Wahrscheinlich ist Ihren Kunden in den letzten Wochen relativ egal gewesen, welches Kältemittel in ihrer Klimaanlage Dienst tut und ob das den neuesten EU-Vorschriften zum Emissionsschutz gerecht wird. Hauptsache es kühlt und hat die stellenweise 40 Grad Celsius zumindest während der Fahrt im Auto vergessen lassen. Die Diskussion, die sich auf EU-Ebene um die Verwendung des umstrittenen Kältemittels R-1234yf entsponnen hat, zieht derzeit weite Kreise.
Mittlerweile ist das Misstrauen der EU-Mitgliedsländer untereinander, zwischen EU- und nationalen Behörden, ja selbst zwischen europäischen Automobilherstellern gewaltig.
Wirtschaftsblockade ist ein Vorwurf aus Deutschland an die Adresse der Franzosen, weil die Regierung in Paris nicht von ihrem Verkaufsverbot für nachträglich vom KBA mit erweiterter alter Typgenehmigung versehene Kompakt- und SL-Modelle von Mercedes-Benz abrückt.
Unglaubwürdig und parteiisch, lautet ein Vorbehalt aus EU-Kreisen gegen die Bundesbehörde KBA wegen ihrer Typgenehmigungspraxis. Den Sicherheits-Untersuchungen, die die Bundesbeamten in Sachen Gefährlichkeit von R-1234yf unternommen haben, schenkt man in Brüssel folglich nur wenig Vertrauen.
Die Lösung des Konflikts könnte der Vorschlag der EU-Kommission bringen, den eigenen wissenschaftlichen Dienst zur Gefahrenbewertung des Kältemittels zu nutzen und alle Tests und Untersuchungen von Befürwortern und Gegnern des R-1234yf gleichermaßen neutral auszuwerten.
Dem Klima – also der Umwelt und dem politischen – wäre damit wohl am meisten gedient. Ganz abgesehen von Werkstätten und Verbrauchern, die endlich wüssten, woran sie sind.
Frank Schlieben, Chefredakteur