Der finnische Reifenhersteller Nokian Tyres verzichtet nach eigenen Angaben seit Anfang des Jahres bei der Reifenproduktion auf den Einsatz hocharomatischer Öle. Die nun eingesetzten Öle enthalten weniger polyaromatische Kohlenwasserstoffverbindungen (PAH) als in der künftigen EU-Richtlinie, die 2009 oder 2010 in Kraft tritt, zugelassen sind. Die als Nebenprodukt der Raffinierung entstehenden hocharomatischen Öle (= Distillated Aromatic Extract – DAE) werden seit den 50er Jahren als Weichmacheröl für Reifenlaufflächen eingesetzt. Ihr Vorteil: Sie sind preiswert und liefern gute technische Ergebnisse. Der Abrieb der Reifen ist jedoch krebserregend. Nach über zehnjähriger Forschungsarbeit sei es nun gelungen, auch mit niedrigaromatischen Ölen gleich gute Produkteigenschaften zu erzielen, teilte Nokian mit. Allerdings besteht laut Jürgen Trimbach, Produktmanager bei einem Hamburger Hersteller niedrigaromatischer Öle, der Nachteil, dass solche Produkte deutlich teurer seien als die bisher verwendeten DAEs. Auch bei Nässegrip und Abrieb des Reifens müssten leichte Einbußen hingenommen werden. Nokian hingegen will bei Tests mit seinem Sommerreifen "NRHi" verbesserte Bremswerte bei Nässe im Vergleich zum nach altem Verfahren hergestellten Vorgängermodell festgestellt haben. Die Produktionsumstellung habe zudem zu keiner Preiserhöhung für den Kunden geführt, betonte ein Firmensprecher. Bei den Vorteilen für die Gesundheit der Bevölkerung und die Umweltbilanz sind sich die Experten aber einig. Die Herstellung niedrigaromatischer Öle durch "Reinigung" des DAE mittels Extraktion sei mit geringem Energieaufwand durchzuführen, erklärte Trimbach. Das dabei entstehende Abfallprodukt könne problemlos entsorgt werden, z.B. in einen Cracker zur Benzinherstellung gepumpt werden. (ng)
Nokian Tyres: Kein krebserregender Reifenabrieb mehr
Verwendung "gereinigter" Öle erfüllt künftige EU-Richtlinie