Donnerstag, 19.09.2019
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ABS-Steuergerät

Zeitwertgerechte Reparatur

Zeitwertgerechte Reparatur
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© AUTO SERVICE PRAXIS

Continental bietet beim ABS-Steuergerät MK60 die Möglichkeit, nur die Hydraulikeinheit ohne den Elektronikteil zu wechseln. Das spart Geld bei der Reparatur und ist deutlich schneller als eine Überholung.

Das ABS-System regelt den Bremsdruck für jedes einzelne Rad und sorgt dafür, dass beim Bremsen keine Räder blockieren und das Fahrzeug steuerbar bleibt. So auch das ABS-Steuergerät MK60 von Continental, das in vielen Automodellen von BMW, Ford, Mazda, VW und Volvo verbaut ist. Der Drucksensor in der Hydraulikeinheit (Hydraulic Control Unit, kurz: HCU) des Steuergeräts ist dabei eine Schwachstelle. "Wenn der Drucksensor defekt ist, zeigt er einen unplausiblen Wert an und ein Fehlerspeichereintrag wird im Steuergerät hinterlegt. Das ABS-System kann dann nicht mehr korrekt regeln und das Auto schaltet in das Notlaufprogramm", erklärt Sven Albert, Trainer Technik und Vertrieb IAM Trainingscenter bei der Continental Aftermarket GmbH. Zudem leuchtet die ABS-Warnleuchte im Kombiinstrument auf.

Kosten- oder zeitintensiv

Im Falle eines Defekts gab es bislang nur zwei Möglichkeiten: Entweder musste das komplette ABS-Steuergerät - bestehend aus dem Elektronischen Steuergerät (Elektronic Control Unit, kurz: ECU) und der HCU - ausgetauscht werden. Die Reparatur ist jedoch teuer, zudem ist auch eine Neuprogrammierung des Steuergeräts notwendig, was je nach Equipment der Werkstatt ohne Fahrzeughersteller nicht möglich ist. Die andere Option bestand darin, den Drucksensor in der Hydraulikeinheit von einem Spezialisten überholen zu lassen, was zwar billiger, jedoch aufwendiger und zeitintensiver ist. "Dabei muss auch der Versand für das Hin- und Zurückschicken sowie die Instandsetzung berücksichtigt werden. Das Fahrzeug steht also unter Umständen bis zu einer Woche in der Werkstatt", erklärt Albert.

Continental bietet deshalb unter der ATE-Marke ab sofort die Möglichkeit, nur die HCU des MK60 auszutauschen. Dafür wird das ABS-Steuergerät ausgebaut, die alte HCU abmontiert, die noch funktionierende ECU mit der neuen HCU montiert und wieder im Motorraum eingebaut. "Unsere Methode hat den Vorteil, dass der Kunde sein Fahrzeug am selben Tag repariert zurückbekommt", erklärt Albert. Zudem kostet der Austauch der Hydraulikeinheit nur rund ein Viertel des Preises eines neuen ABS-Steuergeräts. Der Zusammenbau von Steuergerät und Hydraulikeinheit des Steuergeräts ist darüber hinaus für die Fachwerkstatt relativ einfach. "Da muss nichts kalibriert oder angelernt werden. Das ist Plug and Play", sagt Michael Rieth, verantwortlicher Produktmanager bei Continental Aftermarket. Der Reparatursatz von ATE gibt der Werkstatt beim Austausch zudem auch Sicherheit: Neben der mit Bremsflüssigkeit vorbefüllten HCU sind die für die Montage benötigten Kappen und Schrauben sowie eine Montageanleitung bereits im Lieferumfang enthalten. Auch ein Montagevideo können Werkstätten auf der ATE-Homepage (www.ate.de/mk60) aufrufen.

Wir zeigen exemplarisch an einem BWM 116i, wie der Austausch der Hydraulikeinheit des Steuergerats funktioniert. Die Arbeiten sind an diesem Fahrzeug problemlos in rund zwei Stunden erledigt.

Aus alt mach neu

Nach dem Entfernen der Wasserkastenabdeckung muss zunächst ein Bremspedalfeststeller eingebaut werden, damit die Bremsflüssigkeit nicht aus dem System ausläuft. Nun sollte das ABS-Steuergerät lokalisiert werden: Beim BMW 116i befindet es sich direkt neben dem Bremsflüssigkeitsbehälter im oberen rechten Bereich des Motors. Als Erstes werden die Bremsflüssigkeitsleitungen gelöst. Die Leitungen sind für jedes einzelne Rad vorhanden, zusätzlich kommen zwei Leitungen vom Tandemhauptbremszylinder als Zulauf. Dabei sollte saugfähiges Papier um das ABS-Steuergerät gelegt werden, damit die Bremsflüssigkeit nicht auf dem Lack auslaufen kann. Nachdem alle Leitungen entfernt wurden, können die Haltemuttern des Halters gelöst und das Steuergerät aus dem Motorraum entfernt werden. Zuvor sollte noch die Steckerleiste zu dem ABS-Steuergerät entfernt werden. Nun kommen Verschlusskappen auf die Leitungslöcher, damit die Bremsflüssigkeit nicht ausläuft.

Im ausgebauten Zustand wird zunächst der Halter des ABS-Steuergeräts entfernt. Nun wird die alte Hydraulikeinheit mit dem Pumpenmotor abgebaut, beide Schrauben sind neben der Pumpe angebracht (eine lange und eine kurze). Nach dem Lösen der Schrauben wird die Hydraulikeinheit von der elektronischen Einheit abgenommen. Nun wird die neue Hydraulikeinheit auf die alte elektronische Einheit aufgesetzt. Dabei sollte beachtet werden, dass die Magnetventile und Kontakte nicht berührt werden, damit es später keine Elektronikprobleme gibt. Nun werden zwei neue Schrauben (befinden sich im Lieferumfang) wieder mit dem vorgeschriebenen Drehmoment befestigt. Auch der Halter wird wieder montiert. Nun kann das Steuergerät wieder im Motor verbaut werden. Nach dem Einbau sollten die rote Transportsicherung der neuen Hydraulikeinheit und die Bremsflüssigkeits-Verschlussschrauben entfernt werden. Die Leitungen und Halter werden nun wieder mit einem vorgegebenen Drehmoment festgeschraubt und die Steckerleiste befestigt. Zum Schluss der Arbeiten ist ein Entlüften der Bremse notwendig, damit sich keine Luftblasen im System sammeln. Dafür ist ein Diagnosegerät notwendig, um die Magnetventile und den Pumpenmotor anzusteuern. Abschließend sollte noch eine Probefahrt gemacht werden.

Kurzfassung

Durch den Austausch der hydraulischen Einheit des ABS-Steuergeräts können Werkstätten dem Kunden eine günstige und zeitwertgerechte Reparatur anbieten, die sich in wenigen Stunden ohne Programmierung erledigen lässt.

Autor: Alexander Junk

 
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