Samstag, 20.04.2019
Verkehrsblatt IVW
31.01.2019

¬ Fahrbericht Volvo V60 Cross Country

Der Überland-Kombi

Zwischen Bodenplatte und Untergrund sind sechseinhalb Zentimeter mehr Luft.
© Foto: Volvo

Von Michael Gebhardt/SP-X

Abenteuer-Kombis gibt’s schon lange, ungefähr zeitgleich mit dem Volvo V70 XC debütierte zur Jahrtausendwende der Audi Allroad, und sogar Alfa Romeo legte seinerzeit mit dem 156 Crosswagon einen plastikbeplankten Pseudo-Offroader auf. Richtig in Schwung ist das Segment aber erst in den letzten Jahren gekommen: Inzwischen buhlen die Alltrack-Modelle von Volkswagen mit dem Opel Insignia Country Tourer um die Gunst der Kundschaft und im Premium-Bereich müssen sich die Allroad-Audis gegen Volvos V90 Cross Country und die Mercedes E-Klasse Allterrain behaupten. Die ist übrigens so erfolgreich, dass die Stuttgarter darüber nachdenken, auch das kleinere C-Klasse T-Modell zum Kombi-SUV zu machen und gegen den A4 ins Rennen zu schicken. Eine Entscheidung, die bei Volvo längst gefallen ist: Auch den neuen V60 gibt es wieder in einer Überland-Variante.

Während beim Vorgänger-V60 die Cross-Country-Variante gar nicht vorgesehen war und erst einige Jahre nach dem Marktstart wegen der zunehmenden Nachfrage geboren wurde, stand der CC bei Generation 2 von Beginn an im Lastenheft. So kommt es, dass die aktuelle Variante schon rund ein halbes Jahr nach dem Kombi zu den Händlern rollt – zunächst allerdings nur mit einer einzigen Motorisierung: dem 140 kW / 190 PS starken Diesel-Antrieb D4, der wie alle CC ausschließlich mit Achtgang-Automatik und Allradantrieb ausgeliefert wird. Preislich startet der Cross Country bei 52.350 Euro, und damit mehr als 7.000 Euro über dem gleichmotorisierten Standard-V60. Der happige Aufschlag ist allerdings weniger der Höherlegung und der Rund-um-Plaste anzukreiden, als vielmehr der Top-Ausstattung Pro, in der der Cross Country momentan ausschließlich zu haben ist. Mit an Bord sind hier unter anderem das große digitale Kombi-Instrument (12,3 statt acht Zoll), Ambientelicht, Lederausstattung, LED-Scheinwerfer und 19-Zöller.

Wann Volvo den V60 Cross Country in günstigeren Ausstattungslinien anbietet, ist noch offen. Fest steht zumindest, dass im Sommer ein weiterer Motor folgt: Neben dem Zweiliter-Vierzylinder-Diesel steht der gleichgroße Benziner T5  in den Startlöchern, der – obwohl er bei den Benzinern die Basis markiert – mit 184 kW / 250 PS das Angebot nach oben abrundet. Ob noch weitere Motoren folgen, wollen die Schweden derzeit noch nicht sagen. Mehr Power allerdings braucht es auf keinen Fall, wie wir auf zugefrorenen Seen und verschneiten Landstraßen in der frostigen Heimat des Volvos erfahren konnten. Der aufgeladene Benziner bringt den gut 1,8 Tonnen schweren V60 Cross Country flott und gleichmäßig in Fahrt und pusht ihn bei Bedarf in 6,8 Sekunden auf Tempo 100 - die Vmax geben die Schweden mit 230 km/h an. Während man diesen Angaben problemlos trauen kann, ist der offizielle Verbrauchswert wieder einmal mit Vorsicht zu genießen: 8,7 Liter stehen (nach WLTP) im Datenblatt. Die uns auf vereisten Fahrbahnen vom Bordcomputer bescheinigten dreizehn Liter mögen zwar den frostigen Umständen geschuldet sein, weniger als zehn Liter dürfte sich der T5 erfahrungsgemäß aber nur selten nehmen. Das ist schon beim normalen V60 so, wo der Benziner bislang nur als Fronttriebler zu haben ist.

Nur noch wenige Millimeter tiefer als das SUV XC60

Abgesehen von der robusteren Optik unterscheidet sich der Cross Country vom Standard-Modell vor allem durch etwas mehr Bodenfreiheit: Zwischen Bodenplatte und Untergrund sind sechseinhalb Zentimeter mehr Luft, in Summe also nun 21 Zentimeter. Damit liegt der neue CC nochmal einen Zentimeter höher als der Vorgänger, und ist nur noch wenige Millimeter tiefer als das SUV XC60 – das mit der D4-Motorisierung in der Basis-Ausstattung übrigens schon ab 45.200 Euro zu haben ist. Der Cross Country ist also keinesfalls die günstige Alternative zum echten SUV. Viel mehr richtet er sich an alle, die auf den Offroad-Charme stehen, aber statt eines hochbauenden Hausfrauenpanzer lieber einen etwas schnittigeren, sportlicheren Kombi bevorzugen. Vor allem wer das optionale adaptive Fahrwerk in den Dynamik-Modus bringt, kann mit dem V60 CC knackig über den Eisparcours – oder um die Kurven – wedeln. Im Komfort-Betrieb dagegen steht er dem SUV in nichts nach: Der etwas längere Federweg tut dem Kombi richtig gut, er rollt butterweich ab und empfiehlt sich damit auch für ausgedehnte Überland-Fahrten – ein echter Cross Country eben. 

 
 

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