Dienstag, 23.07.2019
Verkehrsblatt IVW
28.10.2015

¬ Tokio-Messe im Überblick

Viele Studien, wenig Serie

Mercedes Benz Vision Tokyo

Mercedes zeigt in Tokio eine autonom fahrende Studie.
© Foto: Daimler

Michael Gebhardt/SP-X

Gerade erst haben die Automobilhersteller auf der IAA in Frankfurt ein Neuheitenfeuerwerk abgefeuert, schon steht in Tokio die nächste Messe an. Beim Stelldichein in Ostasien halten sich die spärlich vertretenen westlichen Hersteller abgesehen von wenigen Weltpremieren aber ziemlich zurück und auch die japanischen Autobauer versuchen eher mit Studien denn mit serienreifen Modellen die aktuellen Themen zu besetzen: Elektroantrieb, Vernetzung und autonomes Fahren.

Volkswagen und Audi wagen in Tokio ihren ersten großen Nach-Dieselgate-Auftritt und schlagen leise Töne an: Audi konzentriert sich auf die Präsentation des schon bekannten Q7 e-tron, VW zeigt erneut den Plug-In-Tiguan GTE – eigentlich wollte man auf der Messe  den Japanern den Diesel schmackhaft machen, doch die vorgesehene Selbstzünderflotte  musste aus bekannten Gründen zuhause bleiben. Neues gibt’s dagegen in Sachen Sportlichkeit: Porsche feiert sowohl die Premiere des gelifteten 911er mit Allrad, der nun auch mit zwangsbeatmeten Boxer vorfährt, als auch das Debüt des Macan GTS, der sich mit seinem 360 PS starken V6-Bi-Turbo zwischen S-Modell und Turbo einreiht. Auch BMW präsentiert sich durchtrainiert: Mit dem M4 GTS zeigen die Münchner eine 500 PS starke Ausbaustufe ihres Sportcoupés.

Mercedes blickt mit "Vision Tokyo" in die Zukunft

Bescheidener zeigt sich die Konzerntochter Mini, die ihre Modellpalette um das Cabrio ergänzt, dass sich binnen 18 Sekunden seines Stoffdachs entledigt und ab Frühjahr 2016 beim Händler steht. Deutlich weiter in die Zukunft blickt Mercedes mit der Studie "Vision Tokyo". Die vanartige Fingerübung für Megacitys greift das Design des F015 auf und beherrscht ebenfalls das autonome Fahren, so dass im Innenraum eine gemütliche Sitzgruppe eingerichtet werden konnte, um die herum Hologramme schweben. Ein Brennstoffzellenantrieb versetzt das Concept Car in Fahrt und soll fast 1.000 Kilometer Reichweite ermöglichen.

Damit liegt Mercedes voll im Trend der Messe: Autonomes, elektrisches Fahren, Vernetzung und möglichst viel Raum auf wenig Platz sind auch bei den asiatischen Herstellern die beherrschenden Themen – kaum ein Stand, an dem sich nicht eine schuhschachtelförmige Studie mit Internetzugang findet, mit der sich jeder Autobauer auf seine Weise für den stetig wachsenden Verkehr in den Über-Städten wappnen will. Viele der Kastenwagen lassen sich in rollende Büros, Einkaufsläden oder Bars verwandeln; hier mischt auch die bei uns längst vergessene Toyota-Tochter Daihatsu mit Modellen wie Tempo, Cast oder Hinala kräftig mit. Allerdings dürften es nur wenige der teilweise in Japan schon erhältlichen Modelle jemals nach Deutschland schaffen.

Ignis könnte gute Chancen haben

Gelingen könnte das dagegen dem neuen Suzuki Ignis, der zwar nach wie vor ungewöhnlich, aber bei weitem nicht mehr so skurril wie einst daherkommt und als Crossover unterhalb des SX4 S-Cross gute Chancen haben könnte. Auch die schicke Impreza-Studie und der Ausblick auf den Forester-Nachfolger Viziv von Subaru sehen schon ziemlich fertig aus und dürften demnächst zu uns kommen. Und natürlich werden wir auch bald die vierte Generation des Toyota Prius sehen, die sich aber sowohl optisch als auch technisch nur dezent weiter entwickelt hat – nach wie vor setzt der Hersteller auf Nickel-Metallhydrid-Batterie und nicht auf Lithium-Ionen-Technik.

Ebenfalls serienreif - aber wiederum mit nur wenig Aussicht auf großen Erfolg - ist der Honda Clarity Fuel Cell. Nach dem Toyota Mirai betritt damit ein zweites Brennstoffzellen-Fahrzeug die Bühne, doch auch hier stellt sich die Frage, wo der Kunde den nötigen Wasserstoff herbekommen soll. Das lässt auch die gleichfalls mit Brennstoffzellen-Antrieb ausgestattet Oberklasse-Studie Lexus LF-FC unbeantwortet, doch geht es bei der 5,30 Meter langen Schönheit weniger um Technik, als vielmehr darum, das Lexus weiter im Luxus-Segment mitspielen will. Und es gibt auch noch den guten, alten Verbrenner - genauer gesagt, den Wankelmotor: Den lässt Mazda mit der nicht minder aufsehenerregenden Studie RX Vision wieder aufleben und hat ihm angeblich seinen Durst ausgetrieben - das wird ein sehr wahrscheinlicher RX-8-Nachfolger bald unter Beweis stellen müssen. Und vielleicht muss sich bald auch ein ganz neuer Hersteller beweisen: Mit dem Sports Ride Concept wagt sich Motorradhersteller Yamaha ins Pkw-Segment und verspricht trotz der vier Räder den Fahrspaß eines Bikes. Die Voraussetzungen sind auf jeden Fall gut: Für den Sportler im Lotus-Elise-Stil zeichnet kein geringerer als der McLaren-F1-Vater Gordon Murray verantwortlich.

Weitere Highlights der Messe in unserer Bildergalerie.

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Daimler)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Michelin Reifendruckkontrollsystem

Gut angelegtes Geld

Manche Nachrüstangebote sind schlicht überflüssig. Dieses nicht. Reifenhersteller Michelin hat das erste nachkaufbare Reifendruckkontrollsystem für Zweiräder entwickelt. ¬ mehr

Renault Jubiläum 40 Jahre Turbo

Turbolenzen im Motorraum

Renault feiert ein rundes Jubiläum. Vor fast genau 40 Jahren gewann erstmals in der Formel 1 ein Wagen, in dessen Motor eine Art von kleinem Propeller für zusätzliche Kraft sorgte. Der "Turbo" begann seinen Siegeszug und gilt heute als Standard in nahezu allen Automotoren – außer in elektrischen natürlich. ¬ mehr

23.07.2019

¬ puls-Studie

Online-Teilehandel

Online-Kauf von Autoteilen

Das Marktforschungsinstitut puls hat aktuelle Ergebnisse einer Befragung zum Online-Kauf von Autoteilen präsentiert. Rund 33 Prozent der Online-Autoteilekäufer bauen ihre Teile selbst ein, ebenfalls 31 Prozent frequentieren eine freie Werkstatt, nur zwölf Prozent wenden sich an eine Markenwerkstatt. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 09.07.2019 | Neuauflage BMW X6

    Schick statt praktisch

    R. Luft meint: Allein die Überschrift zeigt, dass die Autoindustrie (damit meine ich alle, die im weitesten Sinne ...mehr

  • 04.07.2019 | BGH-Urteil

    DUH darf weiter klagen und abmahnen

    Betroffener meint: Das Urteil ist ausgefallen wie es zu erwarten war. Wenn das Gericht feststellt, dass die DUH nicht g...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Entdecken Sie Quirin!

In der Neuerscheinung "Die Quirin-Formel" zeigt Ihnen Dr. Andreas Block, welche zentralen Bausteine erfolgreiche Autohäuser gemein haben. ¬ Jetzt bestellen!