Mitten in der Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt ist zwischen Volkswagen und Fiat ein massiver Streit entbrannt. VW forderte den Vorsitzenden des europäischen Autohersteller-Verbandes Acea, Fiat-Chef Sergio Marchionne, zum Rücktritt auf. Marchionne sei als Präsident des Verbandes untragbar und solle gehen, erklärte VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem am Donnerstagabend.
Hintergrund ist ein von der "New York Times" (Donnerstag) zitierter Vorwurf Marchionnes, Volkswagen betreibe eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik. "Bei der Preisgestaltung gibt es ein Blutbad. Das ist ein Blutbad bei den Margen", wurde Marchionne zitiert. Angesichts dieser Äußerungen sei auch ein Austritt aus dem Acea eine Option für Volkswagen, erklärte Grühsem.
Der 1991 gegründete Autobauer-Verband Acea vertritt die Interessen von 18 Herstellern von Autos, Lastwagen und Bussen auf europäischer Ebene und gilt als einflussreicher Verband. Marchionne ist seit Anfang des Jahres Präsident des Verbandes, dessen Vorsitz unter französischen, italienischen und deutschen Herstellern rotiert. Bereits 2006 und 2007 hatte Marchionne dieses Amt inne.
Der gelernte Anwalt und Wirtschaftsprüfer ist für markige Aussagen bekannt. So hatte er Anfang des Jahres gefordert, Europa brauche einen zweiten starken Autobauer und damit ein Gegengewicht zu VW. Anfang 2011 hatte der Fiat-Chef aus Ärger über ein angebliches Werben von VW um Alfa Romeo Interesse an den beiden VW-Beteiligungen MAN und Scania bekundet, dies aber wenig später als "Witz" bezeichnet. (dpa)
Streit: VW fordert Marchionnes Rücktritt
Nach Kritik durch den Fiat-Chef, schießt Volkswagen nun zurück. Marchionne sei als Präsident des europäischen Herstellerverbandes untragbar.