Freitag, 17.08.2018
Verkehrsblatt IVW
12.02.2018

¬ Elektromobilität

Stahl statt Carbon

BMW i3

Carbon-reiche E-Autos wie der BMW i3 sind offenbar nicht die Zukunft.
© Foto: BMW

Von Holger Holzer/SP-X

Carbon, Alu, Magnesium: Kaum ein Auto oberhalb der Kompaktklasse kommt heute ganz ohne diese teuren Leichtbaumaterialien aus. Doch der Trend zur Massen-Minimierung hat seinen Höhepunkt überschritten. Künftig wird das Gewicht bei Autos wohl wieder eine geringere Rolle spielen. Denn dem E-Mobil sind ein paar Pfund zu viel relativ egal.

Sogar üppige 300 Kilogramm Ballast steckt ein Elektroauto ziemlich locker weg, hat eine Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen ergeben. Die Wissenschaftler haben den Stromverbrauch eines Tesla ohne Zusatzgewicht sowie mit 100, 200 und 300 Kilogramm miteinander verglichen. Bei der Leerfahrt lag der Verbrauch bei 17,77 kWh auf 100 Kilometern. Mit 300 Kilogramm extra stieg er lediglich auf 17,87 kWh – ein Unterschied von 0,6 Prozent.

Das Phänomen ließ sich nicht nur bei der insgesamt recht schweren Limousine Tesla S beobachten, sondern auch beim deutlich leichteren Kleinwagen BMW i3. Dort lag die Verbrauchsdifferenz zwischen Leerfahrt und 300-Kilo-Ballast zwar immerhin bei 4,4 Prozent, umgerechnet in Benzinverbrauch sind das aber auch nur 0,3 Liter. Bei einem konventionell angetriebenen Auto würde der Mehrverbrauch bei gleicher Zuladung wohl rund das Dreifache betragen.

Kaum Mehrverbrauch bei E-Autos 

Den Grund für den geringen Mehrverbrauch durch Mehrgewicht sieht die CAR-Studie in der umfassenden Bremskraftrückgewinnung von Autos mit Elektromotor. So muss zwar wie auch bei konventionellen Autos jedes zu bewegende Kilogramm unter großem Energieeinsatz beschleunigt werden, durch die starke Rekuperation des E-Antriebs wird aber auch ein größerer Anteil davon zurückgewonnen.

Natürlich ist nach wie vor ein leichtes E-Mobil sparsamer als ein schweres. Doch als Dogma bei der Fahrzeugentwicklung eignet sich der Leichtbau nicht mehr. "Die Entwickler müssen umdenken", so CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer. Schwer fallen dürfte ihnen das nicht. Denn Leichtbau kostet viel Geld. Spielen Carbon, Alu und Magnesium nicht mehr genug Effizienzvorteile ein, lohnt sich die Investition nicht. E-Mobile sind aufgrund der kostspieligen Akkus teuer genug. Was sich an anderer Stelle sparen lässt, wird also umso schneller gestrichen. Ein Umstand, auf den auch Stahlhersteller wie ThyssenKrupp setzen. Die Essener haben berechnet, dass ein durchschnittliches Elektrofahrzeug bei 100 Kilogramm Gewichtsreduktion nur acht Kilometer an Reichweite gewinnt. Der Konzern rechnet damit, auch in Zukunft noch jede Menge Stahl an die Autohersteller liefern zu können.

Viel wichtiger als Leichtbau wird für das Elektroauto ein intelligentes Strom- und Energiemanagement, glaubt Dudenhöffer. "Was erheblichen Einfluss auf den Verbrauch hat, sind etwa die Klimaanlage oder andere wichtige elektrische Verbraucher", so der Experte. Die Entwicklungsprioritäten würden sich in diese Richtung verlagern. Beispielsweise könnte ein 500 Euro teures Solarpanel auf dem Dach, das die Klimaanlage beim Vorkühlen eines geparkten Fahrzeugs mit Strom versorgt, einen weitaus größeren Einfluss auf die Reichweite haben als eine viel teurere Carbon-Karosserie.

Stahl statt Carbon

Das sieht offenbar auch BMW mittlerweile so. Die Münchner hatten bei ihrem Elektroauto-Erstwurf i3 noch konsequent auf das teure Leichtbaumaterial Carbon gesetzt. Mit der Folge, dass der Kleinwagen heute der teuerste Stromer seiner Klasse ist. Bei der Reichweite haben jedoch mehrere tausend Euro günstigere Stahlmodelle wie der Renault Zoe die Nase vorn. Beim nächsten Elektro-BMW spielt Carbon daher keine Rolle mehr: Wenn der i5 ab 2021 aus dem Werk Dingolfing rollt, wird er aus einem Materialmix aus hochfestem Stahl, Leichtmetall und Kunststoff bestehen. Carbon gibt es dann höchstens noch in Form von Zierteilen an der Karosserie oder im Cockpit.

Komplett am Ende ist Leichtbau damit nicht. Bei konventionell angetriebenen Fahrzeuge und schweren SUV oder Oberklassemodellen wird auch künftig auf Gewicht geachtet werden. Und auch Sportwagen wird man aus fahrdynamischen Gründen weiterhin möglichst leicht bauen. Ein Megatrend, wie noch vor wenigen Jahren propagiert, wird Leichtbau aber wohl in der Breite nicht mehr werden. 

 
 

Copyright © 1999 - 2018 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: BMW)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Karsten Giersch Champion

Champion zeigt seine Neuheiten

Der belgische Schmierstoff-Experte Wolf Oil zeigt den Fachbesuchern in Hale 9.1 am Messestand C49 seine Neuheiten im Bereich Schmierstoffe, Motorenöle und Additiv-Technologie. ¬ mehr

16.08.2018

¬ Aftersales

Neuer Leiter Vertrieb Service bei Seat Deutschland

Jorge Luna übernimmt zum 1. September 2018 die Leitung des Bereichs Vertrieb Service bei Seat Deutschland. Er folgt auf Kristian Kremer, der das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen hat. ¬ mehr

16.08.2018

¬ Bosch

E-Antriebe für Kleinlaster

Auf der IAA Nutzfahrzeuge stellt Bosch zwei elektrische Antriebslösungen für Kleintransporter vor. Der Zulieferer will damit den Weg hin zu emissionsfreien Kleintransportern ebnen. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 16.08.2018 | Markenausblick Audi

    Die Ringe neu sortiert

    AutomotiveConsultant meint: @ A. Greger: Auf dem (einem) Teppich zu bleiben, wird Herrn Stadler derzeit kaum möglich sein. Aber...mehr

  • 16.08.2018 | Markenausblick Audi

    Die Ringe neu sortiert

    A. Greger meint: Worauf freut sich Herr Stadler denn?In 7 Jahren Plug-In und EV Fahrzeuge zu haben?Vor allem, wer sol...mehr

  • 13.08.2018 | Brandgefahr

    BMW ruft europaweit 324.000 Autos zurück

    Martin Hartmann meint: Achherje, da werden genau dieses Fahrzeuge in die Werkstatt zurückgerufen, die unter dem Verdacht d...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Gabler Wirtschaftslexikon

GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Das Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Top-Service trotz Fachkräftemangel!

Die Neuauflage von "Starke Serviceberater" wendet sich, von der einen Seite gelesen, an den Serviceberater. Dreht man das Buch um, steht der Serviceleiter im Fokus. ¬ Jetzt bestellen!