Dienstag, 10.12.2019
Verkehrsblatt IVW
05.08.2019

¬ Automobilindustrie

Unternehmen setzen auf Litauen

Hella Litauen

Hella hat in Rekordzeit eine Produktionsstätte in Litauen hochgezogen, Continental will sein erstes Werk noch in der zweiten Jahreshälfte 2019 in Betrieb nehmen.
© Foto: picture alliance/Alexander Welscher/dpa

Litauen ist bisher ein nahezu weißer Fleck auf der Weltkarte der Automobilindustrie. Doch nun siedeln sich in dem Baltenstaat im Nordosten Europas zwei deutsche Zulieferer an: Hella hat in Rekordzeit eine Produktionsstätte hochgezogen, Continental will sein erstes Werk in der zweiten Jahreshälfte 2019 in Betrieb nehmen. Die litauische Regierung hofft nun im internationalen Standortwettbewerb auf einen Sogeffekt und die Ansiedlung weiterer Zulieferer.

"Der Automobilzuliefersektor ist schrittweise gewachsen und hat einen Schub durch Hella und Continental bekommen", sagte der litauische Wirtschaftsminister Virginijus Sinkevicius der Deutschen Presse-Agentur in Vilnius. Mindestens 120 Millionen Euro wollen die beiden deutschen Branchengrößen in der Wirtschaftszone der zweitgrößten Stadt Kaunas investieren, bis zu 3.000 Arbeitsplätze sollen in den kommenden Jahren entstehen. Doch soll dies erst der Anfang sein: Sinkevicius setzt auf die Herausbildung eines Clusters - also eine Ballung verbundener Branchen-Unternehmen an einem Standort.

Litauen versucht seit einiger Zeit, Zulieferer ins Land zu holen. Mehr als 40 Unternehmen, die Autoteile herstellen und 2018 einen Gesamtumsatz von 400 Millionen Euro erzielten, sind bereits im größten Baltenstaat aktiv. Fast die Hälfte davon haben sich im Baltic Automotive Components Cluster vereint, darunter bekannte Namen wie Yazaki, Schmitz Cargobull oder Littelfuse.

Niedrige Arbeitskosten

Angelockt wurden viele von den niedrigen Arbeitskosten, die weit unter dem Niveau in Deutschland und auch unter dem anderer klassischer Standorte der Automobilindustrie in Osteuropa liegen. Nach Angaben der britischen Unternehmensberatung Cushman & Wakefield kostet Arbeit in Litauen 14 Prozent weniger als in Polen und sogar 30 Prozent weniger als in Tschechien - nicht zuletzt wegen der angespannten Arbeitsmarktlage in beiden Ländern.

Auch für den Licht- und Elektronikspezialisten Hella aus Lippstadt ist der Personalaspekt einer der ausschlaggebenden Gründe für den neuen Standort in Litauen gewesen. "Hier sind gut qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte zu - aus unserer Sicht - fairen Lohnkosten verfügbar", sagte Michael Jarecki, Geschäftsführer von Hella Litauen, bei einem Rundgang durch das im Juli 2018 eröffnete Werk.

Kaunas sei logistisch vorteilhaft, besitze Tradition im Maschinenbau und verfüge mit der Technischen Universität über eine Hochschule mit Werkbankanschluss, sagte Jarecki. Hochautomatisiert stellt Hella unweit des Flughafens der 300.000-Einwohner-Stadt Lichtelektronik-Baugruppen her, in Kürze soll die Produktion erweitert werden.

Continental will Produktion noch in 2019 starten

Ähnliche Argumente waren auch für Continental entscheidend, das nur einen Steinwurf von Hella entfernt ein neues Werk errichtet. Fertigen will der Dax-Konzern aus Hannover Elektronikkomponenten, die Produktion soll noch 2019 starten. Mit einem Volumen von 95 Millionen Euro gilt das Werk als größte Neuerrichtung einer Produktionsstätte in der litauischen Geschichte.

Mit der Schweizer Mikron Gruppe, die Automatisierungslösungen für die Autoindustrie produziert, kündigte im Frühjahr ein weiteres Unternehmen den Bau einer Produktionsstätte in Kaunas an. "Die Karawane der Automobilindustrie zieht nach Litauen", titelte dazu die 'Neue Züricher Zeitung'. Aus Sicht Jareckis kommt diese Aussage "noch etwas zu früh". Er sieht in seiner Firma und den beiden Mitbewerbern aber durchaus die "Pioniere eines potenziellen Clusters".

Offen bleibt, welche Auswirkungen die Ansiedlung weiterer Zulieferer haben wird. Deutsche Wirtschaftsvertreter beklagen seit längerem einen spürbaren Fachkräftemangel in Litauen, der die bislang verhältnismäßig hohe Produktivität beeinträchtigt und den Kostenvorteil sinken lässt. Der Durchschnittslohn stieg 2018 um 10 Prozent auf 960 Euro, Ende des ersten Quartals 2019 lag er bereits bei über 1.250 Euro pro Monat. (dpa)

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: picture alliance/Alexander Welscher/dpa)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

ZF schließt Kurzarbeit nicht aus

Konzernchef Wolf-Henning Scheider rechnet mit einer zwei Jahre dauernden Stagnation-Phase im Autogeschäft. ¬ mehr

09.12.2019

¬ Autoindustrie

Neues Vorstandsmitglied bei Renault Deutschland

Ralf Benecke fungiert ab sofort als Vorstand Qualität und Kundenservice. Die neu geschaffene Direktion bündelt Technik, Training und Kundenbetreuung. ¬ mehr

09.12.2019

¬ Hess Gruppe

Motoo Schulungskatalog 2020 Hess Gruppe

Neuer Schulungskatalog erhältlich

Der neue Schulungskatalog des Hess Gruppe sowie des Werkstattkonzeptes Motoo bietet technische, rechtliche sowie betriebswirtschaftliche Fortbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter in Werkstätten. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 06.12.2019 | Klimaziele im Verkehr

    Umweltbundesamt für drastische Maßnahmen

    Mario meint: Immer weiter so - Unsere Wirtschaft wird kollabieren....mehr

  • 21.11.2019 | Licht-Test 2019

    Weniger Blender und "Einäugige"

    R. Luft meint: Und wie sieht es bei den LKW's aus? Es ist seit geraumer Zeit zu beobachten, dass mehr und mehr ...mehr

  • 20.11.2019 | Abgasuntersuchung

    Doppelprüfung sorgt für Ärger

    Rudolf Pfister meint: Hallo zusammen,der Irrsinn geht weiter. Der VW-Konzern betrügt seine Kunden in massiver und vorsät...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

"Der Autohaus-Chef"

Unternehmensführung für Realisten!

Der Klassiker der Autohaus-Literatur richtet sich an alle Unternehmer, die ihren Betrieb mit frischen Ideen führen wollen, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren. ¬ Jetzt bestellen!