Am Rande: Autohupen für den Katastrophenschutz

10.07.2009 00:17 Uhr
Das alte Sirenen-System muss offenbar nicht reinstalliert werden.

Forscher des Fraunhofer Instituts haben ein Patent für eine Technologie eingereicht, die es ermöglicht, im Katastrophenfall die Hupen geparkter Autos auszulösen. Damit könnten die Mitte der neunziger Jahre abgebauten Sirenen ersetzt werden.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen (INT) wollen das Mitte der neunziger Jahre nach Ende des Kalten Krieges aufgelöste flächendeckende Katastrophen-Warnsystem für die Bevölkerung wieder reinstallieren – allerdings nicht mehr mit Sirenen. Wie das Institut jetzt meldete, wurde bereits Ende Januar ein Patent für eine Technologie eingereicht, die es ermöglicht, im Katastrophenfall die Hupen geparkter Autos auszulösen. Dabei werde das System "eCall" genutzt, das ab September 2010 zur Ausrüstung jedes Neuwagens gehören soll. Entwickelt wurde "eCall", um die Zahl der Unfalltoten zu reduzieren. Auf Initiative der EU-Kommission soll jedes Auto mit einem Elektronikmodul ausgestattet werden. Es besteht aus einem GPS-Sensor und einer Mobilfunkkomponente, die beispielsweise Unfallzeitpunkt, Koordinaten und Fahrtrichtung an eine Notrufzentrale übermitteln können. Diese Infrastruktur lässt sich auch für die Warnung der Bevölkerung nutzen, fanden die INT-Forscher heraus. Guido Huppertz, der an dem System mitarbeitet, beschreibt die Vorteile der hupenden Autos: "Alle bisher vorgeschlagenen Lösungen, wie etwa Handy oder Rauchmelder, informieren immer nur den Benutzer dieses Gerätes." Die Fraunhofer-Idee habe dagegen einen klaren statistischen Vorteil: Bereits 14 Prozent der zugelassenen Fahrzeuge reichen laut den Forschern aus, um eine flächendeckende Alarmierung zu ermöglichen. "Wenn ab Ende nächsten Jahres alle neuen Fahrzeuge mit 'eCall' ausgerüstet werden, könnte das Warnsystem nach einer Aufbauphase von zwei bis vier Jahren einsatzfähig sein", prognostiziert Huppertz. "Der Aufwand beschränkt sich darauf, ein kleines elektronisches Modul in Neufahrzeuge zu integrieren", erläutert Huppertz. "Die gesamte behördenseitige Infrastruktur ist bereits vorhanden." Dagegen würde der Wunsch von Feuerwehren und Katastrophenschutz nach Rückkehr der Sirene laut Huppertz mehrere 100 Millionen Euro kosten. (ng)

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