Der Fachkräftemangel im Kfz-Handwerk macht nicht an nationalen Grenzen halt. Während deutsche Werkstätten seit Jahren über fehlendes Personal klagen, zeigt sich ein ähnliches Bild auch auf Mallorca. Laut eines Berichts des "Mallorca Magazins" sind viele Kfz-Betriebe auf den vier bewohnten Baleareninseln derzeit hoffnungslos überlastet. Allein dort fehlen nach Schätzungen des balearischen Branchenverbands ABERAN mehr als 1.000 qualifizierte Mechaniker. Die Folge: Kunden müssen für Reparaturen deutlich längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Kurzfristige Termine seien kaum noch möglich, größere Arbeiten müssten teils Wochen im Voraus geplant werden.
"Das große Problem ist fehlendes Personal", sagte Joan Sureda, Vizepräsident von ABERAN, gegenüber dem "Mallorca Magazin". Zwar verließen jedes Jahr junge Menschen die technischen Berufsschulen, doch reiche deren Qualifikation für den direkten Einstieg in den Werkstattalltag häufig nicht aus. Zusätzliche praktische Ausbildungszeit im Betrieb sei notwendig. Besonders kleinere Werkstätten hätten es dabei schwer, Nachwuchs zu gewinnen. Pflichtpraktika im Rahmen der Berufsausbildung könnten häufig nur größere Autohäuser anbieten, die alle vorgeschriebenen Fachbereiche abdeckten. "Die kleinen Betriebe verlieren dadurch wichtige Ausbildungsmöglichkeiten“", so Sureda.
Alternde Fahrzeuge auf Mallorca
Hinzu kommt ein wachsender und zugleich alternder Fahrzeugbestand auf der Insel. Immer mehr Autos benötigen häufiger Reparaturen, während gleichzeitig die Zahl der Betriebe sinkt. Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung verschärfen die Situation zusätzlich und führen in vielen Werkstätten zu einem erheblichen Arbeitsstau.
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Die Überlastung zeigt sich inzwischen auch im öffentlichen Raum. Defekte Fahrzeuge stehen teils tagelang auf Parkflächen, weil den Betrieben die Abstellmöglichkeiten fehlen – ein zunehmendes Ärgernis für Anwohner und Kommunen. Auch wirtschaftlich geraten viele Werkstätten unter Druck. Steigende Ersatzteilpreise und höhere Betriebskosten treffen auf geringe Margen. "Man hält uns für teuer, dabei lassen die Kosten kaum Spielraum", zitiert das "Mallorca Magazin" den ABERAN-Vizepräsidenten.
Als Auswege nennt der Verband eine stärkere Förderung der Ausbildung sowie die gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Besonders duale Ausbildungsmodelle hätten sich bewährt. "Diese Absolventen finden alle eine Stelle", so Sureda. Entscheidend sei, wieder mehr junge Menschen für das Kfz-Handwerk zu gewinnen – um einen weiteren Aderlass in der Branche zu verhindern.