Sonntag, 25.08.2019
Verkehrsblatt IVW
03.01.2019

¬ Auto-Auslaufmodelle 2018

Von Altersschwachen, Unbekannten und Schönlingen

Der VW Beetle verabschiedet sich mit einer "Final Edition" vom Markt.
© Foto: Max Friedhoff/SP-X

Von Elfriede Munsch/SP-X

Was für ein Jahr! Wer dachte, 2018 würde für die Autoindustrie endlich ruhiger werden und sie könnte sich wieder auf ihre Kernkompetenzen wie Entwickeln, Produzieren und Verkaufen von Fahrzeugen konzentrieren, sah sich getäuscht. Der Dieselkandal beschäftigt weiterhin nicht nur den VW-Konzern, diesen aber zu Recht besonders. Und nicht nur ihn als allgemeines Abstraktes, sondern gleich den einen oder anderen hochrangigen Funktionär des Unternehmens im Speziellen. Dass zum Beispiel ein Vorstandsvorsitzender, der sich dem Firmenslogan "Fortschritt durch Technik" verpflichtet hatte, durch seine nicht ganz dem Geiste des Ausspruches konforme Interpretation dieser Aussage hinter schwedischen Gardinen wiederfand und somit "vom Markt" genommen wurde, ist schon bemerkenswert.

Bleiben wir beim Thema Selbstzünder: Dieselmotoren mit komplexer Abgastechnologie machen Kleinwagen teuer. So verwundert es nicht, dass immer mehr Hersteller wie zum Beispiel VW beim Polo auf einen solchen Antrieb im Kleinwagen-Motorenprogramm verzichten. Gleich den großen Diesel-Kehraus in Deutschland haben derweil Marken wie Toyota, Nissan, Subaru und Suzuki vollzogen.

Mitte des Jahres kam der Eindruck auf, dass viele Modelle vom Markt verschwunden sind. Doch mitnichten. Sie standen nur Schlange und zwar vor Prüfständen. Die Umstellung auf das neue Verbrauchsmessverfahren WLTP dauerte - Überraschung! - länger als gedacht, und so hingen zumeist die deutschen Hersteller mit ihrem vielfach aufgefächerten Karosserie- und Motorenangebot hinterher. Zumal der eine oder andere Ingenieur vorrangig mit der Abarbeitung der Folgen des Dieselskandals beschäftigt war. Die Hersteller nahmen also zwischendurch einfach Modelle vom Markt, die noch nicht rechtzeitig vor dem 1. September nach den entsprechenden Richtlinien zertifiziert waren.

BMW 6er Cabrio
Alfa Romeo 4C
Fiat Punto Young

Natürlich verschwanden 2018 auch Modelle ganz vom Markt. Gar nicht mehr mitspielen darf zum Beispiel bei Mitsubishi ein Oldie. Der Geländewagen-Klassiker Pajero ging nach 36 Jahren Modellgeschichte in den wohlverdienten Ruhestand, immerhin war die letzte und vierte Generation seit 2007 am Start. Die Gründe für den Renteneintritt sind vielschichtig, dazu zählen aber sicherlich gestiegene und gewandelte Kundenansprüche sowie moderne Abgas- und Sicherheits-Vorschriften.

Dass irgendwann einfach Schluss sein muss, kann man ebenfalls bei Fiat sehen. Pünktlich zum silbernen Modelljubiläum ging der Punto, das ehemalige Brot- und Butter-Auto und Bestseller des italienischen Herstellers, sang- und klanglos. Das Sparen und Nicht-Investieren bei der italienischen Kernmarke zeigen Konsequenzen. Wie lange sich die betagten Modelle Panda und 500 noch halten können? Dem Alfa Mito, einem Ableger des Punto, schlug übrigens ebenfalls sein letztes Stündlein. Merke, auch Schönlinge werden nicht verschont. Das gilt auch auf den Alfa 4c, dessen Coupé-Produktion jetzt ausläuft, immerhin bleibt der 4c Spider noch ein wenig am Markt. Alfa-Sportwagenfans müssen sich auf das Debüt des neuen 8c gedulden.

Für ein weiteres Coupé stoppten vergangenes Jahr die Produktionsbänder. Das BMW 6er Coupé ist wie die Cabrio-Variante nun Geschichte. Somit stehen Liebhaber dieser Karosserieform nach der Einführung des 8ers nicht vor der Qual der Wahl, ob sie sich für entsprechenden Ausführungen der Nummer 6 oder 8 entscheiden sollen. Die Münchner haben ihnen die Entscheidung zugunsten der Ziffer 8 abgenommen. Wenn schon Coupé, dann auch richtig teuer.

Weggenommen hat BMW seinem Elektrofahrzeug i3 den Range Extender. Der kleine Motor, der die Batterie während der Fahrt aufladen kann, hat in Europa also ausgedient. Schließlich soll der E-Kleinwagen nach dem aktuellen Akku-Upgrade jetzt bis zu 260 Kilometer Reichweite stromern können.

Mitsubishi-Elektroauto verabschiedet sich nach fast neun Jahren

Mangelnde Reichweite und schon fast neun Jahre auf dem Buckel bedeuteten das Verkaufsende für das Mitsubishi Electric Vehicle. Die Japaner bilden ja mittlerweile mit Nissan und Renault eine Allianz, da sollte es nicht schwerfallen, einen moderneren Ersatz für das Elektrowägelchen anbieten zu können.

Ganz ohne Ersatz ging der Seat Toledo. Der etwas biedere Spanier, der mehr oder weniger baugleich mit dem Skoda Rapid Stufenheck war, wird nach dem Produktionsende des Rapid Stufenhecks nicht mehr gebaut. Auch ein Nachfolger des Citroën C4 muss erst noch gefunden werden. Der C4 Cactus und der C4 Spacetourer müssen zunächst einmal als Alternativen herhalten.

Ersatzlos aus dem VW-Programm verschwand derweil nach dem Aus des Beetle Coupé 2017 das Beetle Cabrio. Toyota schob den Avensis Kombi aufs Abstellgleis, damit haben die Japaner zurzeit kein Mittelklassemodell mehr im Angebot. Der Camry soll es dann nächstes Jahr richten. Ohne den Pulsar startet Nissan ins neue Jahr. Wer oder was ist der Pulsar, werden sich viele fragen. Es war ein Kompaktmodell (seit 2014) und ähnlich erfolglos wie sein schon vergessener Vorgänger Tiida.

Der Van Evalia aus dem Hause Nissan ging zumindest aus Altersgründen. Vorerst verfügbar bleibt jedoch die elektrische Variante. Dass der Infiniti Q70, ein Mitglied von Nissans Nobeltochter, vom Markt genommen wurde, erregt mangels bisheriger Marktdurchdringung kaum Aufmerksamkeit. Genauso wird das Produktionsende von DS4 und DS5 vermutlich keine allzu weitverbreitete Trauerstimmung erzeugen.

Das sieht beim Wegfall des Subaru WRX STi ganz anders aus. Die Fangemeinde trauert, dass das sportliche Topmodell der Marke aufgrund der Abgasvorschriften eingestellt wurde. Fehlen werden den Fans unter anderen der 221 kW / 300 PS starke Vierzylinder-Boxermotor und sicherlich auch die goldfarbenen Felgen.

 
 

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