Samstag, 25.05.2019
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In die Zukunft gedacht

In die Zukunft gedacht
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© AUTO SERVICE PRAXIS

Mit seinem neu gebauten Betrieb setzt Johannes Riemann nicht nur die Familientradition fort, sondern bereitet das Unternehmen auch für die nächste Generation vor - Klimaschutz inklusive.

Seit 1946 kümmerte sich Johannes Riemann sen. um die Mobilität der Bewohner von Emstek, einem kleinen Ort in der Nähe von Cloppenburg in Niedersachsen. In seiner Werkstatt verkaufte und reparierte er zunächst Fahrräder und Mopeds, später mit dem VW Käfer und Bulli die ersten Autos. Der Betrieb wuchs kontinuierlich, neben Pkw kamen auch Nutzfahrzeuge dazu. Zuletzt breitete sich der Betrieb auf 6.500 Quadratmetern in der Ortsmitte von Emstek aus. "Trotz mehrfacher Renovierungen stießen wir irgendwann an die Grenzen, sowohl bei der Fläche als auch bei der Gebäudestruktur", schildert Johannes Riemann jun., der heutige Inhaber. 1994, nach bestandener Meisterprüfung, stieg er in das Unternehmen ein und führte das Werk seines Vaters fort. Das Geschäft mit Nutzfahrzeugen und Lkw bis 12 Tonnen rückte weiter in den Mittelpunkt, doch die großen Fahrzeuge brauchten mehr Platz. So wuchs der Gedanke an einen Neubau, allein das passende Grundstück war zunächst nicht zu finden. "Wir wollten nicht zu weit weg vom alten Standort, um unsere Stammkunden nicht zu verlieren", so Riemann. Fündig wurde man, als das neue Gewerbegebiet "Emsteker Feld", an der Landesstraße zwischen Emstek und Cloppenburg, eröffnet wurde. "Für uns die strategisch ideale Lage, nur vier Kilometer vom alten Standort, nah an der Kreisstadt und mit guter Anbindung an die Autobahn A1", beschreibt Riemann.

Alles etwas größer

Mit dem Kauf des knapp 14.000 Quadratmeter großen Grundstücks begann die Planungsphase mit dem Generalunternehmer Borgers, zu dem man bereits Jahre zuvor Kontakt aufnahm. Projektentwickler Thomas Müggenborg erinnert sich: "Zunächst ging es um die Platzierung und Ausrichtung des Gebäudes auf dem Grundstück, danach folgten konkrete Planungen, auch im Hinblick auf mögliche Erweiterungen in der Zukunft. Herr Riemann hatte sogar einen Raumplan erstellt, was man im neuen Betrieb alles braucht", erinnert sich Müggenborg. Besonderes Augenmerk galt der Werkstatt, die genügend Raum vor allem für die großen Fahrzeuge bis 12 Tonnen bieten musste. Grundlage für die Ausgestaltung der Arbeitsplätze waren dabei neben der Größe der Fahrzeuge auch die Vorgaben der Hersteller. So entstanden hinter den zehn Werkstatttoren acht Hebebühnen-Arbeitsplätze, überwiegend in Unterflurtechnik. Auf den Bau einer Grube verzichtete man wegen der Grundwassersituation, die hohe Kosten verursacht hätte. Eine Dialogannahme und eine Waschhalle, beide in "XL", ergänzen die Arbeitsplätze, Letztere ist bereits für eine Portalwaschanlage vorbereitet. "Unsere modulare Bauweise erleichterte die Planspiele in der Projektierungsphase bezüglich Größe und Budgetierung, bis die endgültige Lösung feststand", so Thomas Müggenborg. Da Johannes Riemann auch Gedanken an den Bau einer Lackiererei hegt, wurde diese mögliche Erweiterung in der Planung ebenfalls berücksichtigt. Der vorgesehene "Bauplatz" im Anschluss an die Werkstatthalle ist deshalb nicht versiegelt, sondern geschottert und mit den nötigen Anschlüssen versehen.

Mit Weitsicht

Der Werkstatt vorgelagert und prominent zur Straße platziert ist das Ausstellungsgebäude mit knapp 500 Quadratmeter Präsentationsfläche. Innen entschied sich Riemann für eine Galerielösung mit einem zweiten Geschoss und bewies auch hier Weitblick. So ist genügend Platz für einen Besprechungsraum oder weitere administrative Arbeitsplätze vorhanden. Nutznießer könnte Sohn Simon sein, der derzeit noch in Ausbildung ist und als Nachfolger ins Unternehmen eintritt. Dann wird er von der weitsichtigen Planung seines Vaters profitieren. Neben der großzügigen räumlichen und technischen Ausgestaltung des Betriebes spielt für ihn das Thema Elektromobilität und Klimaschutz eine weitere große Rolle. Johannes Riemann entschied sich nach einem entsprechenden Hinweis von Projektplaner Müggenborg für den Bau nach KfW-55-Standard und damit für ein energetisch hocheffizientes Gebäude. "Von den Fördermöglichkeiten durch die KfW-Bank wusste ich bis zu dem Hinweis durch Borgers nichts Konkretes. Auch in den Bankgesprächen musste ich es aktiv ansprechen", so Riemann. Thomas Müggenborg weiß aus Erfahrung, dass Banken hier oft zurückhaltend sind.

Klimaschutz gefördert

Hauptbestandteil des Energiekonzeptes ist eine Photovoltaik-Anlage, die den Strom für eine Luft-Luft-Wärmepumpe erzeugt. Diese versorgt mehrere Warmluft-Gebläse im Ausstellungsraum mit Heizwärme. Überschüssiger Strom fließt als Betriebsstrom oder wird in das öffentliche Netz eingespeist. Weitere energetisch relevante Maßnahmen sind die Gebäudedämmung nach dem Energieeinspargesetz (EnEV) sowie der Einsatz von LED-Beleuchtung im Innen- und Außenbereich. Damit kommt Riemann in den Genuss einer entsprechenden KfW-Förderung in Form einer Rückvergütung von 50 Euro pro anrechenbarem Quadratmeter. Darüber hinaus hat Riemann den Hausanschluss und drei Stellplätze für die Einrichtung einer Stromtankstelle ausgelegt.

Kurzfassung

Der Mehrmarkenbetrieb Auto Riemann hat in einen energieefizienten Neubau investiert. Mit der richtigen Beratung ist er damit zukunftssicher aufgestellt - inklusive Erweiterungsmöglichkeit für Stromtankstellen.

Tipps vom Energieberater

- Im Rahmen der KfW-Förderung, Programm 276, gibt es bei Erreichen des KfW55-Standards eine Rückvergütung in Höhe von 50 Euro/qm (beheizte Nettofläche) oder max. 5 Prozent der Gebäudeherstellungskosten.- Anrechenbar sind auch Planungs- und Genehmigungskosten sowie notwendige Gutachten (z. B. Boden, Schall), nicht aber die Grundstückskosten.- Nicht anrechenbar sind die Kosten für eine Photovoltaik (PV)-Anlage, sobald sie auch ins öffentliche Netz einspeist.- Der Antrag auf Förderung muss vor der Vergabe eines Bauauftrags gestellt werden. Die Bauplanung kann unabhängig davon in Auftrag gegeben werden.- Empfehlenswert ist eine Beratung durch einen Generalbauunternehmer oder einen zertifizierten Energieeffizienz-Berater. Eine Liste findet man bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) unter www.dena.de.

Autor: Dieter Väthröder

 
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