Nach dem Benzingipfel sollte alles besser werden. Doch auch wenn drei Wochen später viele Hausaufgaben gemacht sind, wie Verträglichkeits-Listen an den Tankstellen und E10-Garantien der Hersteller: Zu wenige Kunden tanken den Biosprit. "Wir können kein E10 auf Halde produzieren", sagte ein Sprecher des Mineralölkonzerns Total am Dienstag. Die Folge: Das Unternehmen wird wieder mehr vom alten Super-Benzin herstellen lassen. Es gebe keine Trendwende, heißt es. Ob E10 jemals an den noch fehlenden 8.000 der insgesamt 15.000 Tankstellen in Deutschland eingeführt wird, ist immer fraglicher. E10 könnte zum Nischen- statt Hauptprodukt beim Super-Benzin werden. Es ist so etwas wie eine schleichende Abkehr. Weniger E10, dafür mehr vom alten Super, mehrere Raffinerien habe ihre Produktion entsprechend angepasst. Und wo es E10 noch nicht gibt, wird das erst einmal so bleiben. Shell hat bisher die Hälfte seiner 2.200 Tankstellen auf E10 umgestellt, vor allem im Osten und Süden Deutschlands. "Mit einem spürbaren Anziehen der Akzeptanz setzen wir den Rollout fort", sagte eine Sprecherin. Doch eben jenes Anziehen ist bisher nirgends zu erkennen, selbst die Polizei in mehreren Bundesländern verbietet E10 im Dienstwagentank. Im für den Biosprit zuständigen Bundesumweltministerium gibt man sich gelassen. Es gebe Schätzungen, dass die Biokraftstoffquote auch mit einem Anteil von 50 statt 90 Prozent E10 am Super-Benzin erreicht werden kann. Zudem sei auch in den vergangenen Jahren die Quote von aktuell 6,25 Prozent ohne E10 erfüllt worden. Damals gab es aber noch bessere Steueranreize für reinen Biodiesel (B100). "Die von der Mineralölwirtschaft befürchteten Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe muss es nicht geben", sagt auch Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Biokraftstoffindustrie (VDB), und verweist auf Alternativen wie mehr B100. Derzeit liegt die E10-Quote beim Super teils nur bei 30 Prozent, bei dem bisher weniger produzierten Super mit 5 Prozent Ethanol gibt es daher Engpässe, weshalb nun wieder mehr hiervon produziert werden soll. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) warnt die Mineralölbranche eindringlich, Strafzahlungen für zu wenig verkauften Biosprit auf den Spritpreis aufzuschlagen. Doch in Regierungskreisen geht man davon aus, dass die Strafkosten jetzt schon in die Rechnung der Tankkunden eingepreist werden. Die Konzerne haben viele Millionen für die E10-Umstellung gezahlt und beteuern, E10 in den Markt bringen zu wollen. Aber groß geworben wurde für den Biosprit nicht.
Ölkonzerne: Schleichende Abkehr von E10
Die ersten Mineralölkonzerne stellen ihre Produktion wieder um: Total etwa bietet mehr altes Super statt den Ladenhüter E10 an. Shell versucht sich an einer E10-Versicherung - ein "Marketing-Gag", wie der ADAC findet.
Karsten Friedrichsen