Interview: IHM-Veranstalter trotz Stahlgruber-Absage zuversichtlich

13.07.2009 13:01 Uhr
Für den Vorsitzenden der GHM-Geschäftsführung, Dieter Dohr, sendet die Stahlgruber-Absage ein "falsches Signal an den Markt".
© Foto: GHM / asp-Montage

Der Chef der Gesellschaft für Handwerksmessen, Dieter Dohr, gibt sich trotz des prominenten Ausfalls kämpferisch. Im asp-Interview erklärt er, warum er an eine erfolgreiche IHM Profi 2010 glaubt.

Vor genau einer Woche wurde bekannt, dass Stahlgruber für die Internationale Handwerksmesse im kommenden Jahr abgesagt hat. Die Entscheidung schlug in der Branche hohe Wellen, schließlich handelt es sich bei dem Unternehmen nicht nur um einen Lokalmatadoren, sondern auch um den seit Jahren größten Aussteller im Kfz-Bereich (asp-Online berichtete exklusiv). Doch der Chef der Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM) gibt sich kämpferisch. Warum Dieter Dohr trotzdem an eine erfolgreiche IHM Profi 2010 glaubt, erklärt er im nachfolgenden Interview mit asp-Online. Herr Dohr, mit Stahlgruber hat ein etablierter Aussteller für die IHM 2010 abgesagt. Was macht Sie so optimistisch, dass es trotzdem einen erfolgreichen Kfz-Bereich auf der Messe im kommenden Jahr geben wird? Dieter Dohr: Welche wichtige Stellung die IHM Profi einnimmt, zeigen die rund 73.000 Fachbesucher, die schon im März 2009 entgegen aller Prognosen zur Internationalen Handwerksmesse kamen. Diese stolze Zahl unterstreicht, dass der Zeitpunkt und der Standort München für das Kfz-Handwerk ideal sind. Das Kfz-Handwerk sucht gezielt an einem Ort und zu einem Termin einen objektiven Vergleich von Ausstellern, Produkten und Serviceleistungen. Dieses bietet die IHM Profi als Handwerkertreffpunkt Nr. 1. Hier findet der Handwerker direkte Vergleichbarkeit und eine enge Verknüpfung mit angrenzenden Fachthemen, wie die Logistik oder die mobile Werkstatt. So genannte Hausmessen, Showtrucks und Spezialevents bieten zwar Kundenbindung, aber nicht die neutrale Messeplattform wie z. B. die IHM Profi. Das Aufgeben eines Messeauftritts sendet, unserer Meinung nach, ein falsches Signal an den Markt. Wir bedauern jegliche Zweifel am Kosten- und Nutzenverhältnis eines Messeauftritts. Denn das Handwerk honoriert kontinuierliche Präsenz, wie ja die jahrzehntelangen erfolgreichen Beteiligungen vieler Aussteller beweisen. Ich bin mir sicher, dass auch 2010 zahlreiche Firmen ihre Chancen nutzen und auf die wichtigste Branchenplattform des Handwerks setzen. Auch der ZDK und das Kraftfahrzeuggewerbe Bayern stehen hinter der Funktion der IHM Profi im deutschen Messekalender. Dort ist die IHM Profi auch 2010 — vom 3. bis 7. März — eine gesetzte Größe. Hier schlägt das Herz des Kfz-Handwerks aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Führen Sie diese und andere Absagen nur auf die derzeitige Wirtschaftslage zurück, oder sehen Sie auch Defizite in der Kommunikation mit den Ausstellern? Dohr: Natürlich können die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Ausstellern momentan enge Grenzen setzen. Aber neben dieser einen Entscheidung ist uns keine weitere Absage zum heutigen Zeitpunkt bekannt. Seit 2006 hat sich viel verändert! Heute haben wir ein zukunftsfähiges Messekonzept, das sich flexibel auf aktuelle Bedürfnisse und Entwicklungen des Marktes anpasst. Beispielsweise sind die Trennung in IHM Profi und IHM Privat oder die zeitliche Verkürzung der Messelaufzeit auf fünf Tage in enger Abstimmung mit den Ausstellern umgesetzt worden. Zudem haben wir eine schärfere Profilierung durch eine klare Hallenstrukturierung mit den Schwerpunkten Kfz-Werkstatt, Technik, Werkzeuge und Mobile Werkstatt erreicht. Wir setzen alles daran, die IHM Profi im Interesse der Aussteller und Besucher auch in Zukunft weiter zu optimieren. Denn über 8.000 freie Werkstätten aus Bayern, Österreich, und der Schweiz brauchen die IHM Profi als ihre Fachmesse!

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KOMMENTARE

Rolf Achtzig

13.07.2009 - 15:25 Uhr

Was soll das sein, Herr Dohr? Die übliche Arroganz der Münchner Messe oder das Pfeifen im dunklen Keller. Ihnen zur Ehre vermute ich Letzteres. Aber mal Hand aufs Herz: Ich finde, auf dem Oktoberfest schlägt mehr Herz der Kfz-Branche aus Österreich, der Schweiz und Süddeutschland als auf der IHM. Mag sein, dass das an der rückläufigen Bedeutung von Branchenmessen insgesamt liegt. Aber wenn ein treuer Messeaussteller wie die Fa. Stahlgruber nach 60 Jahren die Reißleine zieht, dürfte das weit reichendere Konsequenzen haben, als in dem Interview angedeutet. Ich glaube auch nicht, dass einer der Aussteller bei Stahlgruber Geld in einen eigenen Stand auf der IHM investiert. Dazu ist die Aussicht zu verlockend, das Fachpublikum bei der Stahlgruber-Messe in Poing direkter zu erreichen. Bleibt für die IHM nur die Hoffnung, dass Stahlgruber seine Hausmesse nicht in den März verlegt, inkl. Neuheiten zu Reifenservice und Waschanlagen.


Peter Kraupe

23.07.2009 - 16:49 Uhr

In der heutigen Zeit ist die Entscheidung aus Stahlgruber Sicht sicherlich richtig. Vor 25 Jahren war auch ich als Verkäufer auf der IHM, es war auch immer eine tolle Sache, ein Erlebnis! Wir erhielten die aktuellsten Informationen von den Herstellern, die wir dann auch weitergaben. Der gute Kontakt zu den Kunden wurde gepflegt und tolle Geschäfte wurden getätigt! Nachteil war hier, dass viele Kunden eine Anreise von ca. 3-400 km einfach hatten. Die Zeit hat sich aber geändert, jeder hat bzw. nimmt sich weniger Zeit und die Werkzeuge und Werkstattausrüstung sind immer beratungsintensiver und spezieller geworden. Also, nutzt der Kunde die Messe vor Ort in der Region. Es ist ein Service von Stahlgruber, wir kommen dem Kunden entgegen - und er uns! Bei relativ kurzer Anreise zu den Messen ist er auch bereit zu uns zu kommen, sogar mit Familie. Er erhält aktuelle Informationen von unseren Lieferanten der Industrie. Zusätzlich kann er sich auch bei Fachvorträgen informieren. Für die Frau und die Kinder gibt es spezielle Themen, die gut angenommen werden und das leibliche wohl kommt auch nicht zu kurz. Also eine "überschaubare und runde Sache" für alle! Fazit: Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah!


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