Donnerstag, 22.08.2019
Verkehrsblatt IVW
28.12.2018

¬ Hardware-Nachrüstung von Diesel

VW rät von geplanten Umrüstungen ab

Frank Welsch Entwicklungsvorstand VW

VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch lehnt Hardware-Nachrüstungen von Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 5 ab.
© Foto: Volkswagen

Dieselbesitzer haben auch kurz vor dem Start ins neue Jahr keine Gewissheit über Hardware-Nachrüstungen bei älteren Dieselautos. Zwar legte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Freitag technische Vorschriften für die Umbauten vor. Volkswagen aber reagierte umgehend: Der Branchenführer warnte vor einem höheren Verbrauch nach einer Umrüstung und vor negativen Folgen bei der Zuverlässigkeit der Autos: "Dies können wir als Automobilhersteller im Sinne unsere Kunden weder befürworten noch dafür haften. Deshalb raten wir von Hardware-Nachrüstungen ab."

VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch erklärte am Freitag, es gebe bis jetzt keine gesicherten Erkenntnisse, wie sich nachträgliche Eingriffe in das Steuerungssystem, die Komponenten und die Fahrzeugarchitektur im Dauerbetrieb langfristig auswirkten. "Eine technisch nicht ausgereifte Nachrüstlösung kann wichtige Fahrzeugeigenschaften zum Nachteil unserer Kunden verändern", so Welsch. "Das Fahrzeug wird sehr wahrscheinlich mehr verbrauchen, an Leistung verlieren und auch lauter werden. Eine Umrüstung, die einen enormen technischen und zeitlichen Aufwand bedeutet, kann zu massiven Problemen bei der Zuverlässigkeit und damit bei der Kundenzufriedenheit sorgen."

Die Hersteller haben Hardware-Nachrüstungen von Anfang an sehr skeptisch gesehen. Auch Scheuer hatte sich ablehnend geäußert. Er hatte aber auf Druck der SPD und des Kanzleramts im November mit den deutschen Herstellern einen Kompromiss erzielt. Dabei ging es vor allem um die Finanzierung der Nachrüstungen.

ADAC-Vize-Präsident Ulrich Klaus Becker kritisierte mit Blick auf VW, dass erneut "heftige Grundsatzdebatten" aufflammten. "Wer von Drittanbietern abrät, muss selber liefern", sagte Becker. Hardware-Nachrüstungen seien eine sinnvolle Möglichkeit, den Stickoxid-Ausstoß von älteren Fahrzeugen signifikant zu senken. Mit den nun vorgelegten Eckpunkten würden allerdings hohe Anforderungen an die Nachrüstung gestellt.

Umweltministerium verärgert

Das Bundesumweltministerium hat die massive Kritik von Volkswagen an Hardware-Nachrüstungen bei Dieselautos deutlich zurückgewiesen. "Die Reaktion von VW wundert uns", sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. VW habe sich bei Verhandlungen mit dem Verkehrsministerium im November bereiterklärt, Diesel-Fahrzeuge für bis zu 3.000 Euro mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen. "Dass VW nun eine Rolle rückwärts macht und wieder ausschließlich auf die Erneuerung der Fahrzeugflotte setzt, ist ärgerlich und wird kaum das verlorene Vertrauen in den Autokonzern wiederherstellen. Denn ein wenige Jahre altes Fahrzeug gegen ein neues einzutauschen, können sich nur die Wenigsten leisten und ist ökologischer Irrsinn." 

Hardware-Nachrüstungen machten nicht nur die Luft sauberer, sondern stoppten auch die Entwertung der Fahrzeuge, die ohne Nachrüstungen nicht mehr in Fahrverbotszonen einfahren dürften, so der Sprecher. Ein durch die neue Hardwaretechnik möglicherweise steigender Spritverbrauch könne durch Software-Einstellungen ausgeglichen werden, dies hätten Experten nachgewiesen. (dpa)

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Volkswagen)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Schaeffler plant Kurzarbeit

Die Konjunkturschwäche in der Autoindustrie zwingt den fränkischen Autozulieferer Schaeffler zu Kurzarbeit. ¬ mehr

Jaguar Land Rover Head-up-Display

Wirkungsvolle Warnung

Head-up-Displays werden immer leistungsstärker. Künftig könnten sie den Insassen sogar 3D-Filme zeigen. ¬ mehr

21.08.2019

¬ Webinare

TecAlliance Reklamationsmanagement

Optimiertes Reklamations- und Retourenmanagement

Teilehersteller, Werkstätten und Großhändler können ihre Reklamations- und Retourenfälle schnell und einfach abwickeln. Wie das funktioniert, zeigen kostenlose Webinare von TecAlliance. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 20.08.2019 | Autoindustrie

    DUH wirft verfehlte Modellpolitik vor

    Peter Zimmer meint: Hallo,da haben wir den Salat, jetzt muddelt die DHU mit und das gibt wieder Ärger.Wo bleibt das E A...mehr

  • 30.07.2019 | AU-Geräte-Kalibrierung

    Wichtige Fragen und Antworten

    Franko meint: Genau mein Humor, anstatt bei den Herstellern genauer hin zu schauen und diese zur Rechenschaft zu z...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Entdecken Sie Quirin!

In der Neuerscheinung "Die Quirin-Formel" zeigt Ihnen Dr. Andreas Block, welche zentralen Bausteine erfolgreiche Autohäuser gemein haben. ¬ Jetzt bestellen!