Die sorgenvolle Stimmung ist nicht nur in der Kfz-Branche, sondern auch im Nutzfahrzeug-Segment zu spüren. In Mitten wachsender Bedenken um den angeschlagenen Automobilmarkt in Westeuropa und steigenden Betriebskosten, aber auch Hoffnungen auf alternative Antriebskonzepte und neue Absatzmöglichkeiten in Asien und Osteuropa, hat am 20. September die IAA Nutzfahrzeuge in Hannover ihre Tore für das breite Publikum geöffnet. Die meisten Teilnehmer kommen dieses Jahr aus China. Es gibt 354 Weltpremieren.
Von zentraler Bedeutung ist in diesem Jahr neben Antriebskonzepten und neuen, vernetzten Informationssystemen vor allem die Abgasnorm Euro 6 für Lkw. Nachdem die Branche von Bundesverkehrsminister Ramsauer eine eigene Mautklasse für Euro-6-Lkw gefordert hatte, konkretisierte der Minister sein Vorhaben: "Ich sage Ihnen klipp und klar, dass es meine politische Absicht ist, spätestens zum 1. Oktober 2013 eine neue Mautstruktur in Kraft treten zu lassen."
Die genaue Maut-Ersparnis die eine solche Umstrukturierung für die Betreiber bedeuten würde, könne allerding erst nach der Auswertung eines sogenannten Wegekosten-Gutachtens kalkuliert werden. Dieses erwarte man in den ersten Monaten des kommenden Jahres. Die neue Abgasnorm wird ab 2014 Pflicht für neu zugelassene Lkw.
Lob für Fernbus-Netz
Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, begründete die Vergünstigungen mit den hohen Investitionen der Transportwirtschaft im Zuge der Umweltbemühungen. Man dürfe die Branche zudem bei einem EU-weiten CO2-Regelwerk nicht über Gebühr belasten. Lob gab es hingegen für Ramsauer, aber auch für die SPD-Bundestagsfraktion für die Einführung eines bundesweiten Fernbus-Systems ab nächstem Jahr.
Die umstrittenen "Giga Liner", überlange Lkw, wurden sowohl von Wissmann als auch von Ramsauer verteidigt. Einige Bundesländer betrieben "juristische Kleinkrämerei", da sie sich weiterhin gegen die Einführung der XXL-Lastwagen stellten, kritisierte Ramsauer. Auch David McAllister (CDU), Ministerpräsident Niedersachsens, dessen Land an dem Projekt teilnimmt, bedauer die Verzögerungen bei der Einführung: "Mit Kleinstaaterei kommen wir in dieser Frage nicht weiter." (dpa/lr)