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Klimaservice: Für kühle Köpfe

Der Klimaservice bleibt den Werkstätten auch künftig erhalten und wird noch anspruchsvoller.
© Foto: Mahle

Der Klimaservice wird vor dem Hintergrund zunehmender E-Mobilität anspruchsvoller, eröffnet aber auch neue Geschäftsfelder, um Verluste durch den Wegfall von Serviceleistungen bei E-Fahrzeugen auszugleichen.


Datum:
31.03.2022
Autor:
Dieter Väthröder
Lesezeit: 
5 min
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Kurzfassung

Die Klimaanlage übernimmt in E- und Hybridfahrzeugen wichtige Aufgaben im Thermomanagement und braucht stärkere Aufmerksamkeit. Schlampigkeit kann hier gefährlich sein. Das eröffnet neue Ertragschancen für Werkstätten.

Das Kühlen des Innenraums ist in E-Fahrzeugen und Hybriden zukünftig nur noch ein Nebenschauplatz, vielmehr wird es Aufgabe der Klimaanlage, die Speicherbatterien im richtigen Temperaturfenster zu halten, um Sommer wie Winter das Schnellladen zu ermöglichen. So muss die Batterie bei Außentemperaturen von unter null Grad Celsius beheizt werden, um überhaupt laden zu können. Bei hohen Temperaturen hingegen ist ein Schnellladen nur bei gekühlter Batterie möglich. Mittlerweile reduzieren die Hersteller auch die Zahl der Steuergeräte und gehen dazu über, Zentralrechner zu verbauen, die enorme Abwärme erzeugen und ebenfalls über das Thermomanagement gekühlt werden müssen. Im Winter fungiert die Klimaanlage außerdem nach dem Prinzip einer Wärmepumpe, um den Innenraum und Batterien zu heizen, schließlich fehlt ja die Abwärme des Verbrennungsmotors. Ohne funktionierendes Thermomanagement können E-Fahrzeuge komplett ausfallen.

Regelmäßig prüfen

Die Klimaanlage wird also vor allem in E-Fahrzeugen vom Komfort- zum funktionalen Element. Damit steigt auch die Bedeutung eines professionellen Klimaservice, denn durch das Thermomanagement wird die Klimaanlage mehr denn je gefordert und muss zuverlässig funktionieren. Die regelmäßige Prüfung der Klimaanlage gewinnt damit nicht nur im Hinblick auf die einwandfreie Funktion an Bedeutung, vielmehr bietet sich Werkstätten dadurch die Möglichkeit, zusätzliche Erträge zu generieren, die die gegenüber Fahrzeugen mit Verbrenner wegfallenden Serviceleistungen, wie etwa Ölwechsel, oder geringe Einnahmen bei Verschleißreparaturen ausgleichen können. Die Klima-Experten von Mahle Aftermarket empfehlen deshalb sowohl einen jährlichen Klima-Check als auch einen Klima-Service alle zwei Jahre, vergleichbar einer kleinen und großen Inspektion. Während beim Klima-Check lediglich eine Sichtprüfung aller Komponenten, eine Funktions- und Leistungsprüfung, der Austausch des Innenraumfilters und gegebenenfalls eine Desinfektion des Verdampfers anstehen, ist der Service umfangreicher. Hier kommen der Austausch des Filter-Trockners, der Wechsel des Kältemittels und eine Dichtigkeitsprüfung dazu. Vor allem die nachlassende Wirkung der Klimaanlage kann ein Zeichen für Undichtigkeiten sein, allerdings entweichen selbst bei neuen Klimaanlagen jährlich bis zu zehn Prozent des Kältemittels durch Diffusion.

Spülen unerlässlich

Durch Undichtigkeiten hervorgerufene Verluste von Kältemittel und Kompressoröl in Verbindung mit mangelnder Wartung führen über kurz oder lang unweigerlich zum Ausfall des Klimakompressors. Gleiches gilt für den Feuchtigkeitseintrag in das Maschinenöl durch Undichtigkeiten im System oder durch unsachgerechte Lagerung des Öls. Feuchtigkeit führt zum einen zur Säurebildung, die die Wicklung des Kompressors angreift und zu dessen Ausfall führt. Außerdem macht Feuchtigkeit das Öl elektrisch leitend, was nicht nur den Monteur gefährdet, sondern in E-Fahrzeugen auch zum Kurzschluss und damit zum Ausfall des Fahrzeuges führen kann. Ist es zu einem Kompressorschaden gekommen, muss nach dem Austausch das Klimasystem gespült werden, um Verunreinigungen wie Metallabrieb oder Späne aus dem Klimakreislauf zu entfernen. Dabei sollte besser einmal zu viel als zu wenig gespült werden. Empfohlen werden mindestens drei Spülvorgänge, um sicherzustellen, dass alle Verunreinigungen und Fremdbestandteile aus dem Kältemittelkreislauf entfernt wurden. Zum Spülen eignen sich, je nach Verschmutzungsgrad, die Kältemittel R134a beziehungsweise R1234yf oder eine spezielle Spüllösung. Klimakompressoren, Filter-Trockner (Akkumulatoren) und Expansions- beziehungsweise Drosselventile lassen sich nicht spülen und müssen während des Spülvorgangs durch Adapter überbrückt werden. Nach dem Spülvorgang sind diese Ventile und Filter zu ersetzen.

Umgekehrte Richtung

Da bei einem Defekt des Klimakompressors immer von einer Verschmutzung des Systems durch Abrieb oder Späne ausgegangen werden muss beziehungsweise diese nicht auszuschließen ist, muss das System beim Austausch des Klimakompressors unbedingt gespült werden. Danach sollte sichergestellt sein, dass bei Verwendung einer Spüllösung keine Reste im System verbleiben und der Kältemittelkreislauf mit Stickstoff getrocknet wird. Für den Spülvorgang eignen sich Klimaservicegeräte wie die ArcticPro-Serie von Mahle in Kombination mit einem externen Spülgerät wie dem ACX. Zum Spülen kann entweder das entsprechende Kältemittel verwendet werden oder eine spezielle Spülflüssigkeit, die zwar auch fest sitzende Partikel entfernt, in der Regel aber nicht von den Fahrzeugherstellern freigegeben ist. In jedem Fall ist entgegen der Flussrichtung des Kältemittels zu spülen.

Neue Kondensatoren

Mahle Aftermarket erweitert aktuell sein Portfolio um indirekte Klima-Kondensatoren, die zunehmend zum Standard im Klimasystem moderner Fahrzeuge werden. Indirekte Kondensatoren, die nach der Verdichtung durch den Kompressor das erwärmte Kältemittel abkühlen und so verflüssigen, kommen bereits in vielen modernen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zum Einsatz und sind auch für Hybrid- und E-Fahrzeuge die beste technische Option. Sie sind effizienter, leistungsstärker und kleiner als direkt gekühlte Kondensatoren und können zudem an beliebigen Stellen im Fahrzeug platziert werden. Direkt gekühlte Modelle hingegen müssen an der Front des Fahrzeugs angebracht werden, um dort den Fahrtwind zu nutzen, und unterliegen damit der Gefahr der Beschädigung durch Steinschläge oder selbst nur leichte Auffahrunfälle. Indirekte Kondensatoren sind somit besser vor Schäden geschützt.


So spülen Sie mit Kältemittel - der Ablauf in 10 Schritten

  1. Kältemittel vollständig absaugen
  2. Klimakompressor, Filter-Trockner, Expansions- und Drosselventile ausbauen und überbrücken
  3. Klimakondensatoren, die nach dem Parallelfluss-Prinzip arbeiten, ebenfalls ausbauen und überbrücken
  4. Verbindungsschlauch vom Spülkit an Hochdruckleitung des Fahrzeugs anschließen
  5. Roten Serviceschlauch mit Niederdruckleitung des Fahrzeugs verbinden
  6. Blauen Serviceschlauch an Spülkit-Ausgang (Filter) anschließen
  7. Kreislauf entgegen der Fließrichtung des Kältemittels spülen
  8. Ausgebaute Teile ersetzen, Dichtungen erneuern
  9. System evakuieren und mit Kältemittel befüllen
  10. Abschließende Funktions- und Dichtigkeitsprüfung durchführen


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