Bosch Diesel
Die Dieseleinspritztechnologie ist weiter auf dem Vormarsch und bietet noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Bosch arbeitet daran mit Hochdruck und bietet auch für den Service ausgefeilte Lösungen.
Mit welchem Kraftstoff ein Automotor betrieben wird ist eigentlich egal, Hauptsache es kostet nicht so viel. So könnte man die vorherrschende Meinung der Autofahrer zusammenfassen. Lange Zeit bestand die Wahl nur zwischen Benzin und Diesel. Je nach Besteuerung und Preisentwicklung punktete in der Statistik mal der eine, mal der andere. Doch dann kamen die direkteinspritzenden Pkw-Dieselmotoren auf den Markt und verliehen dem einstigen Langweiler und Sparbrötchen Dieselmotor im wahrsten Sinne des Wortes Schwung. Die Verbindung aus Fahrspaß und Ökonomie verhalf dem Dieselmotor zu einem bemerkenswerten Marktanteilsgewinn. Und die aktuellen Prognosen sagen eine blendende Zukunft für den Diesel voraus.
Den Schrecken verloren
In Werkstätten wurde der Dieselmotor lange Zeit skeptisch betrachtet. Über die anfangs laut nagelnde Antriebsquelle als Alternative für einen ruhig laufenden Ottomotor rümpfte man die Nase. Zwar arbeiteten Dieselmotoren meist problemlos, doch sobald eine Störung auftrat, war guter Rat teuer. Ganz klar, mit Vergasern und Zündanlagen kannten sich viele aus, beim Diesel fehlte den meisten Werkstätten zu Beginn des Diesel-Booms schlicht das fundierte Wissen. Heute sind die Werkstätten besser vorbereitet, denn spätestens seit Einführung der Common-Rail-Einspritzsysteme hat sich in den Werkstätten eine gute Wissensbasis für den Diesel gebildet. Längst hat sich das Common-Rail-System als marktbestimmend durchgesetzt, wobei im Service auch noch die älteren Systeme zu finden sind.
Der Name Bosch ist untrennbar mit dem Diesel verbunden. Das Unternehmen bietet heute Common-Rail-Dieseleinspritzsysteme für Motoren aller Dimensionen an. Stark an Bedeutung gewonnen hat in den vergangenen Jahren das Thema Abgasnachbehandlung beim Diesel, dabei geht es um die Reduzierung der Kohlenwasserstoffe, der Kohlendioxide (CO2) und der Stickoxide (NOx) im Abgas. Strenge Abgasnormen fordern niedrigere Verbräuche, um vor allem die CO2-Emission zu reduzieren. Der europäische Dieselmarktanteil von mehr als 50 Prozent an allen Pkw-Neuzulassungen belegt, warum solche Abgasnormen so wichtig für die Erreichung von Klimaschutzzielen sind.
Hohe Ziele erreichbar
Heute gilt ein CO2-Ausstoß von 130 g/km als gut. Bosch hat für 2020 einen CO2-Ausstoß von nur noch 95 g/km fest im Blick, wobei man weiteres Potenzial für weitere Emissionsreduzierungen sieht. Das liegt auf einem Level mit der CO2-Emission eines Elektrofahrzeugs, wenn man den aktuellen Energiemix der europäischen Kraftwerke zu Grunde legt. Durch Optimierungen der Dieseleinspritzsysteme zum Beispiel durch höheren Ein-spritzdruck und Abgasnachbehandlung lassen sich die NOx-Werte ebenfalls erheblich senken. Denox-Systeme, welche mit AdBlue (Harnstoff) arbeiten, werden dann Standard sein. Durch zusätzliche Maßnahmen, wie den Einsatz der Hybridtechnologie und rollwiderstandsarme Reifen lassen sich weitere Kraftstoffeinsparpotenziale umsetzen. Der Dieselmotor bietet energie- und umwelttechnisch in der Summe noch viel Potenzial. Jeder Fortschritt ist dabei aber mit zunehmender Komplexität der Systeme verbunden. So haben die Anzahl der Komponenten eines Dieseleinspritzsystems und die möglichen Fehlerarten der Motorsteuerung erheblich zugenommen. So besteht ein aktuelles Common-Rail-System heute aus 23 Komponenten und kennt das Motorsteuergerät (EDC) mehr als 2.000 Fehlerarten. Mit den Hochdrucksystemen haben somit der Marktanteil des Diesels und dessen Komplexität stark zugenommen.
Für alles eine Lösung
Schon seit den Anfängen der Teileherstellung hat bei Bosch die Möglichkeit der Prüfung und Reparatur gelieferter Teile eine hohe Priorität. Heute wird unter dem Titel „Parts + Bytes + Services“ eine Komplettlösung aus einer Hand angeboten. Bosch liefert nicht nur Teile, sondern stellt auch das Wissen und Produkte zur Verfügung, wie man diese Produkte im Falle eines Falles diagnostiziert und instandsetzt. Und es gibt besonders ge- schulte Bosch-Spezialisten, welche anspruchsvolle Arbeiten übernehmen können. In der Praxis sieht dies so aus, dass eine Werkstatt bei einem Fahrzeug, welches zu reparieren ist, mit einem Bosch-KTS-Diagnosegerät die Fehlersuche durchführt. Die ESItronic-Software bietet dazu neben der Steuergerätediagnose auch den Zugriff auf Fehlersuchanleitungen, Schaltpläne und alle weiteren Informationen bis hin zur Bauteil- und Bestellinfo an. In Bosch-Schulungen können der Umgang mit der Diagnosetechnik und das Vorgehen bei der Fehlersuche beim Diesel erlernt werden. Für spezielle Fragen steht eine Hotline bereit. Über den Teilegroßhandel liefert Bosch bei Bedarf schließlich das passende Teil für die Reparatur. Ganz im Sinne einer zweitwertgerechten Reparatur bietet Bosch drei Alternativen. Neben dem Neuteil führt Bosch Komponenten wie Hochdruckpumpen und Injektoren auch als Remanufacturing-Teil (exchange). Das sind im Werk generalüberholte Teile, bei denen verschlissene oder defekte Kom-ponenten ausgewechselt wurden. Weil das Remanufacturing-Verfahren hilft Rohstoffe zu sparen, gilt es als besonders umweltfreundlich. Auf exchange-Teile wird eine Garantie gewährt, aber sie kosten nur etwa 70 Prozent eines Neuteils. Mehr als 800 unterschiedliche Diesel-exchange-Produkte sind bereits lieferbar. Eine weitere Alternative ist die von den Bosch-Diesel-Spezialisten angebotene Komponenten-Reparatur. Die Diesel-Spezialisten sind mit aufwändiger Prüftechnik wie Einspritzanlagen-Prüfständen ausgerüstet. Damit können sie durch verschiedene Prüfabläufe genau analysieren, was an einem Common-Rail-Injektor oder einer Hochdruckpumpe genau defekt ist. Zusätzlich verfügen die Diesel-Spezialisten über Arbeitsplätze und Werkzeuge, mit deren Hilfe sich Injektoren zerlegen lassen. Die Bauteile eine Injektors sind wiederum als Bosch-Ersatzteil – insgesamt sind 50.000 unterschiedliche Ersatzteile nur für Dieselprodukte lieferbar – verfügbar und lassen sich auswechseln. Anschließend wird der Injektor wieder nach Werksangaben zusammengesetzt. Eine solche Reparatur eines Bauteils kostet ungefähr halb so viel wie ein Neuteil.
Neue Chancen im Diesel-Service
Weil Common-Rail-Systeme inzwischen den Markt bestimmen, hat Bosch im vergangenen Jahr mit dem EPS 708 erst- mals einen speziellen Common-Rail-Prüfstand vorgestellt, mit dem sich alle marktgängigen Injektoren und CR-Hochdruckpumpen überprüfen lassen. Dieser Prüfstand ist schon auf zukünftige Common-Rail-Systeme mit Einspritz-drücken bis zu 2.500 bar vorbereitet. Dank neu entwickelter Halterungen lassen sich Injektoren sehr schnell für eine Prüfung einsetzen. Außerdem ist der EPS 708 mit gut 60.000 Euro wesentlich günstiger als ein Universalprüfstand für Diesel-Einspritzsysteme. So dürfte der EPS 708 angesichts des Marktvolumens der Common-Rail-Einspritzsysteme für zu- nehmend mehr Werkstätten interessant werden. Vielfältiges Zubehör für den EPS ermöglicht die Prüfung sämtlicher bekannten Injektoren im Markt bis zur jüngsten Generation der Piezzo-Injektoren von Bosch. Auch Hochdruckpumpen lassen sich übrigens von ausgebildeten Spezialisten nicht nur prüfen, sondern ebenfalls reparieren. Bosch bietet für Injektoren und Pumpen ausgetüftelte Schraubstationen, Messvorrichtungen, Werkzeuge, Prüfmittel, Kalibriereinsätze, Software mit Anleitungen und Einstellscheiben für die Injektoren an. Damit lässt sich an Common-Rail-Systemen im Prinzip alles zerlegen, prüfen und instandsetzen. Mussten anfänglich Injektoren immer komplett ausgewechselt werden, so konnten ab 2005 bereits die Düsen getauscht und seit 2007 die Hochdruckdichtung erneuert werden. Seit dem vergangenen Jahr lassen sich erstmals alle Bauteile eines Injektors austauschen und einstellen.
Training ist die Grundlage
Der Werkstattalltag wird von Zeitdruck bestimmt. Kunden wollen nicht lange auf ihr Fahrzeug verzichten und die Werkstatt muss produktive Arbeit leisten. Wer eine Fehlersuche an einem Common-Rail-System durchführen, Teile auswechseln oder instandsetzen will, muss daher wissen, was er tut. Dieses Wissen bietet Bosch in vielen Diesel-Schulungen an. Für die Prüfung der neuen Piezzo-Injektoren (CRI) und den Umgang mit dem EPS 708 bietet Bosch zum Beispiel neu entwickelte Schulungen im STC in Plochingen an. Neu sind auch der Diesel-Fahrzeug-Kurs Fremdsysteme sowie die Schulung Abgasnachbehandlung im Pkw. Bernd Reich