Dann hat es Zoom gemacht ...

Der Umgang mit den Gerätschaften beim Klimaservice erfordert große Sorgfalt – der Kontakt mit Kältemittel ist zu vermeiden.
© Foto: Adobe Stock/industrieblick

Derzeit sehen sich die Hersteller von Klimaservicegeräten mit einem Phänomen konfrontiert, bei dem es zur spontanen Polymerisation mit dem Kältemittel R1234yf kommt.


Datum:
30.07.2020
Autor:
Dietmar Winkler
Lesezeit: 
5 min

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Kurzfassung

In Einzelfällen werden unerwünschte Polymerisations-Reaktionen beim Befüllen von Klimaservicegeräten mit dem Kältemittel R1234yf beobachtet. Noch steht eine sichere Erklärung der Kältemittel-Hersteller aus.

Diese böse Überraschung möchte beim Klimaservice niemand erleben. Offenbar kommt es beim Anschließen der Vorratsflasche mit dem Kältemittel R1234yf an das Klimaservicegerät in Einzelfällen spontan zu einer chemischen Polymerisation, bei der nach Öffnen des Ventils eine Art silikonartiger Stoff entsteht. Das kann zum Totalschaden des Klimaservicegerätes führen.

Auf das Phänomen machte jetzt der Hersteller von Klimaservicegeräten Dometic seine Kunden aufmerksam. In einem Schreiben von Dezember 2019 des Klimaspezialisten heißt es: "Nach aktuellem Kenntnisstand kann diese Reaktion beim Umfüllen von einer R1234yf-Frischware-Flasche in ein Klimaservicegerät auftreten. Eine mögliche Ursache können chemische Reaktionen sein, die bereits vorher in der Frischwarenflasche stattgefunden haben und die beim Umfüllen des Kältemittels (Entspannen von R1234yf) diese sichtbare Reaktion hervorrufen."

Dabei handele es sich um ein vereinzelt auftretendes Problem. Noch könne man nicht präzise sagen, warum diese Polymerbildung entsteht und wie sie zu vermeiden ist, heißt es in der Mitteilung. Wie Dometic berichtet erhalte man derzeit vereinzelte Mitteilungen über zerstörte Klimaservicegeräte in Verbindung mit dem neuen Kältemittel R1234yf. Dies betreffe auch Klimaservicegeräte anderer Hersteller sowohl im In- als auch im Ausland.

Bei dem austretenden Stoff handelt es sich um ein Polymerisat, das aus dem Kältemittel R1234yf entstehen kann. Die genauen Umstände, die zu dieser Polymerisierung führen, sind derzeit noch nicht vollständig erforscht. Fakt ist, dass unter ungünstigen Bedingungen (Luft und Temperatur) eine chemische Reaktion des Kältemittels R1234yf entstehen kann.

Der Stoff selbst sei nicht toxisch. Beim auspolymerisierten Stoff bestehe kein Gesundheitsrisiko. Dennoch rät Dometic davon ab, bei Auftreten eines solchen Polymers Reparaturversuche an Klimaservicegeräten oder dessen Bauteilen in Form von Reinigen oder Entfernen der Rückstände zu versuchen.

In diesem Zusammenhang weist Dometic darauf hin, dass das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung, wie intakte Schutzhandschuhe und Schutzbrille, im Umgang mit Kältemitteln jeglicher Art anzuraten sei.

Guido Sasse Leiter Business Development und Marketing der Waeco Werkstattausrüstung

asp: Wie kommt es zu der Polymerisation des Kältemittels R1234yf ?

G. Sasse: Es sind im Markt verschiedene Fälle aufgetreten, wenn die Kältemittelflasche an das Klimaservicegerät angeschlossen wurde. Dabei entspannt sich das Gas und es kam in diesen Einzelfällen dann zu einer schlagartigen Polymerisation des Kältemittels zu einer silikonartigen, festen Masse. Es wurde nur bei diesem Kältemittel beobachtet.

asp: Woran liegt das?

G. Sasse: Wir haben dazu noch keine endgültige Erklärung von den Herstellern erhalten. Wir können daher nicht sicher sagen, unter welchen Umständen diese Reaktion auftritt. Aus Labortests weiß man aber, dass diese Art von Polymerisation auftreten kann, wenn zwei Faktoren in Kombination mit dem Kältemittel R1234yf gegeben sind: Feuchtigkeit und hohe Temperaturen.

asp: Was also ist Ihre Vermutung, wie das passieren kann?

G. Sasse: Eine schlüssige Erklärung wäre, dass ungewollt Feuchtigkeit in die Flasche kommt. Das könnte passieren, wenn das Druckventil an der Flasche leicht undicht ist und so Feuchtigkeit in die Flasche eindringen kann. Wenn dann die Flasche vielleicht beim Transport oder nach Gebrauch unsachgemäß gelagert wird, vielleicht sogar unter direkter Sonneneinstrahlung, dann haben Sie sehr schnell 70 Grad Celsius in der Flasche.

asp: Passiert das im gefüllten Zustand?

G. Sasse: Wir vermuten, dass es bei nicht komplett entleerten Flaschen passiert, die zum Rücktransport an den Befüller gehen. Es könnte sein, dass das Ventil nicht hundertprozentig schließt oder undicht ist. Man hat in diesen Gebinden häufig einen Rest an Kältemittel - und der reagiert dann unter den genannten Bedingungen in der Flasche chemisch. Beim Wiederbefüllen wird dann einfach neues Kältemittel in diese Flasche eingefüllt, ein Spülvorgang oder eine Reinigung der Gasflasche findet nicht statt. Wenn ein solches Gemisch dann in der Werkstatt an das Klimaservicegerät angeschlossen wird, kann es zu der beschriebenen Polymerisation kommen. Das bedeutet dann einen Totalschaden am Klimaservicegerät.

asp: Was müssen Werkstätten beachten?

G. Sasse: Man muss sich unbedingt klarmachen, dass sich das Kältemittel R1234yf in keiner Weise mit Feuchtigkeit verträgt. Das war bei den anderen Kältemitteln (R134 a) deutlich unkritischer. Wir haben unsere Kundschaft informiert. An die Werkstätten geht der Appell, immer Handschuhe zu tragen und Schutzbrille. Das Polymerisationsprodukt selbst ist am Ende nicht toxisch, aber man weiß nicht, wie es sich während der Reaktion verhält. Daher sollte man das auf keinen Fall anfassen. Man muss unbedingt Feuchtigkeit aus dem Kältemittel R1234yf raushalten. Im Servicefall geht das nur mit der feuchtigkeitsfreien Zuführung von PAG-Öl und UV-Additiven in die Klimaservicegeräte. Sonst holt man sich die Feuchtigkeit über diesen Weg ins Gerät und in den Klimakreislauf des Fahrzeugs. Wir sind da mit unseren Geräten auf der sicheren Seite. Das ist auch der Grund, warum wir unser Sortiment im Rahmen des Profi-Ölsystems um kleinere PAG-Flaschen (150 ml) erweitert haben, um diese auch für die verschiedenen Wettbewerbsgeräte mit einer entsprechenden Adapterlösung anbieten zu können. Neben der im Markt bekannten Low- Emission-Technologie für Klimaservicegeräte beschäftigt sich Waeco schon seit Jahrzehnten mit den Verbrauchsmaterialien rund um den Klimaservice.

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