Montag, 20.05.2019
Verkehrsblatt IVW
08.10.2018

¬ ZDK-Präsident zum Diesel-Konzept

"Durcheinander könnte nicht größer sein"

Jürgen Karpinski

ZDK-Präsident Jürgen Karpinski zum Ergebnis des Diesel-Gipfels. "Wir brauchen eine bundeseinheitliche Regelung für die Hardware-Nachrüstung und keinen Flickenteppich."
© Foto: ZDK / LV Hessen

Von Dietmar Winkler, Chefredakteur asp AUTO SERVICE PRAXIS

Für ZDK-Präsident Jürgen Karpinski gibt es rund um die Ergebnisse des Diesel-Gipfels noch viele Fragen zu klären und entsprechende Weichen zu stellen. Das machte er im Gespräch mit asp AUTO SERVICE PRAXIS deutlich, wo er unter anderem einen Fonds für die Förderung einfordert, um die Diesel-Nachrüstung endlich in Gang zu bringen.

asp: Wie ist die Einschätzung des ZDK zur politischen Einigung?
Jürgen Karpinski: Wir brauchen eine bundeseinheitliche Regelung für die Hardware-Nachrüstung und keinen Flickenteppich. Um die Nachrüstung endlich in Gang zu bringen, benötigen wir die Förderung aus einem Fonds, der sich aus öffentlichen Mitteln und aus freiwilligen finanziellen Beiträgen der Hersteller speist, wie dies bereits beim Unterstützungsfonds für die Kommunen praktiziert wurde. Zumutbar erscheint auch eine Selbstbeteiligung der Fahrzeughalter etwa in Höhe des Betrags, der seinerzeit als Aufpreis für einen Euro 5-Diesel mit SCR-System zu entrichten war.

asp: Was müssen Autohändler jetzt tun, die noch Euro-5-Fahrzeuge vermarkten?
J. Karpinski: Das hängt von der Region ab, in der sie ansässig sind. In den Metropolen ist es fast unmöglich, noch Euro 5-Diesel zu verkaufen. Es wäre keine schlechte Idee, wenn diese Händler ihre zuständigen Bundestagsabgeordneten zu sich einladen und vor Ort über die prekäre Lage des Automobilhandels aufklären würden.

asp: Welche Optionen liegen für Händler auf dem Tisch? Wie sieht die Rechnung aus Sicht des Handels aus?
J. Karpinski: Das Durcheinander könnte nicht größer sein. Jetzt hat es die Politik geschafft, nicht nur die Kunden, sondern auch den Handel zu verunsichern. Zurzeit haben die Händler in den benannten 14 Städten und Regionen die Umtauschprämien als Option. Es muss sichergestellt sein, dass Hersteller und Importeure diese Kosten komplett übernehmen und diese auch nicht nur teilweise beim Handel hängenbleiben. Wenn jetzt noch mehr kaum weiterverkäufliche Fahrzeuge auf den bereits vollen Höfen der Händler landen, überschreitet das die Kapazitäten der Kfz-Betriebe insbesondere in den Regionen, die schon Fahrverbote haben oder wo sie drohen.

asp: Wer liefert am Ende die Nachrüstlösung –machen es die Autohersteller doch selbst?
J. Karpinski: Es wäre sinnvoll, wenn es die Hersteller selbst machen würden. Denn nach unseren Berechnungen kann für rund 1,3 Millionen Euro 5-Diesel im Fahrzeugbestand auf die wesentlichen Hardware-Teile (SCR-Katalysator, AdBlue-Tank, beheizbare Leitung, Pumpe, Filter) aus den Regalen der Fahrzeughersteller zurückgegriffen werden. Darüber hinaus werden die Zulieferer noch alle Hände voll zu tun bekommen, um ältere Dieselfahrzeuge mit ihren Systemen nachzurüsten. Dafür müssen sie jetzt sehr schnell die allgemeine Betriebserlaubnis vom KBA erteilt bekommen.
asp: Wird es eine Nachrüst-VO geben?
J. Karpinski: Eine solche Verordnung muss es geben, weil noch viele Fragen ungeklärt sind. Insbesondere ist hier Rechtssicherheit für die Fahrzeughalter zu schaffen, die auf Basis einer bundeseinheitlichen Regelung mit ihren nachgerüsteten Fahrzeugen freie Fahrt in die Verbotszonen haben müssen.

asp: Wie bekommt man möglichst schnell eine Freigabe für die Lösungen?
J. Karpinski: Hier ist das KBA gefordert, das die Freigabe von Nachrüstsystemen ja schon in Aussicht gestellt hat.

asp: Wer haftet für Folgeschäden?
J. Karpinski: Zulieferer wie Baumot und HJS als Hersteller der Nachrüstsysteme haben schon verlauten lassen, die Gewährleistung für diese Systeme zu übernehmen.

asp: Herzlichen Dank für das Gespräch!

 
 

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