Donnerstag, 27.06.2019
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Guter Rat wird gefördert

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© AUTO SERVICE PRAXIS

Um die Digitalisierung in kleinen und mittelständischen Unternehmen zu beschleunigen, hat der Bund das Förderprogramm "go-digital" aufgelegt und bezuschusst die notwendigen Beratungsleistungen.

Vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie im Handwerk sollen digitale Prozesse etabliert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Doch viele Unternehmer, und das gilt auch für die Kfz-Branche, sind zwar Spezialisten auf ihrem Gebiet, haben aber oft nicht das nötige "digitale" Fachwissen und die Kapazitäten, um ein erfolgreiches Konzept zur digitalen Transformation zu entwickeln. Genau hier setzt das Förderprogramm "go-digital" des Bundes an. Es bezuschusst die notwendigen Beratungsleistungen durch ein externes Beratungsunternehmen von der Analyse bis zur Umsetzung konkreter Maßnahmen. Dieses muss jedoch nach festgelegten Kriterien zertifiziert sein. So muss es unter anderem eine fachliche Expertise sowie einen Bezug zur Beratungsklientel nachweisen.

Kaum Aufwand für Kunden

Die Werbas AG hat sich als erstes Unternehmen in der Kfz-Branche als Beratungs-Dienstleister für die Digitalisierung zertifizieren lassen. Für Harald Pfau, Vorstand der Werbas AG, ist das kein Neuland: "Bereits früher haben wir im Rahmen unserer Beratungsgespräche nach Fördermöglichkeiten gesucht, zuletzt gezielt im Bereich Digitalisierung. Für eine Zertifizierung für das Programm 'go-digital' haben wir uns beworben, weil es als bundesweite Fördermaßnahme eine einheitliche Grundlage für unsere Mitarbeiter bietet." Seit September letzten Jahres ist das Unternehmen autorisiert und übernimmt seitdem neben der eigentlichen Beratung auch die Antragstellung für die Unternehmen. "Der Kunde hat mit der Antragstellung so gut wie keinen Aufwand, er muss uns lediglich ein paar Auskünfte geben und die Formulare unterschreiben, bevor wir sie online bei der von der Regierung mit der Abwicklung beauftragten Behörde Euronorm einreichen", erklärt Pfau. Bislang hat man für 15 Kunden Anträge gestellt, in neun Fällen ist die Förderung genehmigt. Die übrigen Fälle sind noch in Bearbeitung. Abgelehnt wurde bislang noch kein Antrag. Von der Antragstellung bis zur Zusage dauert es in der Regel sechs bis acht Wochen, das Projekt selbst zieht sich in der Regel über zwei bis drei Monate, nach maximal sechs Monaten muss es abgeschlossen sein. Wie bei allen Förderprogrammen darf man erst nach der Zusage mit dem Projekt beginnen.

Klare Bedingungen

Als förderwürdig gelten alle Maßnahmen, die, so Pfau, "vereinfacht gesagt dazu dienen, Papier und Bleistift durch digitalisierte Prozesse zu ersetzen". Dazu zählen digitalisierte Geschäftsprozesse, Projekte zur digitalen Markterschließung und der Bereich IT-Sicherheit, der verpflichtender Bestandteil jeder Beratung ist. Die Werbas AG setzt zwei der drei Themenfelder um, und danach richtet sich auch die Bezuschussung. Bezuschusst wird ausschließlich die Beratungsleistung mit 50 Prozent der Kosten auf einen maximalen Beratertagessatz von 1.100 Euro, insgesamt beläuft sich die Förderung auf maximal 11.000 Euro. Von der Euronorm sind mindestens fünf und maximal 20 Beratertage in einem Zeitraum von maximal sechs Monaten angesetzt. Antragsberechtigt sind Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern und einem Vorjahresumsatz von höchstens 20 Millionen Euro mit Standort in Deutschland. "Allein für die administrativen Arbeiten zur Antragstellung sind wir einen Tag beschäftigt. Mit Erteilung der Zusage starten wir dann mit dem Projekt beim Kunden. Der zahlt an uns nur den um die Förderung verringerten Betrag. Nach Projektende reichen wir die Unterlagen bei der Euronorm ein und erhalten den Differenzbetrag", erklärt Pfau.

Neutrale Beratung

Die Beratung beginnt in der Regel mit einem Projekttag zur Erfassung des Ist-Zustandes. Für die IT-Beratung setzt Pfau mindestens zwei Tage an: "Dabei geht es unter anderem um die Einführung oder Optimierung von IT-Sicherheitssystemen oder die Datensicherung. Dazu arbeiten wir mit dem Kunden eine umfangreiche Checkliste durch, daraus entwickeln wir neutrale Handlungsoptionen", beschreibt Pfau. An den restlichen Beratertagen stehen auch Mitarbeiterschulungen auf dem Plan. Harald Pfau betont: "Es handelt sich dabei nicht um Verkaufsveranstaltungen für Software, sondern es geht rein um die Umsetzung einer Digital-Strategie. Im Rahmen der Zertifizierung sind wir zu einer wettbewerbsneutralen Beratung verpflichtet."

Wohlwollende Behörde

Viele Förderprogramme, die die Bundesländer bereitstellen ( siehe Übersicht), werden kaum genutzt, weil vor allem kleinere Unternehmen mit der häufig komplizierten Antragstellung zeitlich und personell überfordert sind. "Bei diesen Programmen muss der Kunde selbst aktiv werden und über die Hausbank die Anträge stellen. Hier liegt nach meiner Meinung der Hemmschuh. Dagegen hat die Euronorm den Auftrag, die Förderprogramme umzusetzen und daher ein ureigenes Interesse, dass sie genutzt werden", so Pfau. Auch wenn die Abwicklung etwas Zeit braucht, wird man bei der Antragstellung sehr wohlwollend begleitet.

Kurzfassung

Das Förderprogramm "go-digital" des Bundes bezuschusst Beratungsleistungen bei Digitalisierungsprojekten durch ein externes Beratungsunternehmen von der Analyse bis zur Umsetzung konkreter Maßnahmen.

Autor: Dieter Väthröder

 
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