Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie. Dieser Spruch wird u. a. dem Wirtschaftswunder-Kanzler Ludwig Erhardt zugeschrieben. Dass er heute noch gilt, beweist die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2011. Der Kfz-Branche geht es gut. Glaubt man der Einschätzung des Branchenverbands ZDK, werden Fahrzeughandel und Gewerbe mit einem durchschnittlichen Bruttozuwachs von ca. zwei Prozent das beste Jahr seit langem erleben. Man ist bescheiden. Investmentbanker werden fristlos gekündigt, wenn sie ihrem Arbeitgeber am Jahresende zwei Prozent plus vorlegen. Aber die haben sich von der Realwirtschaft ohnehin weitgehend abgekoppelt und verdienen immer noch viel zu viel Geld in staatlich lizenzierten Wettbüros mit aberwitzigen Finanzprodukten.
Dass die meisten Verbraucher sich von deren Treiben nicht beeindrucken lassen und weiter konsumieren, hat auch etwas mit Psychologie zu tun. Die Stimmung ist gut, obwohl das Ende des Euro, der Europäischen Gemeinschaft oder der Zusammenbrauch des Weltwirtschaftssystems von irgendeinem Experten täglich aufs Neue an die Wand gemalt werden. Es scheint sich zudem in der Realwirtschaft auch kaum jemand dafür zu interessieren, welche Ratingagentur gerade welches Land oder welche Bank auf Ramschniveau setzt, die katastrophal überschuldeten USA aber weiterhin als Triple-A-Kandidaten ratet.
Vielleicht ist es auch einfach Trotz, der viele Verbraucher dazu führt, nur noch an die Werte zu glauben, die sie sehen und auch selbst erfahren können. Dazu zählt offensichtlich auch ein sicher repariertes und perfekt gewartetes Auto. Insofern sind wir sehr zuversichtlich, dass die gute Service-Stimmung auch 2012 anhält.
Frank Schlieben, Chefredakteur