Volvo am Pranger: Unfalltod wegen defekter Bremsen?

13.11.2007 04:32 Uhr
Volvo 850: Fatale Bremsprobleme?

Prozesseröffnung gegen den schwedischen Automobilhersteller im Elsass

Acht Jahre nach einem Verkehrsunfall mit zwei getöteten Kindern hat am Dienstag im elsässischen Saverne ein Prozess gegen den schwedischen Automobilhersteller Volvo begonnen. Dabei geht es um die Frage, ob die Bremsen eines Volvo versagten oder ob ein Fehler der Fahrerin zu dem Unfall geführt hat. Neben dem Konzern sind auch die französische Filiale von Volvo und die Fahrerin wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Die Frau hatte 1999 bei Wasselonne zwei neun und zehn Jahre alte Kinder auf dem Weg zur Schule mit ihrem Auto erfasst und tödlich verletzt. Sie selbst sagt, sie habe gebremst, die Bremsen hätten aber nicht reagiert. "Es war auf einer abschüssigen Strecke, und plötzlich ist das Bremspedal hart geworden", sagte die Fahrerin. Der Anwalt des Automobilherstellers weist die Anschuldigungen zurück und erklärte, das Bremssystem des Volvo 850 TDI sei in perfektem Zustand gewesen. Technische Diskussionen der Experten dürften die vier Tage des Prozesses beherrschen. Zwei Zeugen könnten für Überraschungen sorgen. Sie wollen dem Gericht über ähnliche Bremsprobleme berichten, bei denen es allerdings keine Unfälle gegeben hatte. Während der fast achtjährigen Ermittlungen gab es acht technische Gutachten und Gegenexpertisen. Volvo hatte bereits 1996 bei dem Modell 850 TDI eine technische Änderung wegen eines möglichen Defekts des Bremssystems eingeführt. Es gab damals keinen offiziellen Rückruf, jedoch wurden die Filialen angewiesen, bei Routinekontrollen die Fahrzeuge auf einen möglichen Fehler zu überprüfen und diesen zu beheben. Ein Urteil wird in zwei bis drei Monaten erwartet. (dpa)

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