Montag, 21.10.2019
Verkehrsblatt IVW
 

Genügend Kapazitäten

Genügend Kapazitäten
Die Kalibrierung von Bremsprüfständen für die HU muss zusätzlich zur Stückprüfung durchgeführt werden.
© Foto: Dietmar Winkler

Kalibrierung | Nach den Anforderungen aus dem Verkehrsblatt 14/2016 muss bei Bremsprüfständen, die bei der HU eingesetzt werden, eine gesetzeskonforme Kalibrierung durchgeführt werden. Der Markt hofft nun auf ein herstellerunabhängiges Verfahren.

Seit 1. Januar 2017 gilt die Kalibrierpflicht für alle Bremsprüfstände, die für die Durchführung von Hauptuntersuchungen im Einsatz sind. Die Kalibrierung muss zusätzlich zur Stückprüfung durchgeführt werden. Noch vor einem Jahr war es um die Kapazitäten für die Kalibrierung und Stückprüfung von Bremsprüfständen schlecht bestellt. Der Grund: es gab einfach noch nicht genügend Prüflabore, die von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) in Berlin zertifiziert waren.

Die Situation hat sich mittlerweile entspannt, wie Marktbeobachter bestätigen ( siehe Interview). Vergangenen November hat die DAkkS auch die TÜV SÜD Auto Service GmbH als Kalibrierlabor für bestimmte Messgeräte im Kraftfahrtwesen akkreditiert. Damit dürfen die Experten die Kalibrierung von Rollenbremsprüfständen und Scheinwerfereinstellprüfsystemen als Dienstleistung anbieten.

Erfolgreich wird die Kalibrierdienstleistung nach dem so genannten Bevollmächtigtenkonzept angeboten - beispielsweise von vielen Werkstattausrüstern, Händlern und Dienstleistern. Diese bedienen sich zur Kalibrierung der Esz AG Calibration and Metrology, einem Kalibrierdienstleister im bayerischen Eichenau. Die Esz ist bereits seit Juni 2017 von der DAkkS als Prüflabor für die Kalibrierung von Bremsprüfständen akkreditiert. Im Rahmen des Bevollmächtigten-Konzeptes erhalten fachkundige Mitarbeiter durch die Esz eine umfassende Schulung sowie rückgeführtes Messwerkzeug. Danach sind sie befähigt, im Auftrag der Esz Kalibrierungen auszuführen. Über eine spezielle Kalibriersoftware prüft die Esz alle Kalibrierungen und gibt diese frei. Erst dann kann ein Kalibrierschein ausgedruckt werden. Derzeit sind ca. 618 Techniker deutschlandweit aktiv. Laut Dominik Beuscher, Leiter Kfz-Prüftechnik bei der Esz AG, wurden bis Jahresanfang über 40.000 Bremsprüfstände über das Unternehmen kalibriert. "Das Bevollmächtigtenprinzip, das aus der Not heraus geboren wurde, weil die Prüfkapazitäten einfach nicht vorhanden waren, hat sich in der Praxis sehr gut bewährt", bestätigt Beuscher.

Herstellerunabhängiges Verfahren

Die Kalibrierung kann nach verschiedenen technischen Verfahren erfolgen, die auch die Mitwirkung des Prüfstandsherstellers erfordern. Bei der statischen Kalibrierung muss der Hersteller zusammen mit einem akkreditierten DAkkS-Labor eine Kalibrierbeschreibung erstellen und Kalibrierwerkzeuge bereitstellen. Außerdem müssen Dienstleister für jedes Fabrikat zeitaufwändig geschult werden.

Daneben gibt es Bestrebungen, eine herstellerunabhängige Kalibrierung zu entwickeln. Es wurden bereits mehrere Verfahren vorgestellt, von denen bislang in der Praxis aber keines eine größere Rolle spielt. Der Elektronikspezialist Cartesy hat jetzt eine vielversprechende Kalibrieranlage für Rollenbremsprüfstände entwickelt, die herstellerunabhängig arbeitet. Die Methode basiert auf Grundlage der tangentialen Kraftmessung an der Bremsrolle. Derzeit gibt es nur einen Prototyen, der zeitnah in die Serie überführt werden soll, wie Dimitri Grübel, Mitglied der Geschäftsführung, bestätigt. Es wäre sogar denkbar, nach Aufbau der Kalibrieranlage, den gesamten Kalibrierprozess vollautomatisch über eine App ablaufen zu lassen. Im Vergleich zur Kalibrierung über die Hebel-Masse- oder Hebel-Referenzkraft-Verfahren wirkt dies geradezu elegant.

Kurzfassung

Die Kalibrierung von Bremsprüfständen für die HU muss zusätzlich zur Stückprüfung durchgeführt werden. Schon seit 1.1. 2018 darf die Kalibrierung nur von DAkkS-akkreditierten Prüflaboren durchgeführt werden.

Drei Fragen an Thomas Sieber, Technischer Leiter der Überwachungsorganisation bei der TÜV SÜD Auto Service GmbH

asp: Gibt es genügend Kalibrierer?

Th. Sieber: Insgesamt gibt es flächendeckend genügend Dienstleister für die Kalibrierung. Aber nicht jeder Anbieter kann jeden Prüfstand kalibrieren, da für jedes Fabrikat eigene, herstellerabhängige Schulungen und Verfahren notwendig sind. Daher beschränken sich Labore in der Regel auf bestimmte Hersteller und Typen.

asp: Warum gibt es bis jetzt kein herstellerunabhängiges Kalibrierverfahren?

Th. Sieber: Der Wunsch nach einer herstellerunabhängigen Kalibrierung ist verständlich und würde den Aufwand für die Kalibrierung erheblich reduzieren, schon weil der Dienstleister dann nicht für jeden Hersteller ein eigenes Kalibrierwerkzeug vorhalten müsste. Bisher stoßen aber derartige Bestrebungen immer auch an ihre Grenzen. Bislang ist mir kein akkreditiertes herstellerunabhängiges Verfahren bekannt, das in nennenswertem Umfang in der Anwendung ist.

asp: Welche Tipps geben Sie Werkstätten?

Th. Sieber: Auf jeden Fall sollten Betriebe das Thema Kalibrierung aktiv angehen und einen geeigneten Dienstleister suchen. Dabei sollte man immer mehrere Anbieter anfragen und Preise vergleichen. Bei der Beauftragung sollte darauf geachtet werden, dass Kalibrierung und Stückprüfung nach den aktuell gültigen gesetzlichen Vorgaben durchgeführt werden. Das sollte so auch schriftlich fixiert werden. Damit ist der Werkstattbetreiber auf der sicheren Seite und kann Nachbesserung einfordern. Wir sehen leider immer noch Kalibrierscheine, die nicht akzeptiert werden können.

Autor: Dietmar Winkler

 
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