Deutschland gehen die Facharbeiter aus. Die Bundesregierung hat deswegen ein Expertengremium mit der Aufgabe betraut, dem Fachkräftemangel, der das Land ab 2025 massiv treffen soll, zu begegnen. Verzeihen Sie die Polemik, aber mir drängt sich da der Spruch auf: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis.
Aktueller Vorschlag aus der Politik: Frauen, die sich bislang vor allem der Kindererziehung widmen, sollen verstärkte Anreize zur (Wieder-)Aufnahme einer Berufstätigkeit bekommen. Das soll durch die Verbesserung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten geschehen. Die könnten, auch eine politische Überlegung, zum Beispiel verstärkt rüstige Rentner und Rentnerinnen übernehmen. Im Gespräch sind außerdem die Ausweitung der Zuwanderung (was verschiedene Gruppen aus ideologischen Gründen ablehnen), die Reintegration von Frührentnern ins Arbeitsleben und natürlich eine Verbesserung der Schulbildung sowie der Ausbau von Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten für gering qualifizierte Beschäftigte.
Wirklich überzeugend und neu klingt das alles nicht. Über die Notwendigkeit, das deutsche Bildungssystem zu reformieren und etwa mit verbesserten Betreuungsmöglichkeiten die Frühförderung von Kindern zu verbessern, wird seit Jahren geredet. Veränderungen sind bislang am Geld oder am Föderalismus (oder beidem) gescheitert.
Als Unternehmer tun Sie gut daran, sich schon heute Ihre eigene Strategie für den künftigen Fachkräftenachwuchs zurechtzulegen. Die Politik wird Ihnen dabei kaum helfen. Und auch Radio-Kampagnen, in denen Handwerks-Azubis zum „Superstar“ stilisiert werden, wirken eher unbeholfen. Deutschland braucht nicht noch mehr „Superstars“. Gefragt sind junge Leute, die ein Handwerk mit Überzeugung und Begeisterung erlernen und ausüben – und die muss man wecken, ganz ohne Showeffekt.
Frank Schlieben, Chefredakteur