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Personal: Weiblich in der Werkstatt?


Datum:
20.04.2017
Autor:
Anna Matuschek
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Der Jammer um schlechte Beratung in der Werkstatt kommt meist von Frauen. "Von oben herab behandelt" oder "schlecht informiert" sind nur wenige Auszüge zahlreicher Gespräche. Eine weibliche Serviceberaterin oder Mechatronikerin kommt bei Frauen gut an. Das wiederum steigert die Zufriedenheits-Quote von Kundinnen. Natürlich funktioniert das nur mit einer gut ausgebildeten und aufgeschlossenen Mitarbeiterin.

Die erste Hürde: Räume

Die Räumlichkeiten stellen je nach Größe der Werkstatt das erste Hindernis dar. Denn die Arbeitsstättenverordnung schreibt unter § 6 Arbeitsräume Folgendes vor:

- Der Arbeitgeber hat solche Arbeitsräume bereitzustellen, die eine ausreichende Grundfläche und Höhe sowie einen ausreichenden Luftraum aufweisen.

- Der Arbeitgeber hat Toilettenräume bereitzustellen. Wenn es die Art der Tätigkeit oder gesundheitliche Gründe erfordern, sind Waschräume vorzusehen. Geeignete Umkleideräume sind zur Verfügung zu stellen, wenn die Beschäftigten bei ihrer Tätigkeit besondere Arbeitskleidung tragen müssen und es ihnen nicht zuzumuten ist, sich in einem anderen Raum umzukleiden. Umkleide-, Wasch- und Toilettenräume sind für Männer und Frauen getrennt einzurichten oder es ist eine getrennte Nutzung zu ermöglichen. (...)

Diese räumlichen Grundvoraussetzungen dürften für große Betriebe kein Problem darstellen, da diese Gesetze natürlich nicht nur für Werkstattmitarbeiterinnen, sondern auch für alle anderen weiblichen Angestellten gelten. Kleine Werkstätten mit wenig Mitarbeitern können von der zeitlichen Trennung Gebrauch machen. Hier gilt es zu organisieren, dass vor und nach der Kernarbeitszeit entweder nur Frauen oder nur Männer die Möglichkeit haben, sich umzuziehen und zu waschen.

Die zweite Hürde: Bewerberin finden

Wenn sich eine Werkstatt dazu entschließt, eine oder mehrere weibliche Kräfte einzustellen, muss sie damit rechnen, dass die Suche nicht einfach wird. Neben der fachlichen Eignung sollte eine Mitarbeiterin auch nicht zu zimperlich im Umgang sein. Eine Angestellte, die bereits einen frauenfeindlichen Witz am Kaffeeautomat persönlich nimmt, ist in einer männerdominierten Werkstatt fehl am Platz. Depressionen, Unwohlsein und Arbeitsausfälle sind ansonsten vorhersehbar. Das sollte bei einem Bewerbungsgespräch intensiv besprochen werden. Auch Tabufragen wie "Können Sie mit verbalen Anspielungen und blöden Sprüchen umgehen?" dürfen im Vorstellungsgespräch nicht fehlen. Genauso sollte thematisiert werden, dass sich Frau in der Berufsschule eventuell alleine unter Männern durchsetzen muss. Nicht zu vergessen sind die körperliche Fitness und ein starker Rücken. Wie bei allen anderen Auszubildenden ist es ratsam, ein Probepraktikum anzubieten. Wichtig: Eine Frau sollte nie das Gefühl bekommen, wie ein rohes Ei behandelt zu werden.

Das Ergebnis

Ist die passende Mitarbeiterin gefunden, gilt es diese auch zu halten und auf ihren gewünschten Einsatz vorzubereiten. Leider gibt es dazu auch einige Negativ-Beispiele, wie eine interviewte Mitarbeiterin aus München bestätigt: "Wären mehr Frauen in der Werkstatt, hätte ich mich viel wohler gefühlt. Ich wurde immer wie das blonde Püppchen behandelt", erzählt sie. "Um zu beweisen, dass ich etwas auf dem Kasten habe, habe ich sogar eine Meisterausbildung gemacht. Allerdings hat das an meinem Status im Betrieb fast nichts verändert. Dabei macht mir die Arbeit an und mit Autos großen Spaß." Sie rät Werkstätten daher, direkt zwei Frauen gleichzeitig einzustellen.

Sehr viel positiver ist eine andere Stimme: "Das erste Ausbildungsjahr war schlimm. Ich war immer alleine und keiner wollte etwas mit mir zu tun haben. Ich habe hart geschuftet, und als die Jungs verstanden haben, dass ich nicht aus Zucker bin, hatte ich die coolsten Kollegen und Unterstützer."

Tendenz steigend

Die Anzahl der weiblichen Auszubildenden steigt, wie die Infografik zeigt. Die Auswertung der Wilhelm-Maybach-Schule in Stuttgart Bad Cannstatt weist (je zum Stichtag um den 10. Oktober) den prozentualen Anteil von Frauen in den verschiedenen Lehrjahren aus. Während im Jahr 2010/2011 noch 3,7 Prozent der Azubis weiblich waren, sind es im aktuellen Jahr 2016/2017 doppelt so viele. Das Interesse am Auto- und Motorrad-Beruf nimmt also deutlich zu. Und somit für Werkstätten die Chance, eine Kfz-Mechatronikerin einzustellen.

Kurzfassung

Zu schwach, zu klein, zu uninteressiert, um in einer Kfz-Werkstatt zu arbeiten. Ein Klischee um Frauen, das sich in den vergangenen Jahren entschleunigt hat. Betriebe haben erkannt, welche Stärken sie haben.

Der Idealfall

asp: Alena, wie sind Sie auf die Idee gekommen, in einer Kfz-Werkstatt in die Lehre zu gehen?A. Staiger: In der neunten Klasse habe ich bei der Hahn Gruppe in Backnang ein Praktikum gemacht. Ich fand den VW Golf 2 von meinem Vater immer cool und hatte schon immer den Wunsch, eine technische Ausbildung zu machen. In den Sommerferien habe ich dann freiwillig ein zweites Praktikum gemacht, weil ich mehr lernen wollte. Dann hat man mich gefragt, wo meine Bewerbung bleibt. Damit stand der Entschluss fest.asp: Was waren die größten Herausforderungen während der Ausbildungszeit?A. Staiger: Man muss sich beweisen, zeigen, was man kann und will. Während meine Azubi-Kollegen 90 Prozent gegeben haben, waren es bei mir 110. Anerkennung war der Erfolg. asp: Gab es auch Probleme mit dummen Sprüchen? A. Staiger: Dumme Sprüche gab es, aber ich hatte damit keine Probleme. Da muss man drüberstehen, sonst ist die Werkstatt der falsche Platz.asp: Und was hat Ihnen in der Ausbildung am meisten Spaß gemacht?A. Staiger: Arbeiten an Motoren zusammen mit meinem Gesellen. Da konnte ich immer in Ruhe arbeiten und habe viel gelernt.asp: Wir unterhalten uns in der Vergangenheitsform. Sie haben Ihre Ausbildung abgeschlossen. Wie geht es weiter?A. Staiger: Vorerst strebe ich meinem nächsten Ziel entgegen und bereite mich darauf vor, im Herbst eine Weiterbildung zur zertifizierten Serviceassistentin zu machen.asp: Sind damit die Werkstatt und das Schrauben passé?A. Staiger: Ganz bestimmt nicht. Zum einen kann ich die Kunden intensiv betreuen und Fragen fundiert beantworten. An meinem eigenen Auto schraube ich nach Feierabend - und sollte mal ein Engpass in der Werkstatt sein, springe ich gerne ein.asp: Da wünschen wir Ihnen viel Spaß und Erfolg. Besten Dank für das Interview.Alena Staiger hat ihren Graumann auf den Bügel gehängt und widmet sich zukünftig der Kundenberatung.

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