Marktübersicht Elektro-Transporter: Leise liefern

Der Vivaro von Opel kann jetzt auch rein elektrisch Pakete ausfahren.
© Foto: Opel

Noch vor wenigen Jahren war es unmöglich, einen Transporter mit E-Antrieb zu bekommen. Doch in diesem Jahr ist das Angebot regelrecht explodiert.


Datum:
23.10.2020
Lesezeit: 
5 min

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Von Mario Hommen/SP-X

Die Übernahme des Elektrotransporter-Herstellers Streetscooter durch die Deutsche Post DHL Group im Jahr 2014 war aus der Not geboren: Kein etablierter Hersteller wollte damals dem Logistik-Riesen die zur CO2-Reduzierung benötigten E-Laster bauen. Also wurden die Postler selbst zu Autobauern. Zumindest zeitweilig, denn während DHL dieses Jahr aus dem Streetscooter-Abenteuer aussteigt, blasen parallel die etablierten Hersteller zur E-Transporter-Offensive. Die kommen angesichts sich verschärfender CO2-Vorgaben, drohender Einfahrverbote in Innenstädte und nicht zuletzt aus Imagegründe zur rechten Zeit. GLS, UPS, Amazon oder Otto Group haben bereits klare Ziele definiert, mittelfristig klimaneutral zu werden. Doch es gibt auch für kleinere Betriebe gute Gründe, einen Blick auf die neuen Lautlos-Laster zu werfen, die auch dank der bis Ende 2021 abrufbaren Innovationsprämie von 7.500 Euro und zum Teil sogar 9.000 Euro Kostenvorteile bieten können. Im Betrieb gilt das ohnehin, weil teure Inspektionstermine und Verschleißreparaturen seltener sein werden.

Billig sind die E-Laster nicht, wie sich zum Beispiel am Netto/Brutto ab 54.800/63.568 Euro angebotenen E-Ducato von Fiat Professional zeigt. Der als Fahrgestell, Kastenwagen oder Personentransporter bestellbare Italiener bietet einen 90 kW / 122 PS starken und 100 km/h schnellen Antrieb. Wählbar sind zwei Batterievarianten mit 47 oder 79 kWh für 220 beziehungsweise 360 Kilometer NEFZ-Reichweite. Gleichstromladungen mit sieben, elf oder 22 kW erlauben Ladezeiten von 2,5 bis 8 Stunden. 50-kW-Wechselstrom verkürzt die 80-Prozent-Ladung auf 60 Minuten.

Opelaner bauen E-Angebot aus

Seit dem Sommer ist bei Opel zu Preisen ab 35.650/41.354 Euro der Vivaro-e bestellbar. Das Modell gibt es - 4,60, 4,95 oder 5,30 Meter lang - als Kastenwagen, Doppelkabine oder Kombi. Für den Vortrieb ist ein 100 kW / 136 PS starker E-Motor verantwortlich, bei den Akkus stehen 50 oder 75 kWh für 230 respektive 320 Kilometer Reichweite zur Wahl. Je nach Variante sind beim Kastenmodell Ladevolumina zwischen 4,6 und 6,6 Kubikmeter sowie eine Zuladung von maximal 1,2 Tonnen möglich. 2021 wollen die Opelaner ihr Angebot noch um E-Versionen des kleinen Combo und des großen Movano ausbauen.

Alle drei stammen übrigens von Opels Konzernmutter PSA, deren französische Marken Peugeot und Citroën das Movano-Pendant e-Boxer beziehungsweise e-Jumper als Kastenwagen und Fahrgestell in drei Höhen und vier Längen mit Radständen zwischen drei und 4,04 Metern noch dieses Jahr anbieten werden. Als Antrieb dient ein 90 kW / 122 PS starker Motor, die Reichweite beträgt 340 Kilometer. Bei Opels Schwestermarken Citroën und Peugeot bereits bestellbar sind die Vivaro-Geschwistermodelle e-Jumpy und e-Expert. Die letztgenannte Peugeot-Version kostet 34.690/40.240 Euro. Die beiden kleineren PSA-E-Transporter wird ab 2021 auch Toyota als Proace sowie als Combo-Pendant Proace City vertreiben.

Elektro-Pionier Renault bietet seinen großen Master bereits seit mehreren Jahren in der E-Version Z.E. als Kastenwagen in drei Längen (bis 6,23 Meter) und drei Höhen sowie als Fahrgestell an. Der 57 kW / 76 PS starke Motor erlaubt maximal 100 km/h, die 33-kWh-Batterie kann im Ecomodus den kleinsten Master bis 180 Kilometer weit tragen. Die Preise der geschlossenen Variante starten bei rund 60.000/69.600 Euro inklusive Batterie. Alternativ bietet Renault den Kangoo Z.E. in vier Karosserien mit maximal 4.600 Liter Stauraum und 650 Kilometer Zuladung an. Der 44 kW / 60 PS starke Motor kann flotte 130 km/h, die 33-kWh-Batterie ermöglicht bis 230 Kilometer Reichweite. Die Preise starten bei 20.820/24.151 Euro, exklusive Batterie die monatlich 62,18 Euro netto bzw. 74,00 Euro brutto kostet.


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Ebenfalls ein Veteran ist Nissans als Kastenwagen E-NV200. Er verfügt über einen 4.200 Liter großem Stauraum oder ist als 5+2-Sitzer Evalia verfügbar. Beide kombinieren einen 80 kW / 109 PS starken Motor mit 40-kWh-Batterie für 275 Kilometer (NEFZ). Preise starten hier bei 28.660/33.246 Euro.

Einziger Stromer von VW Nutzfahrzeuge ist der ausschließlich als rund sechs Meter langer Kastenwagen verfügbare e-Crafter. Auf maximal 90 km/h beschleunigt dessen 100 kW / 136 PS starke Maschine, während die mit 40-kW-Strom in 45 Minuten aufladbare 36-kWh-Batterie 115 WLTP-Kilometer erlaubt. Der mit dem MAN eTGE baugleiche e-Crafter ist für 53.900/62.524 Euro zu haben. Auch VWs klassischen Transporter gibt es elektrisch, allerdings als Umbau von Abt. Ab 45.000/58.000 Euro ist die Elektrovariante des VW Bulli als Kastenwagen, neunsitziger Kombi oder "Caravelle"-Pkw verfügbar. Antrieb ist ein 83 kW / 113 PS starker E-Motor, die Reichweite beträgt bis zu 131 Kilometer (WLTP).

Mercedes-Benz hat seit 2019 den e-Sprinter im Programm, der in der Klasse bis 3,5 Tonnen in einer 6,09 Meter langen Karosserievariante antritt. Als Antrieb dient ein 85 kW / 116 PS starker Motor für 80, 100 oder 120 km/h. Ebenfalls wählbar sind die Akkugrößen 35 oder 47 kWh. Die größte Reichweite wird mit 168 Kilometer angegeben. Bis 11.000 Liter Ladevolumen und 1.045 Kilogramm Zuladung sind möglich. Die Preise starten bei 53.900/62.524 Euro. Außerdem bietet Mercedes den kleineren eVito als Kastenwagen mit 85 kW / 116 PS starkem Antrieb, 35 kWh großer Batterie für maximal 180 Kilometer Reichweite und knapp über einer Tonne Nutzlast. Schließlich gibt es den 9-Sitzer Tourer in zwei Lägen mit 90-kWh-Akku und 150 kW / 204 PS starkem E-Motor für maximal 160 km/h und über 400 Kilometer Reichweite. Preislich geht es bei 54.160/62.826 Euro los.

Chinesen mischen in E-Transporter-Szene mit

Mittlerweile mischen auch die Chinesen in der E-Transporter-Szene mit. Maxus heißt die junge Marke des SAIC-Konzerns, die seit kurzen das Modell EV80 als Kastenwagen, 9-Sitzer oder Fahrgestell anbietet. Die rund 5,80 Meter lange Transporter kann 11.600 Liter und bis 910 Kilogramm schwere Fracht laden. Antrieb ist eine 92 kW / 125 PS starke Maschine, die maximal 100 km/h und im Zusammenspiel mit 56-kWh-Batterie 190 Kilometer Reichweite erlaubt. Die Preise starten bei 52.400/60.784 Euro. 35.000/40.588 Euro kostet der Maxus eDeliver 3, mit 4.800 oder 6.300 Liter großem Laderaum. Der Motor stellt 90 kW / 122 PS, der Akku 35 oder 52,5 kWh bereit. Maximal sind 120 km/h und 240 Kilometer Reichweite möglich.

Während alle bislang genannten Transporter eingeschränkte Reichweiten bieten, ist Ford Fords Transit Custom PHEV als einziges Nutzfahrzeug mit Plug-in-Hybridantrieb verfügbar. Dieser kommt elektrisch zwar nur 56 Kilometer weit, doch sein 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 93 kW / 126 PS ermöglicht 500 Kilometer Gesamtreichweite. Schnelles Nachtanken von Benzin ist außerdem möglich. Ford verspricht zudem 1.130 Kilogramm Zuladung. Los geht es bei 47.995/55.674 Euro.

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