Best Practice: Zurück zum Endrohr


Datum:
18.01.2018
Autor:
Anna Matuschek

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Unterwall in der Gemeinde Berg bei Neumark in der Oberpfalz. Mit knapp 300 Einwohnern ein beschauliches Dörfchen. Hier hat sich Roland Bogner im Jahr 1999 mit einem Haus und einer kleinen Werkstatt niedergelassen. Von 1986 bis 1994 arbeitet er als Geselle in einem Opel-Betrieb, 1995 schließt sich dann die erfolgreich absolvierte Meisterprüfung an.

Einfach zu finden ist die Werkstatt nicht. Kein Schild gibt Hinweise. Weder an der Straße noch am Gebäude. "Ich mache keine Werbung, hier läuft alles über Mundpropaganda. Von Tag eins bis heute konnten wir viele Kunden gewinnen, wir haben sehr viel Stammkundschaft", erklärt Bogner stolz. Gutes spricht sich eben herum, und obwohl Roland Bogner neben seiner Werkstatt noch einer weiteren Tätigkeit im automobilen Bereich nachgeht, ist die 25 mal sieben Meter große Werkstatt gut ausgelastet. Ein festangestellter Mitarbeiter und gelegentliche Springer arbeiten an durchschnittlich 25 bis 30 Fahrzeugen pro Monat.

Eigene AU bringt Zeitersparnis

Auf der Agenda steht alles, was kommt und dazu gehört natürlich auch die Hauptuntersuchung. 15 bis 20 Fahrzeuge werden monatlich durch TÜV SÜD vor Ort abgenommen. Die Abgasuntersuchung erledigt Bogner selbst. Warum? "Es erspart im Tagesgeschäft viel Zeit. In einem so kleinen Betrieb wie unserem spielt diese natürlich eine besonders große Rolle. Und wenn mal ein schwieriger Kandidat dabei ist, erkennen und beheben wir den Fehler vor der Hauptuntersuchung durch den TÜV", erklärt der Kfz-Meister. Bei der Hard- und Software hat er sich für Brainbee entschieden. "Es war für mich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, weil ein normaler PC als Basis genügt. Zudem kann ich die Hardware selbst warten. Lediglich für die Eichung muss ich einen Prüfer bestellen", erklärt er. Das Update auf die Leitfadenversion 5.01, die für die verpflichtende Endrohrmessung notwendig ist, kostete 299 Euro netto. Zur Installation erklärt Bogner weiter: "Man meldet sich online an und bekommt dann eine Freischaltungskarte zugeschickt."

Kerndatenabfrage kaum verändert

Ein BMW 3er mit Diesel, Erstzulassung 04/2008, ist der erste Kandidat für den Test mit dem neuen System. Die Prüfung fragt den Fehlerspeicher per OBD 2, wie gewohnt, ab. Der einzige Unterschied bei der Dateneingabe ist die Nenndrehzahl, welche über den Fahrzeugschein schnell mit 4000 U/pro Minute abgelesen werden kann. Liegt die real gemessene Abregeldrehzahl dann bei unter 90 Prozent der Nenndrehzahl, erfolgt automatisch eine entsprechende Bemerkung auf dem AU-Nachweis. Das dient aktuell lediglich der Dokumentation, bei wie vielen Fahrzeugen die Abregeldrehzahl künstlich begrenzt ist und hat keine weiteren Konsequenzen. Bei unserem Testauto ist dies ohnehin nicht der Fall.

Aus der Routine heraus vergisst Roland Bogner zunächst die Sonde an das System zu koppeln. Die Umstellung zurück zu den alten Abläufen dauert eben. Das Messrohr selbst, ebenfalls von Brainbee, ist bereits vorhanden. "Hier wird weiterhin nur die Trübung gemessen, kein Rußanteil", weiß der Werkstattinhaber. Die Abfrage, ob der Partikelfilter arbeitet, hat die OBD-Prüfung bereits erledigt. Zusätzlich überprüft Roland Bogner das händisch mit dem Finger am Endrohr. Kuppe sauber, Filter in Ordnung.

Für die Abgasuntersuchung verlangt er 32,50 Euro netto pauschal und das soll auch erst einmal so bleiben. Etwas preissensibel sind die Kunden auf dem Land schließlich auch. Langfristig werden sie mit einem Preisaufschlag rechnen müssen. Denn um das ganze Paket der neuen HU-Richtlinien zu erfüllen, muss Bogner in ein Scheinwerfereinstellsystem und einen neuen Bremsenprüfstand investieren.

Investitions- und Platzbedarf steigt

Dabei gilt es nicht nur die passenden Geräte zu kaufen. "Ich überlege anzubauen, um die ganzen Dinge unterzubringen und trotzdem noch ausreichend Arbeitsfläche zur Verfügung zu haben. Da kommen natürlich hohe Kosten auf mich zu", weiß er. Die aktuellen Anforderungen gelten eben genauso für ein kleines Dorf wie für große Metropolen.

Kurzfassung

Kfz-Meister Roland Bogner führt einen kleinen Betrieb mit eigenem AU-Angebot. Die Umstellung auf das Software-Update 5.01 hat bei ihm reibungslos funktioniert. Per Freischaltungskarte konnte die neue Leitfadenversion installiert werden.

Das ändert sich für AU-Werkstätten

Trotz der Übergangsregelung ( siehe Verkehrsblatt-Veröffentlichung auf Seite 47), müssen auch Pkw ab 2006 seit dem 1.1.2018 bei der Abgasuntersuchung neben der OBD- auch per Endrohr-Messung geprüft werden. Für Werkstätten, die kein Software-Update 5.01 haben, bedeutet dies, dass sie eventuell "tricksen" müssen. Je nach genutztem Prüfprogramm kann die Messung am Rohr manuell eingeleitet werden - oder sogar die Erstzulassung des Pkw für die Untersuchung auf "vor 2006" gesetzt werden. Somit wählt das System automatisch beide Prüfverfahren. Deutlich einfacher als diese komplizierte Praxis ist jedoch das Update auf 5.01, denn um eine Prüfsonde kommen Betriebe so oder so nicht herum.

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