Automobile Design-Debakel: Fünf Formfehler

02.06.2026 04:12 Uhr
Pontiac Aztek
Zu kantig, zu zerklüftet, zu chaotisch: Kaum ein Auto wurde so einhellig verspottet wie der Pontiac Aztek (2001-2005). 
© Foto: Pontiac

Seit Ferrari das Tuch vom Luce gezogen hat, sind die sozialen Netzwerke voll von Hass und Häme, weil der elektrische Erstling so – nun ja – speziell ist. Das passiert in der Autowelt immer wieder – und muss nicht zwangsläufig zum Flop führen. Fünf Beispiele.

Autodesign war schon immer eine Frage des Geschmacks. Heute allerdings wird Geschmack in Echtzeit verhandelt – in Kommentarspalten, Foren und Feeds, in denen ein neues Modell binnen Minuten vom Hoffnungsträger zur Lachnummer degradiert wird. Genau das erlebt gerade Ferrari beim Luce. Kaum war der erste elektrische Ferrari enthüllt, hagelte es Kritik am revolutionären Design des iPhone-Gestalters Jony Ive, der offenbar zu weit gesprungen ist. Zumindest für die vermeintlich echten Ferraristi. Wer eine elektrische Wiedergeburt von F40 oder Testarossa erwartet hatte, fühlte sich erwartungsgemäß verraten.

Dabei ist Ferrari mit diesem Dilemma nicht allein. Einen ähnlichen Kurs ist vor zwei Jahren schon Jaguar gefahren – vielleicht sogar noch konsequenter. Während die Briten mit dem Type 00 den Bruch mit der eigenen Vergangenheit geradezu demonstrativ inszenierten und klar machten, dass der Neustart wichtiger ist als nostalgische Rücksichtnahme, versucht Ferrari den komplizierteren Weg. In Maranello wollen sie nicht mit der Geschichte brechen, sondern zwei Welten parallel bedienen: hier die klassischen Hochleistungsmodelle für die treue Kernkundschaft, dort der elektrische Aufbruch für neue Käufer und eine neue Ära. Jaguar setzt auf Tabula rasa. Ferrari auf den Spagat.

Kein Wunder, dass genau solche Strategiewechsel besonders emotional diskutiert werden. Denn bei solchen Autos geht es nie nur um Design. Es geht um Identität, Markentreue und die Frage, wem eine Marke eigentlich gehört: den bisherigen Fans oder den künftigen Kunden.

Nicht jedes verrissene Auto wird zum Flop

Doch der digitale Reflex ist als Marktforschung nur bedingt brauchbar. Nicht jedes verrissene Auto floppt, und nicht jedes polarisierende Design ist automatisch ein Fehler. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein Auto beim ersten Blick provoziert. Sondern ob die Provokation Kunden abschreckt – oder gerade neugierig macht.

Die Geschichte des Autos liefert dafür viele Beispiele – mit unterschiedlichem Ausgang. Modelle, die wegen ihres Aussehens krachend gescheitert sind. Andere, die trotz aller Häme erfolgreich waren. Und einige, die erst Jahre später vom Gespött zum Kultobjekt wurden.


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