Freitag, 18.10.2019
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Fordernde Zukunft

Fordernde Zukunft
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© AUTO SERVICE PRAXIS

Auf seinem diesjährigen Pressetag zeigte der Reinigungsspezialist Kärcher, was auf die Waschbranche zukommt, wann sich die Lohnwäsche im Autohaus rechnet und wie man den zukünftigen Herausforderungen gerecht wird.

Ganz im Zeichen der Zukunft stand der Kärcher-Pressetag Anfang Juni am Sitz der Firmenzentrale in Winnenden. Die Experten des Reinigungsspezialisten zeigten auf, wie Kärcher bereits heute daran arbeitet, Lösungen für die Autowäsche von morgen zu entwickeln.

Gerhard Stadler, Leiter des globalen Verkaufs und Produktmanagements im Bereich der Fahrzeugwäsche, fasste zu Beginn zusammen, was auf die Waschbranche zukommt: "Die gesamte Industrie steht vor einem Paket an zukünftigen Herausforderungen. So werden die Konturen der Fahrzeuge immer außergewöhnlicher und damit schwieriger zu reinigen. Gleichzeitig wird im Bereich der Fahrzeugbeschichtungen intensiv geforscht, um die Reinigung der Oberflächen zu erleichtern." Das vollautonome Fahren ist zwar noch in relativ weiter Ferne, doch Stadler sieht auch hier schon Entwicklungsbedarf, wenn es etwa darum geht, fahrerlose Fahrzeuge in der Waschanlage zu positionieren.

Und natürlich spielt auch bei der Fahrzeugwäsche die Digitalisierung eine immer größere Rolle. "Im Vergleich zu anderen Industrien hinkt die Waschbranche in manchen Bereichen weit hinterher, zum Beispiel bei den Themen Bezahlen und Starten der Anlage", sagt Stadler. So stellt sich aus seiner Sicht die Frage, wie in Zukunft ein autonomes Fahrzeug ein Waschprogramm auswählt, bezahlt und startet. Der Vertriebsleiter misst diesbezüglich dem Thema Vernetzung eine bedeutende Rolle zu.

Letztendlich ist und bleibt auf absehbare Zeit der Kunde die größte Herausforderung. Er erwartet immer kürzere Waschzeiten bei gleichzeitig hoher Waschqualität.

Gratwanderung

Um diesen Anspruch zu erfüllen, werden die Waschprogramme immer komplexer. "Trotzdem müssen wir dem Kunden eine einfache Bedienung gewährleisten", fügt Stadler an. In Bezug auf Waschzeiten und Waschleistung hat Kärcher mit der Klean!Star iQ bereits im letzten Jahr eine erste Lösung präsentiert. Bei deren Entwicklung standen vor allem Verbesserungen bei der Rad- und Bürstenwäsche sowie der Trocknung im Fokus. Die Felgenreinigung ist laut Stadler nach wie vor ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Kunden. Deshalb hat man den Planeten-Radwäscher, früher bekannt als Rawa 2.0, zum K!Planet iQ weiterentwickelt und ihm eine Scherenmechanik zur Zustellung verpasst, um im Bereich von 15 bis über 20 Zoll großen Rädern stets die Felgenmitte zu treffen.

"Damit decken wir rund 80 Prozent aller Fahrzeuge heute ab, in den kommenden Jahren muss die Radgrößenerfassung aber an neue Anforderungen adaptiert werden", stellt Stadler fest. Der großen Varianz in den Fahrzeugkonturen begegnet Kärcher mit der Seitenbürste K!Brush iQ, die je nach Höhe in fünf bis sieben Segmente unterteilt ist, die sich bis zu 110 Millimeter aus der Achse bewegen können und damit auch ausgefallene Fahrzeugkonturen vom Schweller bis zum Dach abdecken.

Der bereits gezeigte neue Trockner K!Dry iQ hingegen ist derzeit noch nicht serienreif, es gibt noch Probleme in der Abstimmung mit den Seitengebläsen. Ist der Trockner einmal im Einsatz, will Kärcher mit der Klean!Star iQ Waschen und Trocknen in jeweils einem Überlauf inklusive Konservierung abhaken.

Besser und günstiger

Doch die beste Technik nutzt nichts, wenn die Chemie nicht stimmt. So hat Kärcher unter der Leitung von Produktmanager Rainer Hirzel zur neuen Portalanlage gleich eine neue Chemielinie entwickelt. Neben dem Wasch- und Trockenergebnis stand bei den Klear!Line-Produkten vor allem die Verbrauchsreduzierung im Fokus. "Früher brauchten wir zum Beispiel für die Politur 80 Milliliter eines Polish-Produkts, das auf das trockene Auto aufgetragen wurde. Heute reichen 25 Milliliter des neuen Produkts Klear!Glow auf dem nassen Auto, was nicht nur die Kosten pro Wäsche reduziert, sondern gleichzeitig die Waschzeit verkürzt", erklärt Hirzel.

Trotz umweltschonender Chemie ist das Waschergebnis laut dem Produktverantwortlichen heute im Vergleich zu den 90er-Jahren um bis zu 40 Prozent besser, gleichzeitig durch die geringere Dosierung um rund 30 Prozent günstiger für den Betreiber. Der neue Felgenreiniger Klear!Rim RM 896 führt diesen Trend fort. Als alkalischer Reiniger wirkt er laut Hirzel bereits in geringsten Mengen sehr stark, ist aber trotzdem biologisch abbaubar.

Lohn- oder Eigenwäsche

Edgar Hasert, zuständig für die Projektierung neuer Waschanlagen, erläuterte Aspekte zum wirtschaftlichen Betrieb von Waschanlagen, je nach ihrem Einsatz in der Eigen- oder Lohnwäsche. "In vielen Autohäusern ist das Angebot einer Servicewäsche vom Hersteller vorgeschrieben, der Aspekt des Geldverdienens steht zunächst im Hintergrund", so Hasert. In diesem Fall orientieren sich die Größe und technische Auslegung bei Autohäusern an den Verkaufszahlen der Neu- und Gebrauchtfahrzeuge, bei Kfz-Werkstätten am Durchlauf der Kundenfahrzeuge. In beiden Fällen ist auch das bestehende Waschangebot von Fremdanbietern in der näheren Umgebung für die Rentabilitätsrechnung in Betracht zu ziehen.

Doch immer häufiger gehen aus seiner Erfahrung die Überlegungen dahin, eine vorhandene Anlage auch für die Lohnwäsche einzusetzen. Aber es gibt Hemmnisse: Gerade in älteren Betrieben sind die Platzverhältnisse oft nicht ausreichend, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch Waschkunden wäre kaum zu verkraften. Außerdem werden die eigenen Abläufe gestört, es kommt zu Wartezeiten für die Servicewäsche und damit zu Verzögerungen bei der Fahrzeugrückgabe, was wiederum zu schlechten Bewertungen führen kann. Zusätzlich ist das erhöhte Waschaufkommen bei der Dimensionierung der Anlage zu berücksichtigen.

"Wichtig ist, dass man sich bei den Waschzahlen an den Tages-Spitzenwerten orientiert und nicht am Wochendurchschnitt", erklärt Hasert.

Oft zeigt sich dann, dass ein Waschportal nicht mehr ausreicht, um die Spitzenzeiten abzufedern. "Alternativ kann man dann über eine Kurzwaschstraße nachdenken, der Trend im Autohaus geht aber zum zweiten Portal, weil kein Personal notwendig ist", sagt Hasert. Auch die Errichtung eines Cleanparks auf oder neben dem Autohausgelände findet laut Hasert immer mehr Interessenten.

"Mit zwei Portalen - eines für die Eigen-, eines für die Lohnwäsche - geht man allen Konflikten aus dem Weg und hat eine weitere Ertragsquelle geschaffen." Die Rentabilität, schränkt Hasert ein, hängt allerdings stark von den Investitionskosten und hier vor allem von den Grundstückspreisen ab. Auch die Unterhaltskosten dürfen bei der Planung einer Waschanlage in Hinblick auf eine Amortisierung keinesfalls außer Acht gelassen werden. So muss die Preiskalkulation der angebotenen Waschprogramme im profitablen Verhältnis zu den Wartungskosten für die Technik, den Kosten für Waschchemie und den Löhnen für das Personal stehen.

Neues Testzentrum

Alle Chemieprodukte testet Kärcher mit hundertprozentigem Recyclingwasser auf eigenen Anlagen. Die Maschinen- und Gerätetests finden im neuen Versuchs- und Testzentrum am Standort Winnenden statt, das Anfang 2019 unter der Leitung von Bernd Knisel in Betrieb ging. "Auf über 2.100 Quadratmetern können wir alle Arten von Tests, Simulationen oder Berechnungen durchführen, die für die sichere Einführung neuer Produkte notwendig sind", erklärt Knisel, bevor er die versammelte Fachpresse durch die Hallen führt.

Die Veranstaltung fand ihren Abschluss auf dem neuen Kärcher Clean Park, der unmittelbar am Werksgelände in Eigenregie betrieben wird und in "Vollausstattung" alle derzeitigen Kärcher-Lösungen für die Innen- und Außenreinigung von Pkw demonstriert.

Kurzfassung

Neue Fahrzeugkonturen und steigende Kundenerwartungen stellen die Waschbranche vor neue Herausforderungen. Reinigungsspezialist Kärcher präsentierte auf dem Pressetag Lösungsansätze für das zukünftige Waschgeschäft.

Von der Eigen- zur Lohnwäsche - das sollten Sie beachten

Standortanalyse durchführen:- Verkehrsfrequenz- Besiedelung (Umkreis 10 Kilometer)- Wettbewerbssituation- Waschpotenzial aus KBA-Zulassungszahlen- Potenzielle Großkunden (Transportunternehmen, Paketdienste, Flottenbetreiber etc.)Bauliche und technische Gegebenheiten:- Passende Waschhallengröße für heutige Fahrzeugmaße und Transporter (empfohlen: L 12 Meter x B 5,5 Meter)- Berufsgenossenschaftliche Vorschriften (Richtlinie für Fahrzeugwaschanlagen ZH1/543)- Ausreichende Wasser- und Stromversorgung- Wasseraufbereitung (Abscheide-/Recyclinganlage)- Lärmschutz je nach Standort- Einfach zu reinigende Oberflächen (Fliesen, Kunststoffpaneele)- Ein- und Ausfahrt ohne Rangieraufwand (Transporter)- Platz für Zusatzleistungen (Staubsauger, Mattenreiniger, SB-Waschplatz)

Autor: Dieter Väthröder

 
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