Montag, 21.10.2019
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Volkswagen unter Strom

Volkswagen unter Strom
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© AUTO SERVICE PRAXIS
zum Themenspecial Elektromobilität

Beim Autoflotte-Fuhrparktag in der Autostadt Wolfsburg zeigte Volkswagen seine Strategie rund um die Elektromobilität. In fünf Themenblöcken ging es um Autos, Finanzdienstleistungen, Ladeinfrastruktur, Digitalisierung und grünen Strom.

Ein E-Fahrzeug ist schnell bestellt - wie im aktuellen Fall des neuen ID.3 von VW zumindest schnell reserviert. Das gelingt seit Mitte Mai auf Knopfdruck - online. Bis allerdings die passende und notwendige Ladeinfrastruktur steht, kann es hingegen dauern. "Planen Sie zwölf bis 18 Monate für ein solches Projekt ein", mahnt Experte Hans-Christoph Bauer von der VW-Marke Elli. Was sonst noch bei den Stromern wichtig ist, erfuhren mehr als 50 Branchenprofis auf dem Fuhrparktag Elektromobilität unseres Schwestermagazins Autoflotte und VW, das Mitte Mai stattfand. Das Thema brennt den Fuhrparkverantwortlichen sichtbar unter den Nägeln - einige sind bereits tief in die Materie eingetaucht, andere stehen noch am Anfang. Als exklusives Schmankerl durften die Teilnehmer einen sehr exklusiven Blick ins Designzentrum werfen.

Bis 2040 CO2-neutral

In etwa die Hälfte der Teilnehmer hat bereits Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen gesammelt und weiß daher um die Herausforderungen, sobald die Anbindung ans Stromnetz zum Lastenheft einer Fahrzeugneubestellung gehört - was sinnvollerweise fast immer der Fall ist. Bei VW will man hier dem Kunden das Komplettpaket bieten - bis hin zum Ökostrom. Eingebunden ist dies in die Zielvorgabe, bis zum Jahr 2040 CO2 -neutral zu produzieren - also Verbrenner durch Stromer zu ersetzen und diese wiederum ebenfalls kohlendioxidfrei herzustellen. Die Produktion der Batterien und Fahrzeuge wird auf Grünstrom umgestellt, die Lieferketten werden auch zunehmend auf Nachhaltigkeitsstandards verpflichtet. Was in diesem Prozess an CO2 nicht vermieden werden kann, will man über die Förderung von Naturschutzprojekten kompensieren.

Leasingrückläufer neu verleasen

Die Frage der Finanzierung der E-Modelle wurde von VW recht klar beantwortet: Leasing. Dieses wird laut Knut Krösche, Geschäftsführer Volkswagen Leasing, nicht nur in den Gewerbeflotten, sondern auch im Privatmarkt mit den Stromern weiter wachsen. Schließlich möchte der Kunde mit dem Fahrzeug und der Ladestruktur möglichst wenig zu tun haben. Dies wird übrigens auch für die jungen Gebrauchten mit Stecker gelten. Hier rechnet VW nicht nur mit dem zweiten Leben eines klassischen dreijährigen Leasingrückläufers, sondern mit einer weiteren Nutzung danach, sodass der Verwertungszyklus auf neun Jahre steigen wird - und gerade die immensen Restwertrisiken abfedert. Batterieseitig dürfte das kein Problem werden. Nicht umsonst geben auch die Niedersachsen acht Jahre Garantie oder 160.000 Kilometer auf den Akkupack, der dann noch mindestens 70 Prozent Leistungsfähigkeit haben soll.

Mit 70 Prozent der angegebenen Reichweite sollte man im Stromer-Alltag generell rechnen, rät der ID-Experte Derek von Rönn und rechnete dies an der gerade zur Reservierung freigegebenen First Edition des ID.3 vor, die ab Werk die mittlere Batteriegröße besitzen wird. So reduziert sich die WLTP-Reichweite von 420 Kilometer, wenn im Winter die Heizung läuft oder zügig auf der Autobahn gefahren wird. Vorteil Stromer: Angeschlossen an eine Lademöglichkeit kann der Innenraum im Winter vorgeheizt und im Sommer bereits gekühlt werden - ohne dass die Reichweite direkt nach Fahrtantritt schmilzt.

Keine Mobilitäts-Einschränkung

Die meisten Kunden werden im Alltag mit dem ID.3 First Edition wohl 300 bis 420 Kilometer weit mit einer Ladung kommen, so der Marketingleiter. Dies wiederum wäre laut von Rönn sowohl für Pendler als auch für Außendienstler ein Szenario, bei dem kaum einer seine jetzige Mobilität einschränken oder umstellen müsste. Pendler fahren statistisch gesehen 50 Kilometer am Tag, müssten also künftig nur einmal pro Woche für etwa fünf Stunden nachladen. Ideal, wenn sogar der Arbeitgeber eine gewisse Infrastruktur aufbaut. Die Elektrifizierung der Flotten beziehungsweise der Standorte ermöglicht damit auch den Innenstadtbewohnern, die keine Garage mit Stromanschluss haben, elektrisch zu fahren. Und sogar ein Großteil der Außendienstler hat einen Aktionsradius von 200 Kilometern um den Wohnort oder das Büro.

Entsprechend optimistisch ist man bei VW, was den Erfolg des Erstlings betrifft. Zumal der "Golf-große" ID.3 auch optisch eher einer Evolution gleicht: Er hat zwar eine eigene Plattform mit dadurch üppigem Platzangebot im Innenraum, das zentrale Markenoutfit trägt er jedoch weiterhin in Form eines Stahlblech-Kleids, das mit ausgewählten Composite-Materialien (das Dach und der obere Teil der Heckklappe sind daher stets schwarz) ummantelt wird. Lediglich im Inneren wird der Bruch zum klassischen Fahrzeugbau deutlich. Was für alle anwesenden Fuhrparkleiter beim Gang ins VW-Designzentrum deutlich wurde. Hier fiel der Blick nicht nur auf den ID.3, sondern auch das Tiguan-Pendant ID Crozz, den Kombi namens ID Vizzion sowie den ID Buzz - den neuen Bulli. Neben Europa erhalten die USA und China jeweils eigene Derivate, die dem Käufergeschmack munden sollen und schnell für Nachfrage und damit für Skaleneffekte im VW-Konzern sorgen werden. Entsprechend stolz zeigte auch Volkswagen-Chef-Designer Klaus Bischoff persönlich den Flottenleitern die E-Modellreihe für die kommenden dreieinhalb Jahre. Alle Modelle werden mit digitalen Bedienelementen und tollen neuen Helfern wie Augmented-Reality-Technik ausgestattet, die Informationen auf der Windschutzscheibe darstellt.

Mit Ökostrom laden

Darüber hinaus sollen die Stromer "grün" geladen werden können. Dafür kommt die neu gegründete Volkswagen-Tochter Elli zum Einsatz, die einen Grünstromvertrag für zu Hause oder das mobile Laden bringt. Ziel von VW ist es zudem, die CO2 -Emissionen aufgrund des deutschen Strommixes über die Unterstützung von Moorschutzprojekten auszugleichen. CO2 -neutrales Fahren geht somit bereits heute mit den entsprechenden batterieelektrischen Fahrzeugen in Verbindung mit grünem Strom. Auf diese Kombination setzen die Niedersachsen ausschließlich, wie jüngst auch VW-Boss Herbert Diess erklärte. Die Autos müssen regelmäßig ans Stromnetz, was laut VW in gut 80 Prozent der Fälle wohl am Arbeitsplatz oder zu Hause passieren wird - aber mit meist vorhandenem AC-Strom (Wechselstrom mit meist 3,7-11 kW) durchaus dauern kann. Der Energieversorger EnBW sieht indes gerade im Schnellladen großes Potenzial. So findet man EnBW nun auch an Shell-Tankstellen mit flinker DC-Lade-Technik. Bis zum nächsten Jahr will man an 1.000 Ladestandorten sein, erklärte Peter Siegert, Manager E-Mobility bei EnBW. Zusammen mit den rund 100 Ionity-Stationen (Konsortium der Autohersteller) mit je sechs bis zwölf Ladestationen ergibt sich so ein dichtes Netz an den Autobahnen.

Da die Technik vor gewaltigen Umbrüchen steht, hat man bei VW Puffer eingebaut. Ähnlich wie bei der Ladeinfrastruktur. Dort ist es ratsam, bei Schachtarbeiten für neue Stromverbindungen heute schon Leerrohre zu verlegen, die reibungslos die Ladekapazitäten wachsen lassen können. Bei VW soll in wenigen Jahren bereits autonomes Fahren bis Level 5 möglich sein. Hinzu kommen sukzessive größere Batterien, die den Bewegungsradius jenseits von 500 Kilometern - nach WLTP - sicherstellen sollen. Dann gäbe es nur noch wenige Argumente gegen E-Autos, die zudem durch Skaleneffekte günstiger werden sollen.

Kurzfassung

Volkswagen möchte in den nächsten Jahren nicht nur zahlreiche Elektroauto-Modelle auf den Markt bringen, sondern auch grünen Strom, Ladeinfrastruktur und passende Finanzierungsmodelle anbieten.

Autor: Rocco Swantusch,Alexander Junk

 
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