Der ADAC will sich gründlich umbauen - Schluss mit aggressiver Mitgliederwerbung, Schluss mit Profitmaximierung und undurchsichtigen Geschäften, heißt das Motto. Die Vereinsführung beteuert am Montag ihren Willen zu tiefgreifenden Veränderungen, um die enormen Schäden zu reparieren, die die Fälschungen rund um den Autopreis "Gelber Engel" und die skandalträchtigen Wochen danach angerichtet haben. Den Rahmen dafür hatte der Autofahrerclub erst im Mai auf seiner Hauptversammlung in Saarbrücken abgesteckt. Seither beraten Arbeitsgruppen, um die Details der Renovierung zu klären.
"Unsere Analyse steht", erklärt Interimspräsident August Markl. "In den kommenden Wochen und Monaten werden wir nun intensiv darüber diskutieren und Entscheidungen treffen. Sie werden verstehen können, dass ich diesem intensiven Diskussionsprozess nicht vorgreifen kann." Der Blick der Bilanz-Pressekonferenz in München richtet sich ohnehin auf die Vergangenheit. Für den ADAC war der Termin in den letzten Jahren eine durchweg erfreuliche, wenn auch meist unspektakuläre Veranstaltung. Auch für 2013 hätte das eigentlich so sein können. Denn die Zahlen belegen vor allem den Erfolg, den der ADAC hatte.
Die Mitgliederzahl stieg im vergangenen Jahr weiter - und mit ihr die Einnahmen. Hohe Ausgaben und größere Steuerzahlungen nagten zwar am Gewinn des ADAC, doch insgesamt glänzt die Bilanz. Dann kam der Januar - und mit ihm der Skandal um den "Gelben Engel". Die Fälschungen bei dem Autopreis lösten eine Kettenreaktion aus, der Absturz in der öffentlichen Meinung war beispiellos, es folgten viele Vorwürfe, Präsident Peter Meyer und Geschäftsführer Karl Obermair verloren ihre Jobs. Dazu kam ein Aderlass, wie ihn der ADAC bisher nicht gekannt hat - Ende Mai hatte der Club rund 15 000 Mitglieder weniger als zum Jahreswechsel.
Das ist gemessen an der noch immer enorm hohen Mitgliederzahl von 18,93 Millionen ein verschwindend geringes Minus von 0,08 Prozent. Aber das Signal ist deutlich, denn seit Jahrzehnten kannte die Kurve nur eine Richtung: aufwärts. Das ist nun anders. Allein 320.000 Menschen sind wegen der Krise aus dem Verein ausgetreten. Dazu kommen die Abgänge, die der ADAC ständig zu verzeichnen hat: Gestorbene, Umgezogene, Autoabmeldungen und normale Austritte. Rechnet man alles zusammen, kommt man auf rund 385.000 Mitglieder weniger. Die 370.000 Neumitglieder seit Januar konnten das Minus nicht mehr ausgleichen.