Schrottpapiere?

17.06.2011 12:02 Uhr

Geldanlage

Unternehmer tun sich derzeit schwer, als Anleger akzeptable Zinssätze zu erzielen. Was Sie bei Geldanlagen aktuell beachten sollten, klärt unser Beitrag.

Ob die mittlerweile erfolgte geringe Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank mehr ist als das sprichwörtliche zinspolitische „Strohfeuer“, muss sich erst noch zeigen. Zumindest derzeit sind bei Geldanlagegeschäften annähernd akzeptable Zinssätze nicht in Sicht.

Wie sich die Zeiten ändern können, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Wurde vor der Banken- und Finanzkrise in aller Regel großer Wert auf die Höhe des Zinssatzes bzw. der Wertentwicklung des je- weiligen Anlageproduktes gelegt, steht nun als eine der wesentlichen Lehren der ver-gangenen Jahre die Sicherheit der Anlageform bzw. des dahinter stehenden Finanzinstitutes im Vordergrund. Kapitalverluste bei „eigentlich“ sicheren Banken oder bankenähnlichen Anbietern waren ja auch kaum vorstellbar.

Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Die Frage, ob eine Bank, ein Versicherungsunternehmen oder ein anderes Finanzdienstleistungsunternehmen langfristig in der Lage ist, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, muss vom Unternehmer zwingend und rechtzeitig beantwortet werden. Zur Beurteilung der Zahlungsfähigkeit des Anbieters und der damit verbundenen Einlagensicherung kann unter anderem die deutsche Bankenaufsicht beitragen (www.bafin.de).

Die derzeitige Niedrigzinsphase als eine der wesentlichen Folgen der Finanzkrise kann Betriebsinhaber in Schwierigkeiten bringen, wenn sie beispielsweise eine zusätzliche finanzielle Altersabsicherung oder einen Vermögensaufbau für spätere Investitionen auch nur halbwegs auf dem bisherigen Niveau halten wollen. Das gilt auch für Geldanlagen, bei denen Unternehmer zumindest selbst Einfluss auf deren Umfang und Art nehmen können. Beispielsweise für Banksparpläne und für Investmentkonten, bei denen der Anleger zwar nicht unmittelbar in die Anlagepolitik des jeweiligen Anbieters eingreifen kann, diese aber durch ein Unterbrechen oder durch eine Veränderung der Anlagebeträge durchaus beeinflussen kann.

Um dazu eigene Strategien zu entwickeln, sollten Unternehmer die wichtigsten Zusammenhänge kennen. So gilt grundsätzlich, dass in einer Niedrigzinsphase längerfristige Anlagezeiträume vermieden werden sollten. Das gilt auch dann, wenn damit ein Zinsunterschied von kurzen zu langen Laufzeiten von zurzeit rund zwei Prozent ausgenutzt werden könnte.

Lockern die Zentralbanken nämlich im Jahresverlauf ihre bisherige Niedrigzinspolitik zugunsten steigender Zinssätze (die Europäische Zentralbank hat damit begonnen), dürfte dies Auswirkungen auf sämtliche Anlagelaufzeiten haben.

Wertpapierkurse runter, Zinsen rauf

Unternehmer, die dann längerfristig in Anlagen wie festverzinslichen Wertpapieren investiert haben, müssen bei einem vorzeitigen Verkauf dieser Papiere mit Kursverlusten rechnen. Bei alternativen Anlageformen wie Termin- oder Festgeldern, bei denen bekanntlich kein Kursrisiko besteht, muss ohnehin bis zum jeweiligen Ablauftermin durchgehalten werden. Eine vorzeitige Auflösung, sofern sie überhaupt möglich ist, wird in aller Regel mit Zinsverlusten bezahlt.

In der Praxis wird der Zusammenhang zwischen steigenden Zinssätzen und fallenden Wertpapierkursen allerdings oft übersehen: Mit der Folge, dass gerade in Niedrigzinsphasen in längerfristige Anlagezeiträume investiert wird. Unternehmer, die zwecks Vermögensaufbau in Investmentfonds investiert haben, sollten sich ebenfalls mit deren Anlagepolitik befassen. Auskunft geben darüber zum Beispiel die Rechenschafts- und Ge- schäftsberichte oder die Internetseiten der jeweiligen Investmentgesellschaft. Bei zur Altersvorsorge meist üblichen Investmentfonds in Form von Aktien- oder Rentenfonds mit dem Schwerpunkt festverzinslicher Wertpapiere bzw. in Form von Mischfonds, die sowohl Aktien als auch festverzinsliche Wertpapiere miteinander verbinden, zeigt vor allem die Wertentwicklung („Performance“) jedes einzelnen Fonds, in welchem Umfang die entsprechenden Anlagegrundsätze be- rücksichtigt werden.

Strategien je nach Risikoprofil

Unternehmer sollten regelmäßig prüfen, ob die Anlagepolitik des Fondsmanagements noch den eigenen Vorstellungen entspricht oder ob sie im Rahmen ihrer vertraglichen Möglichkeiten eingreifen und die meist regelmäßigen Einzahlungen verändern oder einstellen sollten. Die so „eingefrorenen“ Sparraten können vorübergehend auf einem Anlagekonto „ge- parkt“ und bei wieder steigenden Zins-sätzen erneut investiert werden.

Das gilt naturgemäß auch und vor al- lem für Aktienfonds. Es ist zu prüfen, ob sich die jeweilige Aktienstruktur in dieser kritischen wirtschaftlichen Phase bewährt hat oder nicht. Ein vorübergehendes Aus-setzen der Sparraten kann auch hier eine angemessene Alternative zu einer voll-ständigen Auflösung des Fondsguthabens darstellen. Möglicherweise bietet sich auch eine Aufteilung der bisherigen Sparraten in verschiedene Aktienfonds an. Unternehmer, die konsequent vergleichen, können vor allem bei den Ausgabeaufschlägen sparen, die je nach Fonds bis zu etwa fünf Prozent betragen. Auch hierüber finden Anleger Informationen in den jeweiligen Publikationen der Investmentgesellschaf-ten. Neben Berücksichtigung der aktuellen und der zu erwartenden Zinsentwicklung spielt das Risikoprofil des Unternehmers eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung für seine Anlagestrategie.

„Magisches Dreieck“ der Geldanlage

Wer beispielsweise von Aktien nicht überzeugt ist, sollte sich damit auch nicht näher befassen. Die Erfahrung lehrt, dass ein „Aktionär wider Willen“ dem durchaus möglichen psychischen Druck des Auf und Ab von Aktienkursen (und anderer spekulativer Anlageformen) oftmals kaum ge- wachsen ist. Dies gilt umso mehr in einer schwierigen Finanzphase, wie sie derzeit immer noch besteht. Wer dagegen partout nicht über Aktien oder Invests in weitgehend vergleichbaren spekulativen Anlageformen wie bestimmten Unternehmens- oder Länderanleihen hinwegsehen will, sollte sich ein klares Limit setzen. Je nach Profil können bereits fünf oder zehn Pro-zent des verfügbaren liquiden Vermögens ausreichen, um dieser individuellen Risikobereitschaft durch die Anlage in diesen oder ähnlichen Produkten gerecht zu werden. Darüber hinaus sollten Unternehmer auf „Nummer sicher“ gehen. Gute Zinsofferten (Achtung bei der Wahl des jeweiligen Finanzinstituts und dessen Ein-lagensicherung) mit kurzfristigen Anlagezeiträumen von bis zu etwa sechs Monaten bringen derzeit etwa zwei Prozent an Zinsen. Derartig kurze Zeiträume bieten Anlegern immerhin die Möglichkeit einer kurzfristigen Strategieänderung.

Beim „magischen Dreieck“ handelt es sich um die drei wesentlichen Faktoren einer Geldanlage: der Sicherheit, Verzinsung und Verfügbarkeit. Die „Magie“ liegt darin, dass es nahezu unmöglich ist, diese drei Faktoren unter einen Hut zu bringen. So geht beispielsweise ein nicht marktgerechter, zu hoher Zinssatz grundsätzlich zu Lasten der Sicherheit der jeweiligen Geldanlage.

Kenne die Risiken

Das gilt im Übrigen auch bei einer Aktienanlage: Einerseits verspricht sie hohes Wertsteigerungspotenzial, andererseits besteht das Risiko eines hohen Wertverlustes. Des Weiteren erfordert eine kurzfristige Verfügbarkeit meist die Bereitschaft des Anlegers, auf höhere Zinssätze zu verzichten, die in der Regel nur bei längeren Laufzeiten möglich sind.

Investoren und Sparer, die sich mit diesen Zusammenhängen und gegenseitigen Abhängigkeiten auseinandersetzen, können zumindest die Grundlagen für ein kaufmännisch sinnvolles Anlageverhalten schaffen. Michael Vetter

Welcher Anlagetyp sind Sie?

Selbsttest im Netz

Im Internet haben wir einen kurzen Selbsttest für registrierte Nutzer hinterlegt. Der soll ihnen helfen, Ihre Kenntnisse und Einstellungen zu Geldanlagen möglichst realistisch einzuschätzen.

www.autoservicepraxis.de/anlegertest

Wichtig zu wissen

Geldanlagen im Überblick

Lehman Brothers und Bankencrash, Länder(fast)pleiten und Niedrigzinsen: Anleger wurden während der vergangenen drei Jahre nicht gerade verwöhnt. Eine kleine Orientierung soll die folgende Tabelle bieten, aus der hervorgeht, wie der Autor verschiedene Anlageformen einschätzt. Dabei gilt grundsätzlich, dass kein Weg daran vorbei führt, dass sich interessierte Leser rechtzeitig über die Qualität der jeweiligen Anbieter bzw. der Einlagensicherung verlässliche Informationen verschaffen. Diese Informationen können bei den Bankinstituten selbst oder bei der Bankenaufsicht (www.bafin.de) eingeholt werden:

Spekulativ bis sehr spekulativ:

Aktien und Aktienfonds

Immobilienfonds

Staatsanleihen (Ausnahme: Länder wie die BRD mit einer Beurteilung („Rating“) von mindestens „AA“ (Höchstbeurteilung: „AAA“))

Unternehmensanleihen

Edelmetalle

Währungsanleihen und Währungskonten

Zertifikate

Weniger spekulativ bis weitgehend sicher:

Bankeinlagen wie Tages-, Termin- und Spareinlagen (bei angemessener Einlagensicherung)

Bundeswertpapiere wie Finanzierungsschätze, Bundesschatzbriefe und Bundesanleihen

Pfandbriefe

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