Beissbarth
Der Name des Münchner Werkstattausrüsters Beissbarth steht seit Jahren fast synonym für die Fahrwerksvermessung. Das seit einigen Jahren zu Bosch gehörende Unternehmen entwickelt und fertigt die Vermessungssysteme, die mit unterschiedlichen Technologien arbeiten, in München und exportiert die Produkte in alle Welt.
Es gibt weltweit nicht viele Werkstattausrüster, welche auf eine mehr als einhundertjährige Geschichte zurückblicken können. Das 1899 in München gegründete Unternehmen Beissbarth zählt dazu und auch wenn nicht von Anfang an Werkstattausrüstungen produziert wurden, so ist Beissbarth vom Start weg dem Automobil verbunden. Fahrwerksvermessungssysteme und Reifenservicemaschinen zählen neben Prüfständen lange Zeit zu den bekanntesten und erfolgreichsten Beissbarth-Produkten im Markt. Seit 2007 ist Beissbarth Teil der Bosch-Gruppe und fungiert seither als Kompetenzzentrum für Fahrwerksvermessung innerhalb der Gruppe.
Wer heute an Fahrwerksvermessung denkt, hat meist ein Kamerasystem im Sinn. Doch auch Vermessungsysteme mit CCD-Technik (Charge Coupled Device, ladungsgekoppeltes Bauelement) sind nach wie vor gefragt. Beissbarth fertigt die Messtechnik der Messwertaufnehmer für die CCD-Fahrwerksvermessungssysteme weiterhin in München. Das Geräteprogramm spannt sich vom Basismodell ML 1800 mit mehreren Zwischenmodellen bis zum ML Tech. Die Güte der Ausführung und Ausstattung sind die wesentlichen Unterschiede zwischen den Geräten. So wird zwischen Sechs- und Acht-Kamera-Systemen unterschieden sowie zwischen verkabelten und kabellosen Varianten. Die Software erfüllt je nach Modell unterschiedlich hohe Ansprüche. Allen Modellen gleich ist eine hohe Präzision. Dies zeigt die Wiederholpräzision, die sich bei mehreren Messungen hintereinander zeigt.
Eigene Fahrwerksdaten-Datenbank
Eiene weitere Stärke bei Beissbarth ist die vom Werk selbst fortlaufend gepflegte Fahrwerksdaten-Datenbank mit Datensätzen für mehr als 30.000 Fahrzeugtypen von 130 internationalen Fahrzeug-herstellern. Wenn die Platzverhältnisse die Installation eines Kamerasystems nicht zulassen oder nur sehr wenige Vermessungen durchgeführt werden, ist ein CCD-System von Beissbarth eine gute Alternative und eine Überlegung wert.
Bei den Kameramesssystemen bietet Beissbarth mit dem Easy 3D ein Gerät mit acht Kameras und zusätzlichem Referenzsystem an. Dabei wird auf beiden Seiten des vermessenden Autos je ein Kameraträger angeordnet. Je nach Situation und Ausstattung des Messplatzes kann der Kameraträger auf dem Boden liegen oder mittels Adaptern an einer Fahrbahnbühne befestigt sein.
Immer alles im Blick
Dank des Referenzsystems können die beiden Kameraträger ihre Position zueinander feststellen. Sie sehen sich quasi gegenseitig unter dem Auto hindurch an. Je zwei Kameras eines Kameraträgers betrachten eines der an den Rädern befestigten Targets. Dank schneller elek-tronischer Bildauswertung können aus den digitalen Abbildungen der Targets die aktuellen Einstellungen aller Räder hochpräzise und schnell ermittelt werden. Der Vorteil bei den Kamerasystemen ist der Verzicht von Messtechnik direkt am Rad. Für die Befestigung der leichten Targets genügt es sogar einen Magnethalter, der bei fast allen Autotypen funktioniert, statt eines Spannhalters zu verwenden. Auf diese Weise ergeben sich kurze Rüstzeiten.
Mit dem auf der diesjährigen Fachmesse Autopromotec in Bologna erstmals in Funktion vorgestellten berührungslos arbeitenen Fahrwerksvermessungssystem Touchless II hat Beissbarth bereits die Zukunft der Vermessung eingeläutet. Bei diesem System werden im Prinzip die Räder als Targets eingesetzt und über die elektronische Bildauswertung der von Kameras betrachteten Räder die Einstellung der Räder ermittelt. Rüstzeiten entfallen bei diesem System weitgehend. Nur in extremen Fällen, wenn Spurweite und Radstand der hintereinander vermessenen Fahrzeuge stark voneinander abweichen, müssen die Kameras neu ausgerichtet werden. Ansonsten genügt es das zu vermessende Fahrzeug aus der Beissbarth Fahrwerksdaten-Datenbank auszuwählen.
Schneller geht es nicht
Eine rollende Felgenschaltkompensation und eine Lenkroutine genügen für die Eingangsvermessung. Neben dem Einsatz direkt in der Annahme eignet sich das Touchless II für die Einstellung des Fahrwerks. Bernd Reich