50 Jahre elektronische Getriebesteuerung: Intelligenz macht sparsam

17.06.2015 09:40 Uhr
Getriebesteuerung elektrisch Bosch
Vor 50 Jahren baute Bosch die erste elektronische Getriebesteuerung.
© Foto: Bosch

Automatikgetriebe gibt es schon seit rund einem Dreivierteljahrhundert. Intelligente Exemplare sind jünger, aber auch jubiläumsreif.

Heute sind Pkw-Getriebe lernfähig, schalten vorausschauend und können insgesamt vieles besser als der Mensch. In ihrer Frühzeit war die Technik aber relativ "dumm" – bis vor 50 Jahren die elektronische Getriebesteuerung debütierte. Zunächst aber nur mit einem kleinen Auftritt.

Weltpremiere feierte die Technik 1965 im Glas 1700. Bosch hatte für die Mittelklasselimousine eine elektronische Steuerung des Handschaltgetriebes entwickelt, die dem Autofahrer das Kuppeln und Schalten abnahm. Etwas skurril: Der Schaltknüppel bewegte sich trotzdem durch die Kulisse. Fast wie von Geisterhand. Das irritierende Schauspiel blieb aber eine Seltenheit, nach wenigen hundert Einheiten war Schluss. Als Glas wenig später von BMW übernommen wurde, geriet die elektronische Getriebesteuerung wieder einige Zeit in Vergessenheit.

Bis sie in den 80er-Jahren bei Automatikgetrieben Renaissance feierte. Bis dato orientierten sich die Schaltboxen bei der Gangwahl lediglich an zwei Parametern: Der Gaspedalstellung und der Raddrehzahl. Der geringe Input führte häufig zu falschen Entscheidungen – etwa wenn sich bei der Bergabfahrt die Räder immer schneller und schneller drehten und der Automat den häufig ungewollten Effekt mit fleißigem Hochschalten noch verstärkte. Doch die Elektronik ermöglichte nun die immer stärkere Berücksichtigung weiterer Faktoren bei der Gangwahl. Bis hin zur per Sensor festgestellten Fahrzeugneigung, die dem Getriebe eine Bergabfahrt kenntlich machen.

Ungewolltes Hochschalten am steilen Hang kommt bei modernen Automatikgetrieben nicht mehr vor. Die sind längst zu Hightech-Computern geworden. Bei der Rechenleistung übertreffen sie den Computer des ersten Mondflugs um den Faktor 160. Die elektronische Steuerung passt die Schaltstrategie an die Situation an, schont das Auto, fährt je nach Fahrerwunsch besonders sportlich oder sparsam und lernt sogar, sich an den persönlichen Stil des Fahrers anzupassen.

Die Entwicklung ist noch längst nicht am Ende. Das zeigt etwa der sogenannte "elektronische Horizont", der das Getriebe auf Navigationsdaten zugreifen lässt. So lässt sich die Schaltstrategie an Gelände und Straßenführung anpassen. Die Automatik schaltet dann beispielsweise in den spritsparenden "Segelmodus", wenn hinter einer langen Kurve ein Ort beginnt. So ließe sich der Kraftstoffverbrauch laut Bosch gegenüber heute um einen zweistelligen Prozentwert senken. (sp-x)

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