Donnerstag, 25.04.2019
Verkehrsblatt IVW
26.10.2016

¬ BGH-Urteile

Gefährliche Mängel sind zu beheben

Bundesgerichtshof

Autoverkäufer müssen gefährliche Mängel an Fahrzeugen finden und beheben, urteilt der Bundesgerichtshof.
© Foto: Uli Deck/dpa

Steht die Sicherheit des Fahrers auf dem Spiel, muss der Autoverkäufer alles tun, um auch ein nur gelegentlich auftretendes Problem zu finden und zu beheben. Andernfalls kann der Käufer den Wagen ohne jede Frist zurückgeben. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Mittwoch entschieden. Auch mit einem zweiten Urteil stärkten die Karlsruher Richter dem Kunden den Rücken: Demnach dürfen Käufer eines Neuwagens selbst bei einem sehr kleinen Mangel wie einem Lackschaden die Annahme und Bezahlung verweigern.

In dem ersten Fall hatte sich bei einem gebrauchten Volvo kurze Zeit nach dem Kauf mehrfach das Kupplungspedal verklemmt. Bei einer Probefahrt des Verkäufers schien dann aber alles in Ordnung zu sein. Er schickte den Kunden deshalb mit dem Auto wieder nach Hause - er solle erneut kommen, falls das Problem noch einmal auftauche.

Das sei bei einem solchen Mangel nicht zumutbar, entschieden die Richter. Allein die Ablenkung durch ein verklemmtes Pedal steigere das Unfallrisiko erheblich. Dem Urteil zufolge hätte der Händler der Sache auf den Grund gehen müssen - auch wenn dafür aufwendige Untersuchungen oder Ausbauten nötig seien.

Tatsächlich hatte ein Sachverständiger mit erheblichem Aufwand schließlich die Fehlerquelle entdeckt. Die Behebung des Problems kostete am Ende nur knapp 450 Euro. Trotzdem ist der Mangel aus Sicht der Richter nicht unerheblich: Solange die Ursache nicht feststehe, zähle nur die beeinträchtigte Funktion (Az.: VIII ZR 240/15).

Delle im Neuwagen

In dem zweiten Fall hatte der Käufer für rund 21.500 Euro einen neuen Fiat bestellt. Als ihm der Importwagen wie vereinbart nach Hause geliefert wurde, hatte er in der Fahrertür eine kleine Delle.

Der Händler bot nur einen Nachlass um 300 Euro an, obwohl eine Werkstatt die Reparaturkosten auf mehr als 500 Euro schätzte. Darauf ließ sich der Käufer nicht ein: Er lehnte die Annahme des Autos ab und wollte es auch nicht bezahlen. Nach einigem Hin und Her musste der Verkäufer den Fiat aus Wangen im Allgäu zurück zu sich nach Oberbayern holen, ausbessern und ein zweites Mal ausliefern lassen.

Auf den Kosten dafür bleibt er nun sitzen. Die Karlsruher Richter entschieden, dass der Händler die Reparatur «in eigener Verantwortung und auf eigenes Risiko» zu veranlassen hat. Das ergebe sich aus den gesetzlichen Verkäuferpflichten (Az.: VIII ZR 211/15). (dpa)

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Uli Deck/dpa)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Kraftzwerge mit Überraschungsmoment

Bissige und bezahlbare belle macchine im Mini-Format bauen, das war die Leidenschaft des Carlo Abarth, der seine legendäre Automobil- und Tuningfirma vor 70 Jahren unter dem Zeichen des Skorpions gründete. Bis heute bringen die meist auf Fiat-Modellen basierenden Kleinen den Puls von Motorsportfans auf Anschlag. ¬ mehr

25.04.2019

¬ Mercedes-Benz

Korrosion, Stabilität, Leuchte

Wegen unterschiedlicher Probleme ruft Mercedes die X-Klasse sowie die Modelle V-Klasse und Vito zurück in die Werkstätten. ¬ mehr

Autokauf

Weniger Fahrzeuge mit Euro-5-Motoren

Der Diesel ist tot, es lebe der Diesel: Die Nachfrage nach Pkw mit Diesel steigt wieder, zumindest in den gewerblichen Fuhrparks. Und die Zahl der Fahrzeuge mit alten Euro-5-Motoren nimmt ab. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 25.04.2019 | VW-Studie

    E-Autos bei Klimabilanz vor Diesel

    Christoph meint: Nehmen wir an die Strecke sind 1000km. Ein Tesla hat schon reichweiten von 500km. Das bedeutet also...mehr

  • 24.04.2019 | VW-Studie

    E-Autos bei Klimabilanz vor Diesel

    Maximilian meint: @doc HoeWelch ein geistreicher und weitsichtiger Beitrag, mit Verlaub!Wenn alle so denken und weiter...mehr

  • 24.04.2019 | VW-Studie

    E-Autos bei Klimabilanz vor Diesel

    doc Hoe meint: Mit Verlaub,mir ist die Ökobilanz ziemlich egal, interessant ist nur, was an Leistung auf der Stras...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Leistungsträger statt Mitläufer!

In der Neuerscheinung "Gewinnertypen im Verkauf" zeigt Ihnen Top-Verkäufer Ulrich Stegmann, wie Sie zu einer erfolgreichen Verkäuferpersönlichkeit werden. ¬ Jetzt bestellen!