Wir müssen es pragmatisch sehen. Auch die Stadt ist im Prinzip überbautes Gelände. Nur eben für klassische Offroad-Abenteuer denkbar ungeeignet. Entsprechend wehren sich Autos wie der Ford Bronco mit jeder Faser ihres rustikalen Blechkörpers gegen jegliche Form des klassisch deutschen Verkehrsszenarios. Für die 4,81 Meter Schwermetall, gegossen in Retro-Look, sind die Grenzen der Großstadt wie ein zu enger Käfig.
Typen wie der Bronco müssen an die Luft. Und das wird bei uns immer schwerer. Offroadfahren ist längst aus dem deutschen Alltag verschwunden. Was früher selbstverständlich war, ist heute streng reglementiert. Waldwege sind gesperrt, Feldwege tabu, selbst harmlose Abstecher enden schnell vor Verbotsschildern. Wer echtes Gelände erleben will, muss auf ausgewiesene Offroad-Parks ausweichen. Der Mammutpark in Stadtoldendorf, der Offroadpark Langenaltheim, der Fürsten Forest Powerpark in Fürstenau oder das Camp4Fun am Nürburgring bieten legale Möglichkeiten, das eigene Fahrzeug im Gelände zu bewegen. Professionell organisiert, sicher und kontrolliert – aber es bleibt ein abgegrenztes Erlebnis. Man fährt Offroad, weil man es darf, nicht weil es sich natürlich ergibt.
Ford Bronco (Offroad-Test)
Ford Bronco im Abenteuerland Aragonien
Im Gegensatz zu vielen Gegenden im Süden Europas, wo Vorschriften deutlich lascher sind und Geländefahrten abseits befestigter Routen meistens zumindest still geduldet werden. Deshalb reiten wir heute mit dem Bronco ins Abenteuerland Aragonien, genaugenommen in die Provinz Teruel. Sie bildet den südlichsten Teil der Region, zählt zu den am dünnsten besiedelten Gegenden Spaniens und ist bekannt für ihre unzähligen Offroad-Trails.
Auf den schlängelnden Straßen des auslaufenden iberischen Gebirges schrauben wir uns auf eine Höhe von über 1.000 Metern. Obwohl die Wintersonne ungetrübt strahlt, weht eine eisige Briese über die kargen Anhöhen. Kaum mehr ein Haus, eine einzige hügelige Felsenlandschaft. Ein paar Olivenbäume stehen weit auseinander, niedrige Büsche ducken sich in den Wind, alte Verbindungswege zwischen den Fincas, ausgetrocknete Flussbetten, schmale Pfade entlang der Hänge – all das ist Teil eines natürlich gewachsenen Wegenetzes. Wir biegen ab und fahren nach Navi, weil es der logische Weg ist.
Ford Bronco: Der 335 PS starke V6 arbeitet gelassen
Ziel ist der Offroad-Park nahe Masia Perlarda. Ein Paradies für Geländewagen-Fahrer, eine atemberaubende Berg- und Tal-Bühne auf mehr als 200 Hektar. Unser Ford Bronco wirkt hier nicht wie ein Besucher, sondern wie ein Teil des Ganzen. Und er folgt den Tracks mit unerschütterlichem Selbstverständnis. Ein Dreh am Regler in der Mittelkonsole, der passende G.O.A.T.-Modus ist aktiviert, und der Rest passiert fast beiläufig. Wo man früher Sperren manuell und mit hoher Kraft reinwürgen musste, funktioniert beim Bronco das meiste vollautomatisch und ohne, dass man sich ständig mit der Technik beschäftigen muss.
Der 335 PS starke V6 arbeitet gelassen, die Zehngang-Automatik hält die Drehzahl niedrig. Der Bronco nimmt lose Steinplatten, tiefe Spurrillen, absurde Gefälle und steilste Passagen mit einer Gelassenheit, die schon an Arroganz grenzt. Achsen verschränken, Drehmoment verteilt sich und grobes Profil greift nach allem, was es zu greifen gibt. Schmierigste Anstiege, die kaum ein Mensch zu Fuß bewältigen kann, sind für den Ami nicht mehr als ein Gasstoß entfernt. Einfach Lächeln und draufhalten - geht schon. G.O.A.T. heißt übrigens „Goes Over All Terrain“, also etwa „fährt überall drüber“. Stimmt schon.
Die Nehmerqualitäten des Ford Bronco sind enorm
Für die meisten dürfte so ein Auto keine Option sein, da wird auch Ford nicht widersprechen. Aber wenn du Farmer, Waldarbeiter, Förster bist, oder wie wir, fern der Zivilisation ins Unterholz abbiegst, gibt es wohl kaum einen Kumpel, auf den du dich mehr verlassen kannst als auf diese Ikone der Marke Ford. Vielleicht noch einen Defender, den Ineos Grenadier oder das G-Modell, ansonsten wird die Luft für ambitionierte Kraxler knapp.
Die Nehmerqualitäten des Broncos sind enorm. Die großen Böschungswinkel, die groben All Terrain Reifen, die hohe Bodenfreiheit, der entkoppelbare Querstabilisator und der fette Leiterrahmen machen das US-Pony zu einem Profi-Werkzeug für eine spitze Zielgruppe, die so übersichtlich ist, dass der Bronco – zumindest bei uns – das Leben eines Lonesome Riders führt. Bei Preisen ab 67.950 Euro muss man das – genau - pragmatisch sehen.