Insolvenz: Kreditgeber drehen TMD Friction den Geldhahn zu

08.12.2008 15:13 Uhr

"Enttäuscht" zeigt sich der britische Vorstandschef des im Private-Equity-Besitz befindlichen Bremsbelagherstellers vom Verhalten der Gläubiger. Das operative Geschäft sei gesund, betonte Derek Whitworth.

Absatz- und Finanzmarktkrise haben einen ersten großen Autozulieferer in die Insolvenz getrieben. Der nach eigenen Angaben weltweit größte Bremsbelägehersteller TMD Friction aus Leverkusen meldete am Montag Insolvenz an. "Obwohl das operative Geschäft von TMD Friction gesund ist, haben der extreme Einbruch in der Automobilindustrie und der Rückzug der Kreditversicherer aus der gesamten Branche unsere Liquidität und unser Umlaufvermögen zu stark belastet", teilte der britische Vorstandschef Derek Whitworth mit. Er sei "enttäuscht", dass die Kreditgeber kein Geld mehr zur Verfügung gestellt hätten. TMD Friction beschäftigt weltweit 4.500 Menschen, davon 2.000 an den vier deutschen Standorten Leverkusen, Essen, Hamm und Coswig in Sachsen. Zunächst einmal würden keine Stellen gestrichen, sagte eine Unternehmenssprecherin in Leverkusen. "Wir sind eigentlich alle guter Hoffnung." Es sei das Ziel, die Gruppe als Ganzes an einen neuen Eigentümer zu verkaufen. Zum Insolvenzverwalter wurde der Düsseldorfer Anwalt Frank Kebekus berufen. Es gehe um eine "Insolvenz in Eigenverantwortung", betonte die Sprecherin. "Das heißt, wir sitzen mit am Tisch." TMD erzielte 2007 einen Umsatz von 690 Millionen Euro. Zum Ergebnis konnte die Unternehmenssprecherin keine Angaben machen. Die Gruppe war im Jahr 2000 für 776 Millionen Euro von dem britischen Private-Equity-Unternehmen Montagu übernommen worden, berichtete am Montag der Online-Dienst des "Manager-Magazins". Wie in der Branche üblich, habe Montagu der neuen Tochter TMD die Finanzierung der eigenen Übernahme aufgebürdet, so dass die Schuldenlast gestiegen sei. 2006 gab Montagu die Kontrolle an die Gläubiger - eine Gruppe von Hedgefonds - ab. Seitdem lief ein Restrukturierungsprogramm, das auch schon mit Stellenstreichungen verbunden war. Bis Mitte dieses Jahres habe es ganz gut ausgesehen, aber dann sei die große Absatzkrise in der Autoindustrie gekommen, sagte die TMD-Sprecherin. Gleichzeitig hätten die Banken aufgrund der Finanzkrise keine Kredite mehr gegeben, und dadurch sei der Insolvenzantrag unvermeidlich geworden. (dpa)

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