Donnerstag, 18.10.2018
Verkehrsblatt IVW
11.06.2018

¬ Drohende Diesel-Fahrverbote

Weiter Streit über technische Nachrüstungen

Dieter Zetsche

Am Montag ist Daimler-Chef Dieter Zetsche (Bild) zu Besuch bei mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.
© Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Hamburg hat sie schon, Aachen drohen sie, und nun sind Diesel-Fahrverbote in Stuttgart wohl kaum noch zu vermeiden. In der grün-schwarzen Landesregierung gilt es als schwierig bis unmöglich, um die ungewollten Sperrungen noch herumzukommen. Wie das konkret aussehen könnte, ist noch unklar. Einen fertigen Plan gibt es dem Vernehmen nach in Baden-Württemberg noch nicht.

Doch die Zeit wird knapp. Noch immer werden in vielen deutschen Städten die Grenzwerte für Stickoxide überschritten, die in großer Menge vor allem Diesel-Autos ausstoßen. Es stellt sich die Frage, wann die nächsten Kommunen zum letzten Mittel greifen müssen. Es wird zunehmend bezweifelt, dass die bisher angeschobenen Maßnahmen für eine schnelle Entlastung sorgen können. Und in diesem Fall lässt ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Fahrverbote grundsätzlich zu.

Im Mittelpunkt stehen Software-Updates für Millionen Autos, nach denen die Abgasreinigung besser arbeiten und weniger Schadstoffe aus dem Auspuff kommen sollen. Je nach Lesart bieten die Hersteller diese freiwillig an oder das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat sie angeordnet. Nicht immer ist klar, was illegal ist oder nur die bisher laschen Regeln beim Einhalten von Abgaswerten weitestgehend ausnutzt.

KBA geht von fast einer Million manipulierter Fahrzeuge aus

Das dürfte auch Thema bei einem erneuten Treffen von Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Montag in Berlin sein. Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, habe das KBA inzwischen fünf 'unzulässige Abschaltfunktionen' bei Modellen von Daimler entdeckt. Die Behörde gehe dem Verdacht nach, dass diese Software-Funktionen in der neueren Diesel-Flotte mit der Abgasnorm Euro-6 zum Einsatz kommen. Fast eine Million Fahrzeuge sollen betroffen seien.

Scheuer soll laut "Spiegel" bereits mit Bußgeldern von bis zu 5.000 Euro je Fahrzeug gedroht haben. Daimler will den Vorwurf der illegalen Abschalteinrichtung nicht hinnehmen und hat in letzter Konsequenz eine rechtliche Auseinandersetzung nicht ausgeschlossen.

Die Verunsicherung der Autofahrer wird auch durch die anhaltende Diskussion um eine technische Nachrüstung vergrößert. Der SWR berichtete, die Landesregierung in Baden-Württemberg plane bei möglichen Fahrverboten Ausnahmen etwa für Pendler und Anwohner - vorausgesetzt, ihre Diesel-Autos würden mit einer Hardware nachgerüstet, um den Stickoxid-Ausstoß zu senken. Regierungssprecher Rudi Hoogvliet sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur, es sei noch nicht entschieden, wie man in Sachen Diesel weiter vorgehe. "Wir stehen noch am Anfang der Überlegungen."

Mögliches Fahrverbot ab Januar 2019

In Hamburg haben die Behörden inzwischen ein begrenztes Fahrverbot auf zwei Einzelstrecken durchgesetzt. Aachen muss nach einem Urteil des örtlichen Verwaltungsgerichts ein Diesel-Fahrverbot vorbereiten. Falls die Stadt und das Land Nordrhein-Westfalen bis Ende des Jahres keine gleichwertige Alternative vorlegten, wie die Grenzwerte bei Stickstoffdioxiden eingehalten werden können, müsse zum 1. Januar 2019 ein solches Verbot in Kraft treten.

Der ADAC hatte in Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg die Nachrüstung von Euro-5-Dieseln mit Hardware getestet. Ergebnis: Bei den vier Testfahrzeugen, die mit einem sogenannten SCR-System ausgestattet wurden, lag der Schadstoffausstoß innerorts um bis zu 70, außerorts um bis zu 88 Prozent niedriger. Der Preis für diese technische Nachrüstung wurde mit rund 1.400 bis 3.300 Euro pro Fahrzeug angegeben. Die Autohersteller gehen aber von höheren Kosten aus.

Laut "Spiegel" hat das KBA in Aussicht gestellt, ein erstes Nachrüstset zu genehmigen. Wie das Magazin berichtet, hat die Behörde in einem Schreiben an einen Anbieter solcher SCR-Katalysatoren empfohlen, sich an ein anerkanntes Prüflabor zu wenden. Werde dort nachgewiesen, dass sich durch die Hardwarenachrüstung "das Abgas- und Geräuschverhalten des veränderten Fahrzeugs nicht verschlechtert", sei mit Erteilung einer allgemeinen Betriebserlaubnis zu rechnen.

Stuttgart denkt über Teilung der Nachrüstungs-Kosten nach

Nach Angaben des SWR gibt es in der Stuttgarter Landesregierung Überlegungen, sich die Kosten für Nachrüstung zu teilen: 50 Prozent solle die Industrie tragen, 25 Prozent das Land und 25 Prozent die Dieselfahrer. Bundesverkehrsminister Scheuer hatte Eingriffe an der Hardware alter Diesel aber ebenso wie die Hersteller wiederholt abgelehnt. Es gebe technische, rechtliche und finanzielle Bedenken, hieß es. Zudem dauere es zu lange. (dpa)

 
 

Copyright © 1999 - 2018 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Die Schöne ist ein Biest

Mercedes verlängert seinen aufregendsten Sportwagen um zwei vollwertige Rücksitze. Die viertürige Version des AMG GT macht den bis zu 639 PS starken Allradler alltagstauglich und will eine neue Art von Kunden erobern - Familienväter mit schwerem Gasfuß und dickem Geldbeutel. ¬ mehr

17.10.2018

¬ Kfz-Gewerbe

Gebrauchte Diesel wieder im Rennen

Die Nachfrage nach gebrauchten Diesel-Fahrzeugen ist im August 2018 um drei Prozent gestiegen. Auch haben die Verkäufe neuer Selbstzünder zugenommen. ¬ mehr

Champion Ölschrank

Schmierstoffvorräte stets im Blick

Der neue Ölschrank von Champion überwacht die Schmierstoffvorräte automatisch. Werkstattprofis in freien Werkstätten können sich so auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren und brauchen sich nicht um ihre Lagerhaltung kümmern. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 28.09.2018 | Dieselkrise

    VW-Betriebsratschef wettert gegen Politik

    R. Luft meint: Herr Osterloh sollte den Ball sehr flach halten, ist er doch Teil dieses Betrugs-Kartells und er und...mehr

  • 27.09.2018 | Dieselkrise

    VW-Betriebsratschef wettert gegen Politik

    Demex meint: Sie haben Ihre Tantime bekommen und alle bei VW auch die Mitarbeiter und BosseIch habe aber immer no...mehr

  • 26.09.2018 | Diesel-Nachrüstung

    Scheuer plant neues Konzept

    Martin Hartmann meint: Egal was Herr Scheuer sagt und tut, der betroffene (Auto-)Deutsche kann da nur den Kopf schütteln. ...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Verlieren Sie nicht die Orientierung!

Die Neuerscheinung "Der Autohaus-Kennzahlkompass" zeigt, wie man betriebsspezifische Kennzahlen findet, errechnet und interpretiert. Dabei werden dem Leser greifbare Lösungsansätze vermittelt. ¬ Jetzt bestellen!