenn wie bei den Radauswuchtmaschinen Elektronik zum Einbau kommt, ist diese leicht auszutauschen. Wobei für den Fall der Fälle ein bundesweites stationiertes Serviceteam bereitsteht. Außerdem gibt es am Standort Sulzbach-Rosenberg eine Instandsetzungsabteilung. So schlicht und durchdacht wie jedes einzelne Produkt an sich ist auch die ausschließlich mit elektrohydraulischen Antrieben ausgestattete Hebetechnik-Produktpalette insgesamt ausgelegt. Es gibt Ein-, Zwei- und Viersäulenbühnen sowie Kurzhub-, Doppel- und Scherenbühnen. Doch während viele Hersteller daraus eine unübersehbare Produktpalette generieren, gibt es bei ATH-Heinl jedes Hebebühnen-Modell maximal in zwei oder drei Varianten, die unterschiedliche Tragfähigkeiten oder Fahrbahnlängen abdecken. Gleiches trifft auf die Reifenservicemaschinen zu. So enthält das aktuelle Produktprogramm bewusst nur fünf Reifenmontiermaschinen und drei Radauswuchtmaschinen, womit die Erfordernisse der Kunden abgedeckt werden. Wer sich abseits der großen Messen einen Eindruck von den ATH-Heinl-Produkten verschaffen möchte, kann dies am Firmensitz in Sulzbach-Rosenberg tun. In zwei Ausstellungshallen werden hier sämtliche Produkte in Funktion bereitgehalten.

Eine schlank gehaltene Produktpalette hilft Kosten zu sparen. So kann ATH die Produkte dauerhaft zu günstigen Konditinen anbieten. Auch der Familienbetrieb ist bestens organisiert und kommt mit nur 20 Mitarbeitern aus, welche sich um Entwicklung, Einkauf, Service, Marketing und weltweiten Vertrieb kümmern. Und selbstverständlich arbeiten gleich mehrere Mitglieder der Familie Heinl mit im Unternehmen. So ist die zweite Generation längst fest in das Alltagsgeschäft und die Weiterentwicklung der Produkte und Geschäftsbeziehungen mit eingebunden.

In den vergangenen Jahren hat ATH-Heinl, übrigens seit vielen Jahren ASA-Mitglied, eine starke Wachstumsphase durchlebt. Gerade in Zeiten der weltweiten wirtschaftlichen Krise haben sich immer mehr nationale und internationale Kunden für Produkte von Heinl entschieden. So ist inzwischen die Idee entstanden, direkt im Ursprungsland der Produkte einen zweiten Vertriebs- und Logistikstützpunkt zu eröffnen. So wäre ein noch engerer Kontakt zu den Lieferanten realisierbar, als es viele Reisen nach Asien im Jahr schon jetzt ermöglichen. Auch könnten Lieferungen nach Europa weiter optimiert werden.

Immer am Ball bleiben

Um den Kunden stets optimale Produkte bieten zu können, wird die Produktpalette immer weiter entwickelt. So wird die neue Zweisäulen-Bühnen-Serie erstmals mit einer Pulverlackbeschichtung ausgeliefert. Dazu musste erst eine entsprechende Beschichtungsanlage mit Unterstützung von ATH-Heinl bei einem Fertigungspartner installiert werden. Außerdem wird ständig an der Technik der Bühnen gearbeitet. So musste kürzlich die seit Ende 2009 geltende Maschinenrichtlinie mit entsprechendem Vorlauf umgesetzt werden. Außerdem erfordert der Markt immer wieder neue Tragfähigkeitsklassen, weil sich der Fuhrpark der im Umlauf befindlichen Fahrzeuge immer wieder ändert. Um die Preise für die Produkte im Rahmen zu halten, verzichtet ATH-Heinl bewusst auf Zertifizierungen durch Automobilhersteller, welche Kosten und oft Produktmodifikationen verursachen. Auch auf die wdk-Zertifizierung für die Reifenmontiermaschinen wurde bisher verzichtet, weil dies bis jetzt kaum nachgefragt wurde. Selbstverständlich entsprechen sämtliche Produkte den CE-Richtlinien und sämtlichen sonstigen elektrischen oder technischen Regeln, welche gültig sind. Sicherheit genießt höchste Priorität und so sind grundsätzlich alle Produkte auf eine höhere Sicherheit ausgelegt, als von Vorschriften verlangt. Bis zum Automechanika-Auftritt hat man sich in der Oberpfalz erst mal die Angleichung des Designs der Bühnen untereinander vorgenommen. Bernd Reich

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