Gutes Klima in Italien

08.09.2010 12:02 Uhr

Interview

AUTO SERVICE PRAXIS sprach mit Bruno Vianello, Präsident und Inhaber von Texa, über die Zukunft seines Unternehmens, die Trends in der Diagnose und die bevorstehende Automechanika.

Wie stark wurde der Diagnosebereich von der Wirtschaftskrise betroffen?

Auch der Diagnose-Sektor ist von der Krise betroffen, jedoch weit weniger als andere Bereiche der Werkstattausrüstung. Der Grund dafür liegt einfach darin, dass die Mechaniker stets aktuelle Geräte brauchen, um neue Fahrzeuge warten und reparieren zu können.

Allerdings muss auch innerhalb des Diagnosebereiches unterschieden werden: So wurde der Verkauf von Diagnosegeräten für die Nutzfahrzeuge mehr von der Krise betroffen als die für Pkws. Der Grund liegt in dem Umstand, dass die Nutzfahrzeugbranche wiederum am meisten unter der Krise insgesamt gelitten hat. So wurden teilweise Flotten stillgelegt und diese haben dann wiederum in der Werkstatt zum Reparieren gefehlt. Im Pkw-Bereich konnten wir beim Absatz von Diagnosegeräten sogar noch ein bisschen zulegen. Denn weil weniger Neufahrzeuge verkauft worden sind, sind mehr gebrauchte Fahrzeuge in die Werkstätten gekommen.

Wird die Software im Diagnosebereich zunehmend wichtiger als die Hardware?

Also sicherlich ist bei der Entwicklung der Hardware weniger zu machen. Die Geräte werden insgesamt immer kleiner werden. Aber von den Grundlagen wird sich so viel an der Hardware nicht mehr ändern. Die Wichtigkeit der Software wird hingegen zunehmen, weil immer mehr Daten in diese einfließen werden. Besonders der Zugang zum Internet wird immer mehr eine Rolle spielen. Und da können wir guten Gewissens sagen, dass wir die Ersten waren, die diesen Weg erkannt haben, zum Beispiel für die Aktualisierungen. Wo andere noch lange Zeit nur mit CD-Roms oder DVDs gearbeitet haben, haben wir unsere Geräte schon onlinefähig gemacht, so dass sich der Nutzer die Updates über das Internet holen kann. Ein großer Schritt ist natürlich auch die google-Suchfunktion, die es ermöglicht, die verfügbaren Informationen in unsere Geräte zu integrieren, ohne dass sie auf den Geräten selber gespeichert sind. Als Aufgabe für uns bedeutet dies: Die Hardware so vorzubereiten, dass sie nach draußen kommunizieren kann und die Softwarevoraussetzungen zu schaffen, damit man dieses Medium nutzen kann. Hier ist Texa sicher frühzeitig in die richtige Richtung gegangen und wird weiterhin konsequent diesen Weg verfolgen.

Der Name Diagnosegerät ist ja mittlerweile zu kurz gefasst – eigentlich handelt es sich um Fahrzeugkommunikationstools. Werden die Anforderungen an die Diagnosegeräte im Bereich der Serviceunterstützung noch zunehmen?

Diese Dinge werden ja von den Automobilherstellern festgelegt, das heißt die Funktionen, die unabhängig von der Diagnose sind – ob eine Servicelampe zurückzustellen ist oder irgendwelche Bauteile in den Autonetzwerken angelernt werden müssen. Das wird sicherlich weiter zunehmen. Auch unter dem Aspekt, dass die Automobilhersteller versuchen, ihr Werkstättennetz gegenüber den freien Werkstätten zu schützen. Aber wir und unsere Mitbewerber haben auch in der Vergangenheit bewiesen, dass wir mit unserem Multimarkensystem und unseren Multimarkengeräten diesem Druck standhalten können. Darüber hinaus ist die europäische Gesetzgebung bestrebt, den Fahrzeugherstellern hier Einhalt zu gebieten.

In Deutschland wird derzeit versucht, die Partikelmessung für die Abgasuntersuchung (AU) zu etablieren. Welche Bedeutung messen Sie der Abgasanalyse für die Werkstätten zukünftig bei?

Aus unserer Sicht ist das Thema Emission bezüglich der Partikelmessung weitgehend ausgereizt. Wir denken, dass in der Hauptuntersuchung (HU) die Kontrolle der Elektronik eine zunehmend große Rolle spielen wird – sowohl in der Werkstatt als auch in den Prüfzentren. Wir werden dementsprechend die Weichen stellen, um den Werkstätten und Prüfzentren die Möglichkeit zu geben, diese Sicherheitssysteme zu überprüfen.

Welche Rolle spielt die Diskussion um das HFO-1234yf in puncto Klimaservicegeräte?

Diese Entwicklung bietet für uns natürlich Vorteile. Aufgrund der Umweltgesetzgebung wird ein neues Kältemittel gefordert. Von den Automobilherstellern – bei den einen verstärkt, bei den anderen ein bisschen weniger stark – wird derzeit das neue 1234 yf favorisiert. Und unserer Meinung nach wird das auch kommen. Das bedeutet für uns natürlich, die entsprechenden Klimaservicegeräte dafür zu liefern. Ob später noch andere Kühlmittel freigegeben werden, wissen wir derzeit noch nicht. Aber wir sind überzeugt davon, dass das neue Kältemittel in der Breite kommt. Die völlige Umstellung auf das neue Kühlmittel wird aber sicherlich rund zehn Jahre dauern. Denn im Moment sind 100 Prozent der Autos noch mit dem alten Kühlmittel R134A ausgestattet. Also, wir sind von der Seite her positiv gestimmt. Natürlich hat dieses Kältemittel auch seine Risiken, beispielsweise bei der Entzündbarkeit. Doch es ist eine Aufgabe für uns, die Geräte dementsprechend zu bauen, dass für die Werkstattmitarbeiter, die unsere Geräte bedienen, kein Risiko besteht.

Warum erweitern Sie Ihr Werk hier in Treviso?

Wir sehen eine viel Erfolg versprechende Zukunft für Texa. Nicht nur in unserem Kernbereich, der Werkstattausrüstungen, möchten wir wachsen, sondern auch in unserer künftigen zweite Linie, in deren Fokus der Autofahrer steht. Deshalb benötigen wir hier mehr Personal, ein größeres Lager sowie eine größere Produktion. Das ist der Grund, dass wir uns an diesem Standort flächenmäßig vervierfachen werden. Denn wir sind zwar eine italienische Firma, auch mit einem italienischen Geist, aber wir wollen nach deutschen Regeln arbeiten. Das heißt, dass wir die Qualität total unter Kontrolle haben, dass wir die Projektierung unter Kontrolle haben und die Produktion unter Kontrolle haben möchten. Deshalb lassen wir unsere Produkte nicht in Billiglohnländern bauen. Wir wollen da von unseren deutschen Freunden immer weiter lernen, um diesen Qualitätsstandard zu halten. Und das können wir nur garantieren, wenn wir diese Bereiche vor Ort haben.

Darüber hinaus fühlen wir uns auch in der sozialen Verantwortung und möchten hier weiterhin Beschäftigung schaffen und mehr Leute bei Texa anstellen. Unsere Philosophie ist, gute Qualitätsprodukte zu bauen, die letztendlich gar nicht mehr kaputtgehen. Das kann man nur, wenn man es selbst und nach klaren und hochgesteckten Qualitätsregeln macht, erzielen.

Was wird die Besucher der diesjährigen Automechanika am Texa-Stand erwarten?

Nun, der Schwerpunkt bei Texa wird in diesem Jahr auf der Klima-Service-Technik liegen. Wir werden u. a. die neue Maschinenserie für das neue Kältemittel präsentieren. Unser Gerät wird sehr reich an Neuheiten sein. Es beinhaltet allein sechs Patente. Auch im Diagnose-Bereich werden wir zwei Innovationen präsentieren: Zum einen werden wir eine neue Arbeitsoberfläche zeigen und zum anderen ein Produkt, das das Thema Diagnose auf Distanz aufgreift. Aber Genaueres gibt es erst auf der Messe!

Herr Vianello, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Bernd Reich

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