Abwrackprämie: "Subventionierung des schärfsten Wettbewerbers"

17.04.2009 23:00 Uhr
"Der GVA lehnt die Aufstockung der Abwrackprämie genauso ab, wie bereits deren ursprüngliche Einführung im Rahmen des Konjunkturpakets II", erklärte GVA-Präsident Hartmut Röhl.
© Foto: GVA

Der GVA kritisiert die Aufstockung der Abwrackprämie: Die Förderung sei grundsätzlich ökologischer und ökonomischer Unsinn. Mit der beschlossenen Erhöhung würden weitere Steuergelder verschwendet und der freie Kfz-Servicemarkt geschädigt, erklärte Hartmut Röhl. Teilen Sie uns Ihre Meinung in unserer "Frage der Woche" mit!

Die Abwrackprämie ist nach Ansicht des Gesamtverbandes Autoteile-Handel (GVA) ökologischer, ökonomischer und fiskalischer Unsinn. So stelle die Förderung GVA-Präsident Hartmut Röhl zufolge ein antiquiertes Mittel staatlicher Konsumsteuerung dar, den Schaden trügen die Volkswirtschaft im Allgemeinen und die Automobilwirtschaft im Speziellen. "Der GVA lehnt die Aufstockung der Abwrackprämie genauso ab, wie bereits deren ursprüngliche Einführung im Rahmen des Konjunkturpakets II", erklärte Röhl. Die Verschrottung funktionsfähiger Wirtschaftsgüter stelle eine volkswirtschaftliche Wertvernichtung dar, hieß es in einer Mitteilung. Besonders die freien Werkstätten bekämen die Folgen der Maßnahme zu spüren, ist Röhl überzeugt. Freie Servicebetriebe haben Verbandsangaben zufolge bei Wartung und Reparatur von Fahrzeugen, die älter als neun Jahren sind, einen Marktanteil von fast 50 Prozent. "Es ist eine Schande, dass der freie Kfz-Servicemarkt mit den von ihm erwirtschafteten Steuern nun auch noch seinen schärfsten Wettbewerber subventionieren muss", kritisierte der GVA-Präsident. Weiter beklagt der Verband, dass die Verschrottung den Fall der Gebrauchtwagenpreise zur Folge hätte und in eine Finanzierungskrise münden könnte. Die Gefahr sei groß, dass sich Käuferschichten, die sich auch den so geförderten Neuwagenkauf nicht leisten könnten, durch den Kaufanreiz "verführt" würden. In einem Jahr könnten als Konsequenz tausende "Finanzierungswracks" vor den Händlertüren stehen, so der GVA. Ungünstige Ökobilanz Auch in ökologischer Hinsicht sei die Förderung kritisch zu sehen. Der GVA spricht bei der ursprünglichen Bezeichnung Umweltprämie von einem Etikettenschwindel. Mittlerweile habe dies die Öffentlichkeit auch erkannt, die Förderung trage daher den treffenderen Titel Abwrackprämie. Kalkuliere man die eingesetzte Energie bei der Autoproduktion mit ein, dann sei der Weiterbetrieb eines Altfahrzeugs mit einem im Vergleich zum Neuwagen höheren Schadstoffausstoß sinnvoller. Auch die Selbstfinanzierung der Prämie durch höhere Mehrwertsteuereinnahmen aus dem Neuwagenverkauf hält der GVA für fragwürdig. "Die Bürger können jeden Euro nur einmal ausgeben. Wenn sie dies für einen Neuwagen tun, kaufen sie im Gegenzug keine anderen Güter wie Kühlschränke oder Fernsehapparate", argumentierte Röhl. (msh)

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