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Borgward Historie: Bremens Stolz

Borgward eröffnete 1938 das neu errichtete Werk Sebaldsbrück, das die ersten Limousinen mit Borgward-Logo produzierte
© Foto: Borgward

Unternehmer Borgward schuf einen Automobilgiganten, der sogar international Aufsehen erregte und zu einem Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit wurde.


Datum:
03.03.2015
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Ein Hollywood-Drehbuchautor hätte es nicht besser schreiben können: Kühner Konstrukteur schmiedet in Rekordzeit einen global erfolgreichen Automobilgiganten. Ein Konzern, der auf den Automobilsalons der 1950er Jahre die aufregendsten Showcars in den Schatten stellt durch eine formvollendete und dennoch relativ bezahlbare Vorzeigebaureihe mit dem verführerischen Namen Isabella. Ein Unternehmen, das Bremen in den Jahren 1949 bis 1961 zu Deutschlands nördlichster Autometropole macht– und dennoch an widrigen Umständen untergeht. Carl F.W. Borgward heißt der geniale Ingenieur und gescheiterte Visionär. Jetzt versucht sein Enkel Christian ein Revival der Marke.

Carl Borgward eröffnete 1938 das neu errichtete Werk Sebaldsbrück, das die ersten Limousinen mit Borgward-Logo produzierte. Kurz nach Kriegsende startete in seinen bombenzerstörten Werken die Lkw-Fertigung. Direkt nach der Währungsreform beginnt 1948 in Bremen das bundesdeutsche automobile Wirtschaftswunder. Carl Borgward startet unter den drei Marken Lloyd, Goliath und Borgward die Automobilproduktion.

Dank Lloyd lag die Borgward-Gruppe Anfang der 1950er Jahre nach VW und Opel auf dem dritten Platz der deutschen Zulassungscharts und auch zum Ende des Jahrzehnts war der norddeutsche Riese noch absatzstärker als Mercedes. Borgward war Bremens Stolz und einer der bedeutendsten Arbeitgeber Nordeuropas. Vor allem als der Konzernchef 1954 mit der Isabella zum ganz großen Schlag gegen Mercedes ausholte. Als sportliche Mittelklasselimousine gehobenen Anspruchs fand die feminin geformte Familie aus zweitürigem Stufenheck, lifestyligem Kombi (unter den Lasteneseln damals eine Sensation), Cabriolet und Coupé eine freie Marktnische, die sogar von Mercedes und BMW vernachlässigt worden war.

Mit einer Vmax von 152 km/h konnte es die 55 kW/75 PS-Topversion TS der Isabella auf deutschen Autobahnen sogar mit manchen Oberklassemodellen aufnehmen. Und tatsächlich verkaufte Borgward Ende der 1950er Jahre zeitweise mehr Isabella als Mercedes 180er mit Benzinmotor. In 130 Länder wurde die Isabella exportiert, mit den USA als wichtigstem Abnehmer. Dort kippte die Autokonjunktur aber Ende der 1950er Jahre und die Isabella stand ab 1960 auf Halde.

Letzter und größter Wurf

Die Limousine P 100 wurde Borgwards ganz großer und allerletzter Wurf. Ein Luxusfahrzeug der Repräsentationsklasse, das es mit der Mercedes S-Klasse aufnehmen konnte. Dennoch trug auch das Flaggschiff zum Konkurs-Kollaps des Konzerns bei. Unvergleichlich war etwa die kompressorregulierte Vierrad-Luftfederung mit automatischer Niveauregulierung des 2,3-Liter-Sechszylinders, leider aber auch die Qualitätsprobleme. Die auch deshalb entsprechend niedrigen Stückzahlen des P 100 konnten die immensen Entwicklungskosten nie kompensieren.

Allerdings sollte ausgerechnet diese letzte Neuentwicklung von der Weser 1967 wiederauferstehen – im fernen Mexiko. Dorthin wurden die Produktionsanlagen nach dem 1961 eingeleiteten und von vielen Mythen und Dolchstoßlegenden umrankten Borgward-Konkursverfahren verkauft. Am Ende konnten übrigens alle Borgward-Gläubiger befriedigt werden, der geniale Unternehmensgründer erlebte dies allerdings nicht mehr: Er zerbrach am Untergang seines Lebenswerkes. (sp-x)



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