Freitag, 06.12.2019
Verkehrsblatt IVW
27.08.2019

¬ Trauer um VW-Patriarch

Ferdinand Piëch ist tot

Ferdinand Piëch war einer der schillerndsten Automanager der Welt.
© Foto: dpa-bildfunk / Julian Stratenschulte

Er prägte Deutschlands größten Autokonzern Volkswagen über Jahrzehnte: Der frühere VW-Vorstands- und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ist tot. Die Witwe Piëchs, Ursula Piëch, bestätigte den Tod ihres Ehemannes. Ihr Mann sei am Sonntag "plötzlich und unerwartet im Alter von 82 Jahren verstorben", hieß es in einer Mitteilung Ursula Piëchs, die der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend vom Anwalt der Familie, Christian Schertz, zugeschickt wurde.

Ursula Piëch schrieb: "Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer." Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt, hieß es weiter. Piëch hinterlasse eine große Familie mit dreizehn Kindern und über doppelt so vielen Enkelkindern.

Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung den Todesfall gemeldet. Nach dem Bericht ist Piëch am Sonntag in einem Sterne-Restaurant in Aschau im Chiemgau vor den Augen seiner Frau Ursula kollabiert. Rettungskräfte hätten ihn in eine Rosenheimer Klinik gebracht, wo er kurze Zeit später verstorben sei.

"Genialer Ingenieur und visionärer Unternehmer"

Am Dienstag würdigten Volkswagen sowie die Familien Porsche und Piëch das Lebenswerk und die Verdienste des Gestorbenen. "Ferdinand Piëch hat Automobilgeschichte geschrieben – als leidenschaftlicher Manager, genialer Ingenieur und als visionärer Unternehmer", sagte der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch am Dienstag. Konzernchef Herbert Diess bezeichnete Piëch als mutig, unternehmerisch konsequent und technisch brillant. "Vor allem hat Ferdinand Piëch Qualität und Perfektion bis ins Detail in den Automobilbau gebracht und tief in der Volkswagen-DNA verankert", sagte Diess.

Zum Gedenken sollten in verschiedenen VW-Werken die Fahnen auf halbmast gesetzt werden. "Wir trauern mit der Familie um Ferdinand K. Piëch, den außergewöhnlichen Manager und Ingenieur, den Strategen und ganz einfach auch den Auto-Enthusiasten, der er zeitlebens war", betonte Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef der VW-Dachgesellschaft Porsche SE und Cousin Piëchs, in einer Mitteilung.

Porsche 917

Als Reaktion auf den Tod des langjährigen Volkswagen-Chefs drückten zahlreiche Wegbegleiter aus dem Unternehmen und aus der Politik ihren Respekt vor der Lebensleistung des Managers aus. "Mir persönlich war Ferdinand Piëch ein jahrzehntelanger Förderer und Wegbegleiter", sagte Martin Winterkorn, der von 2007 bis 2015 VW-Chef war. Die visionäre Kraft und großen Fähigkeiten als Ingenieur hätten ihn über viele Jahre geprägt. 2015 hatte sich Winterkorn im Machtkampf mit Aufsichtsratschef Piëch durchgesetzt, musste kurz darauf aber im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals zurücktreten.

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh würdigte Piëch als "großen Manager und Ingenieur". "Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung", sagte Osterloh. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil erklärte, Piëch sei "einer der großen Unternehmer in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" gewesen. Der Manager habe VW 1993 in einer tiefen Krise übernommen. "Mit seinem Namen ist der Aufstieg von Volkswagen zum Weltkonzern verbunden." Viele Tausend Arbeitsplätze in Niedersachsen prägten die wirtschaftliche Grundlage des Landes bis heute. Altkanzler Gerhard Schröder sagte über Piëch: "Er hat die globale Automobilbranche über mehrere Jahrzehnte geprägt."

Der in Wien geborene Piëch stand viele Jahre mitten im Machtzentrum des VW-Konzerns. Der frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange Zeit den Aufsichtsrat – als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Seine Macht schien zeitweilig unbegrenzt, 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat. Piëch galt als mächtiger Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen.

2015 kam es zum Bruch

Der detailverliebte Autonarr lenkte das immer größer werdende VW-Imperium schließlich zusammen mit dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn mit strenger Hand, ehe er sich von seinem Lebenswerk entfremdete. Im Jahr 2015 sorgte er mit der Äußerung für Aufsehen, er sei "auf Distanz" zum damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn - er verlor schließlich den Machtkampf und warf im Zorn hin.

Winterkorn, ein enger Vertrauter Piëchs, aber musste 2015 zurücktreten, im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals. Nachfolger wurde Matthias Müller.

Der Diesel-Skandal um manipulierte Fahrzeuge kostete VW Milliarden. 2018 wurde Müller als Konzernchef von VW-Markenchef Herbert Diess abgelöst. Diess kündigte in der Folge einen grundlegenden Umbau des Konzerns an – hin zu Elektroautos. Grund dafür sind auch schärfere Klimavorgaben der EU.

Ostern 2017 wurde Piëch 80 Jahre alt. Zum Geburtstag würdigte VW die Verdienste des Auto-Managers: "Ferdinand Piëch hat das Automobil, unsere Industrie und den Volkswagen-Konzern in den vergangenen fünf Jahrzehnten maßgeblich geprägt", sagte ein VW-Sprecher. "Sein Lebenswerk ist gekennzeichnet von mutigem Unternehmertum und technologischer Innovationskraft."  Dabei hatte Piëch zuvor an Verwandte sein milliardenschweres Aktienpaket an der VW-Dachholding Porsche SE verkauft. (dpa)

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: dpa-bildfunk / Julian Stratenschulte)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Takata Airbag Zünder Rückruf

Weitere Rückrufwelle

Defekte Airbags des japanischen Herstellers sorgen für neue Probleme. Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA warnt vor 1,4 Millionen betroffenen Fahrzeugen, weltweit wurden rund 4,45 Millionen problematische Airbag-Influatoren verkauft - und bei zwei deutschen Herstellern verbaut. ¬ mehr

BMW i3s

November-Delle nach Oktober-Hoch

Der Antrags-Boom aus dem Oktober hat sich bei der Elektroauto-Prämie im November nicht wiederholt. Vor allem die rein batteriebetriebenen E-Mobile sackten ab. ¬ mehr

Hans Werner Norren

Hans Werner Norren weiterhin an der Spitze

Mit einer stimmigen Mischung aus Routiniers und Talenten will sich das Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz der großen Branchenthemen Elektromobilität und Digitialisierung annehmen. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 21.11.2019 | Licht-Test 2019

    Weniger Blender und "Einäugige"

    R. Luft meint: Und wie sieht es bei den LKW's aus? Es ist seit geraumer Zeit zu beobachten, dass mehr und mehr ...mehr

  • 20.11.2019 | Abgasuntersuchung

    Doppelprüfung sorgt für Ärger

    Rudolf Pfister meint: Hallo zusammen,der Irrsinn geht weiter. Der VW-Konzern betrügt seine Kunden in massiver und vorsät...mehr

  • 14.11.2019 | Elektromobilität

    Tesla baut Fabrik in Berlin

    NRT meint: Hallo alle zusammen,300 Hektar plus X ökologisch wertvollstes Land. Umweltzerstörung für ein nich...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

"Der Autohaus-Chef"

Unternehmensführung für Realisten!

Der Klassiker der Autohaus-Literatur richtet sich an alle Unternehmer, die ihren Betrieb mit frischen Ideen führen wollen, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren. ¬ Jetzt bestellen!