Fahrzeugdiagnose: Neues Diagnose-Equipment

Trotz steigender Ansprüche bei der Fahrzeugdiagnose müssen bestehende Geräte nicht zwingend ersetzt werden. Diagnose-Zubehör kann fehlende Funktionen ersetzen. 
© Foto: Adobe Stock/guruXOX

Schnellere Übertragungsstandards aufgrund steigender Komplexität der Fahrzeugelektronik sowie neue Sicherheitsstandards verlangen ein Aufrüsten des Werkstatt-Equipments, um auch zukünftig Reparaturen nach Herstellervorgaben durchzuführen.


Datum:
23.01.2020
Autor:
Daniel Przygoda

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Das Thema Datensicherheit spielt auch bei der Fahrzeugdiagnose eine immer größere Rolle. Bekannte Beispiele, wie der Hacker-Angriff auf die Bordelektronik eines FCA-Fahrzeugs vor einigen Jahren, zwingen nicht nur Fahrzeughersteller zum Handeln. Auch eine neue EU-Richtlinie treibt die digitale Sicherheit voran. Hinzu kommen immer mehr technische Innovationen in neuen Fahrzeugen und damit die steigende Anzahl von Steuergeräten. Eine Herausforderung für die Entwickler von Diagnose-Equipment. Die komplexer werdende Fahrzeugelektronik macht die Fahrzeugdiagnose keinesfalls leichter. So kann beispielsweise das Flashen von Steuergeräten mitunter Stunden dauern. Auch Softwareupdates werden immer wichtiger.

Schnellere Übertragungsstandards

Die immerer größer werdenden Datenmengen müssen also gemanagt werden. Der neue Übertragungsstandard Diagnostic over IP (DoIP) wird sich etablieren. Durch die höheren Übertragungsraten von bis zu 7 Mbit/s (bislang 250 bis 500 kbit/s) können Fahrzeuge schneller verbunden und ausgelesen werden. Es gibt bereits jetzt schon erste Fahrzeugmodelle von Jaguar und Volvo, die über diesen neuen Standard verfügen. Und auch Audi und BMW bereiten erste Modelle für den Einsatz von DoIP vor.

Fahrzeuge sollen sicherer werden

Nach Inkrafttreten der neu gefassten Typgenehmigungsrichtlinie sind Fahrzeughersteller angehalten, ihre Fahrzeuge sicherer zu machen. Dennoch gibt es hier unterschiedliche Lösungsansätze mit abgesicherten Zugängen und Sicherheitszertifikaten, die sich leider nicht immer in eine Richtung bewegen. Eines ist aber gleich: Damit sich der Fahrzeughersteller selbst absichert, muss er für jedes seiner Produkte nachweisen können, wer was am Fahrzeug gemacht hat. Eine Authentifizierung bzw. Registrierung auf einem Hersteller-Portal ist daher unumgänglich, und auch, dass Diagnoseprozesse die herstellereigenen Server durchlaufen. Selbst für kleinere Diagnosetätigkeiten, wie die Rückstellung der Serviceintervallanzeige, wird dies notwendig.

Einheitliche Lösung gefordert

Der Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobil-Service Ausrüstungen (ASA) kritisiert schon seit Längerem diesen "Wildwuchs". "Der Prozess über das Handling der Zertifikate ist heute weder einheitlich beschrieben noch standardisiert", so Harald Hahn, Vizepräsident des ASA. Der Aufwand ist hoch, "Toolhersteller sind daher gezwungen, viele unterschiedliche Lösungen vorzuhalten", erklärt Hahn weiter. Als einer dieser Toolhersteller möchte Bosch seine guten Kontakte zu den Fahrzeugherstellen einbringen, um die Zugangsabsicherung der Fahrzeugelektronik in eine Richtung zu lenken. "Ideal wäre ein einheitlicher Zugang innerhalb der Diagnose-Software, bei der die Werkstätten sich nicht mit zig unterschiedlichen Zugängen und Softwarelösungen abmühen müssen", erklärt Florian Länge, der für das Produktmanagement bei der Diagnosesoftware Bosch Esitronic zuständig ist.

Werkstätten in der Umbruchphase

Aktuell befinden wir uns in einer Phase, in der Werkstätten mit den unterschiedlichen Regelungen zurechtkommen müssen. Wer seine Reparatur-Dienstleistungen für verschiedene Fahrzeughersteller anbietet, muss unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen berücksichtigen und allesamt koordinieren. Dazu gehören unterschiedliche Softwares, unterschiedliche kostenpflichtige Accounts bei den Fahrzeugherstellern sowie Laufzeiten der Zugänge. Also keine idealen Bedingungen, um als Werkstatt schnell Arbeiten durchführen zu können.

Was ändert sich in Zukunft?

Autohersteller arbeiten zunehmend an Möglichkeiten, ihre Fahrzeuge abzusichern. Auf den Markt kommen mehr Modelle wie beispielsweise der neue Golf 8, wo zu erwarten ist, dass sie über einen solchen Schutz verfügen. Das Durchführen von Diagnosearbeiten wird hier ohne Weiteres nicht möglich sein. Werkstätten sind also von den Zugangsvoraussetzungen der Fahrzeughersteller abhängig.

Wo muss investiert werden?

Ein weiteres Thema für Werkstätten ist eine leistungsstarke Internetanbindung. Um die hohen Datenmengen und die Sicherheitsanforderungen seitens der Fahrzeughersteller bewerkstelligen zu können, muss eine Werkstatt zwingend in ihre Onlinefähigkeit investieren. Alleine das Arbeiten mit der abgesicherten Fahrzeugdiagnose verlangt einen stabilen und schnellen Internetzugang. Dies ist essenziell, da Änderungen der Software am Fahrzeug über die OE-Server laufen werden. Neue Diagnosegeräte sind allerdings nicht zwingend notwendig. Für bestimmte Tätigkeiten muss aber aufgerüstet werden. Wer an Fahrzeugen mit dem neuen DoIP-Standard Diagnosearbeiten durchführen will, kann beispielsweise auf Zubehör-Lösungen wie den markenübergreifenden DoIP-Adapter von Texa zurückgreifen.

Zubehör für FCA-Security Gateway

Für das Entsperren von FCA-Fahrzeugen durch ein Security Gateway bieten Toolhersteller ebenfalls Lösungen an. Beispielsweise haben Hella Gutman und Magneti Marelli neues Diagnosezubehör, welches auch mit Testern anderer Marken kompatibel ist, in ihr Programm aufgenommen.

Kurzfassung

Auch wenn sich die technischen Anforderungen bei der Fahrzeugdiagnose ändern, müssen bisher verwendete Geräte nicht zwingend ersetzt werden. Diagnose-Zubehör kann fehlende Funktionen sinnvoll ergänzen.

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