Nach Einschätzung des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) dürften die Stückzahlen erneut in einer Größenordnung von rund 39 bis 40 Millionen Reifen im Bereich Pkw, SUV und 4x4 liegen. Laut Michael Schwämmlein, BRV-Geschäftsführer Technik, bewegt sich der Markt voraussichtlich etwa auf dem Niveau des Vorjahres, in dem die Marke von 40 Millionen Einheiten nur knapp überschritten wurde. "Ein maßgebliches Wachstum zeichnet sich derzeit nicht ab", so Schwämmlein. Allerdings stünden die umsatzstarken Monate noch bevor. Es sei aber schwer vorherzusagen, wie sich die Geschäfte in der Winter-Wechselsaison entwickeln.
Die Auswirkungen der Energie- und Rohstoffkrise infolge des Ukrainekriegs sind in der Branche weiterhin spürbar. Insbesondere bei bestimmten Polymeren und anderen Rohstoffen wie Ruß und Schwefel, kam es zu Beeinträchtigungen, da diese teilweise aus Osteuropa beziehungsweise Russland bezogen wurden. Gleichzeitig werden aktuell keine gravierenden Lieferengpässe im Reifensegment durch die Anti-Dumping-Maßnahmen gegen Reifen aus China festgestellt. Dies gilt sowohl für den Budget- als auch für den Qualitätsbereich. Die Lagerbestände im Großhandel beschreibt Schwämmlein als gut gefüllt. Aufgrund der schwer einzuschätzenden Preisentwicklung agieren Großhändler allerdings zunehmend mit kurzfristigeren Vertragsbindungen.
Fachkräfte-Situation verbessert
Bei der Personalsituation zeigt sich ein differenziertes Bild. In Teilen des Kfz-Gewerbes hat sich die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte regional verbessert. Für den Reifenhandel bleibt die Situation dagegen angespannt. Positiv entwickelt sich hingegen der BRV-Ausbildungs-Award. Die Zahl und die Qualität der Bewerbungen haben laut Schwämmlein gegenüber den Vorjahren deutlich zugenommen.
Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich aus neuen europäischen Vorgaben. Nachhaltigkeits- und Umweltaussagen zu Produkten oder Dienstleistungen müssen künftig nachvollziehbar und belegbar sein. Dies betrifft beispielsweise konkrete Angaben zu CO₂-Einsparungen oder Materialeinsparungen. Daneben stellen Verpackungsvorschriften insbesondere exportierende Unternehmen vor erhebliche administrative Anforderungen. Für den klassischen Reifenhandel konnten einzelne Anforderungen im Zusammenhang mit der EU-Entwaldungsverordnung dagegen entschärft werden. Im Fernabsatz gewinnen zudem die Vorgaben zum Widerrufsrecht an Bedeutung. Unternehmen sollten ihre Online-Verkaufsprozesse entsprechend überprüfen, so die dringende Empfehlung Schwämmleins. Schließlich stehen neue Vorgaben zur Kennzeichnung von Gewährleistungs- und Garantieleistungen an. Händler müssen künftig deutlich zwischen der gesetzlichen Gewährleistung und freiwilligen Herstellergarantien unterscheiden und entsprechende Informationen im Verkauf bereitstellen.
Neue Profile
Viele aktuelle Neuheiten der Reifenhersteller greifen das Allseason-Thema auf. Bridgestone bringt mit dem Duravis Camper All Season erstmals einen Ganzjahresreifen für Wohnmobile, der speziell für hohe Lasten und lange Standzeiten entwickelt und dafür mit einer CP-Kennzeichnung („Camping Pneu“) versehen wurde. Der Reifen mit einem Label A in der Nasshaftung ist in sieben Ausführungen in 15 und 16 Zoll erhältlich.
Ebenfalls für den ganzjährigen Einsatz gedacht ist der neue VanConatct A/S Eco von Continental. Er wartet mit einer AAA-Bewertung beim EU-Label auf und ist zunächst in vier 16-Zoll-Größen verfügbar, weitere sollen folgen. Auch die Konzernmarke General Tire bringt mit dem Grabber Cross A/S A4 einen neuen Allwet-ter-Reifen für SUV und Geländewagen. Der Reifen mit 3PMSF-Symbol soll sowohl auf der Straße bis in hohe Geschwindigkeitsbereiche als auch im Offroad-Einsatz auf Gras, Schotter oder Felsen ganzjährig das Vorankommen sichern. In Größen von 16 bis 22 Zoll deckt er eine Vielzahl an SUV und 4x4-Fahrzeugen ab.
Wer es im Winter auch sportlich mag, kann auf den Dunlop Winter Sport 4D zurückgreifen. Eine gewichtsreduzierte Konstruktion sorgt für agiles Handling und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen. Mit Größen bis 21 Zoll und Freigaben bis 270 Kilometer pro Stunde (W) richtet er sich vor allem an sportliche Fahrzeuge. Ebenfalls aus dem Sumitomo-Konzern kommt der neue Falken Euroall Season AS220 Pro, der das Ganzjahresreifen-Portfolio von Falken nach oben abrundet. Er richtet sich an Fahrer leistungsstarker Pkw mit Fokus auf präzises Handling und Fahrstabilität unter allen Wetterbedingungen und ist bis zu 270 Kilometer pro Stunde freigegeben.
Der neue Winter i*cept evo 4 von Hankook wird in 93 Größen für Pkw und in der SUV-Variante nochmals in 75 Dimensionen angeboten. Highlights sind ein laut Hersteller signifikant verbesserter Rollwiderstand sowie ein reduziertes Abrollgeräusch, außerdem wurde die Laufleistung im Vergleich zum Vorgänger erhöht.
Nokian Tyres stellte bereits im Frühjahr den neuen Snowproof 3P vor, seit Herbst ist er im Handel. Das „P“ im Namen steht für Performance und gibt die Zielrichtung vor: Top-Wintereigenschaften für leistungsstarke Fahrzeuge, was er bei der Vorstellung im finnischen Testzentrum in Ivalo unter Beweis stellte. Mit Größen bis 21 Zoll, Breiten bis 315 Millimeter und Speedindex bis Y untermauert Nokian diesen Anspruch.
Scorpion Winter 3 heißt der neue SUV-Winterreifen von Pirelli. Über alle Größen erreicht er die Klasse A bei der Nasshaftung. Maximierte Schneehaftung und verstärkte Karkassenstruktur kommen dem hohen Gewicht der SUV entgegen. Einige Größen verfügen über die Elect-Technologie und unterstützen Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb.
Mit dem Quatrac Pro 2 bringt Vredestein die nächste Generation seines erfolgreichen Ganzjahresreifens auf den Markt. Mit Größen von 17 bis 20 Zoll und Speedindizes bis Y unterstreicht er seinen sportlichen Anspruch.
Schließlich setzt auch Yokohama auf das wachsende Segment der Ganzjahresreifen und zeigt den BluEarth-Allseason2 mit verbesserter Trocken- und Nässeperformance. 74 Größen stehen für Pkw, SUV und elektrische Fahrzeuge bereit.