Suche nach Auswegen: Autofahrer wollen E10 immer noch nicht

22.03.2011 10:27 Uhr
Auch zwei Wochen nach dem Benzingipfel wollen die Autofahrer keinen E10-Kraftstoff tanken.
© Foto: ddp / Klaus-Dietmar Gabbert

Zwei Wochen nach dem Berliner Benzingipfel zeichnet sich ab, dass die Autofahrer auch nach gründlicher Aufklärung keinen E10-Kraftstoff tanken wollen. Die Suche nach "Plan B" hat begonnen.

Deutschland ist zweigeteilt. Im Osten und im Süden des Landes trifft der Autofahrer beim Tanken auf das umstrittene E10 – und verschmäht es. Der Norden und der Westen sind dagegen weitgehend E10-freie Zonen. Und sie werden es auch vorläufig bleiben. Sowohl Esso als auch Shell haben sich von ihrem Ziel verabschiedet, bis zum Ende des Quartals sämtliche ihrer Stationen in Deutschland auf E10 umzurüsten. Grund: Die Raffinerien im Norden und Westen stellen ihre Produktion nicht um, weil sich der Stoff im Süden und Osten nicht verkaufen lässt. Also gibt es auch keine Versorgung mit E10 für Tankstellen. Sie verkaufen weiter das alte Super E5 mit 95 Oktan und fünf Prozent Ethanol, das es im Süden kaum mehr gibt."Ich weiß auch nicht, wie wir dieses Chaos lösen sollen", seufzt ein Hamburger Mineralöl-Manager. Das Verhalten der Kunden an der Tankstelle ebenso wie mehrere nicht-repräsentative Umfragen lassen nur einen Schluss zu: Die Autofahrer sind nicht nur verunsichert, ob die Benzinmotoren ihrer Autos den zehnprozentigen Ethanol-Zusatz im Sprit vertragen. Es geht um mehr: Viele wollen sich nicht vorschreiben lassen, was sie tanken. Oder sie befürchten, mit E10 der Umwelt zu schaden, obgleich das Gegenteil bezweckt war. "Wir müssen zwar weg vom Erdöl, aber nicht auf Kosten der hungernden Kinder in Afrika und Asien", schreibt ein ADAC-Mitglied auf den Internetseiten des Automobilclubs. So weit ist es noch nicht; der ADAC steht formal hinter den Beschlüssen des Benzingipfels und will die Einführung von E10 unterstützen. Doch diese Unterstützung beschränkt sich auf Worte. Gleichzeitig fordert der ADAC, dass eine preisgünstige Ausweichsorte an den Tankstellen erhältlich sein muss, für alle, die kein E10 tanken können oder wollen. Am besten das alte Super mit 95 Oktan und fünf Prozent Ethanol. "Damit versetzt der ADAC E10 den Todesstoß", empört sich Klaus Picard, der Cheflobbyist der Mineralölbranche. Ungerührt kündigt ADAC-Präsident Peter Meyer an, sein Verein werde Tankstellen verklagen, wenn kein günstiges E5-Benzin angeboten werde (wir berichteten).

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

WEITERLESEN



NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


asp AUTO SERVICE PRAXIS Online ist der Internetdienst für den Werkstattprofi. Neben tagesaktuellen Nachrichten mit besonderem Fokus auf die Bereiche Werkstatttechnik und Aftersales enthält die Seite eine Datenbank zum Thema RÜCKRUFE. Im neuen Bereich AUTOMOBILE bekommt der Werkstatt-Profi einen Überblick über die wichtigsten Automarken und Automodelle mit allen Nachrichten, Bildergalerien, Videos sowie Rückruf- und Serviceaktionen. Unter #HASHTAG sind alle wichtigen Artikel, Bilder und Videos zu einem Themenspecial zusammengefasst. Außerdem gibt es im asp-Onlineportal alle Heftartikel gratis abrufbar inklusive E-PAPER. Ergänzt wird das Online-Angebot um Techniktipps, Rechtsthemen und Betriebspraxis für die Werkstattentscheider. Ein kostenloser NEWSLETTER fasst werktäglich die aktuellen Branchen-Geschehnisse zusammen. Das richtige Fachpersonal finden Entscheider auf autojob.de, dem Jobportal von AUTOHAUS, asp AUTO SERVICE PRAXIS und Autoflotte.