Mittwoch, 16.10.2019
Verkehrsblatt IVW
19.02.2019

¬ Osram-Hauptversammlung

"Sind Sie noch Herr der Dinge?"

Olaf Berlien (l.), Chief Executive Officer (CEO) von Osram, und Peter Bauer, Vorsitzender des Aufsichtsrats.
© Foto: picture alliance/Matthias Balk/dpa

Verunsicherung prägt derzeit die Stimmung beim Münchner Lichtkonzern Osram: bei den Mitarbeitern, von denen am Standort Regensburg Hunderte gehen müssen; im Vorstand, der das Unternehmen aufgrund der unsicheren konjunkturellen Lage auf Sicht lenken muss; und bei den Aktionären, die am Dienstag auf der Hauptversammlung vergeblich versuchten, mehr Details zu den Übernahmeplänen durch zwei Finanzinvestoren zu erfahren. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns heute nicht eingehender zu den laufenden Gesprächen äußern können", dämpfte Konzernchef Olaf Berlien schon zu Beginn der Veranstaltung die Erwartungen.

Die Kritik fiel auch angesichts roter Zahlen zum Geschäftsjahresauftakt entsprechend deftig aus - vor allem für Berlien: "Sind Sie noch Herr der Dinge, oder werden Sie getrieben?", fragte etwa Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Aktionärsvertreter Hendrik Schmidt vom Vermögensverwalter DWS kündigte an, dem Vorstandsvorsitzenden sowie Aufsichtsratschef Peter Bauer die Entlastung zu versagen.

Sowohl Vorstands- als auch Aufsichtsratsmitglieder wurden am Dienstag einzeln und nicht wie sonst üblich gemeinschaftlich entlastet. Berlien erhielt dabei mit lediglich 73 Prozent Zustimmung der anwesenden Aktionäre einen Dämpfer. Das Ergebnis war mit Spannung erwartet worden, gilt es doch als Indikator, wie zufrieden die Aktionäre mit dem Konzernchef sind. Aufsichtsratschef Bauer sowie Finanzvorstand Ingo Bank wurden mit jeweils mehr als 99 Prozent der Stimmen entlastet. Die Ergebnisse haben allerdings keine direkten Konsequenzen für die Manager.

Bauer betonte hingegen die Rückendeckung seines Gremiums für Berlien: "Osram hat die finanzielle, operative und innovative Kraft, um die notwendige weitere Transformation für künftiges Wachstum erfolgreich voranzutreiben", sagte er in seiner Rede auf der Hauptversammlung. "Der Vorstand und die Mitarbeiter können sich auf diesem Wege auf die Unterstützung des Aufsichtsrats verlassen."

Unzufrieden mit dem Geschäftsjahr

Berlien selbst gab sich demütig. "Auch ich bin mit dem Geschäftsjahr 2018 und dem Aktienkurs nicht zufrieden", sagte er in seiner Rede - und räumte Fehler ein. Zu optimistisch seien die eigenen Planungen gewesen. "Und das schmerzt mich persönlich."

Vor allem die Absatzschwäche bei den wichtigsten Abnehmern der eigenen Produkte - der Automobil- und der Smartphoneindustrie - macht dem Zulieferer derzeit zu schaffen. Vorstandschef Berlien will daher umsteuern. Eine neue Konzernstruktur mit Ausrichtung auf Photonik, Stellenabbau, mehr Unabhängigkeit von der konjunkturanfälligen Autoindustrie sowie ein potenzieller neuer Großaktionär sollen den Konzern wieder in die Spur bringen.

Vor wenigen Tagen bestätigten die Münchner "vertiefte Gespräche" mit den Beteiligungsfirmen Bain Capital und Carlyle Group, die "einen gemeinsamen Erwerb von bis zu 100 Prozent" der Osram-Aktien erwägten. "Es ist derzeit noch nicht abzusehen, ob es eine Investition von Bain und Carlyle geben wird", sagte Olaf Berlien am Dienstag erneut. Auch ein Scheitern der Gespräche sei weiterhin möglich. Ein konkretes Angebot liege noch nicht vor. Ein neuer Ankeraktionär soll das Unternehmen stabilisieren.

Stellenstreichungen geplant

Als weitere Maßnahme will Osram am Standort Regensburg Hunderte Stellen streichen. Damit macht das Unternehmen einen Großteil der Ausbaumaßnahmen der vergangenen Jahre wieder rückgängig. Auch das sorgte für Kritik bei den Aktionären: "Wie können Sie sicherstellen, dass wir dabei nicht unsere Zukunft auf die Straße setzen?", fragte Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

Sowohl Vorstands- als auch Aufsichtsratsmitglieder wurden am Dienstag einzeln und nicht wie sonst üblich gemeinschaftlich entlastet. Mit Spannung wurde am Nachmittag vor allem das Ergebnis für Vorstandschef Berlien erwartet. Sollte er bei der Abstimmung abgestraft werden, hätte das zwar keine direkten Konsequenzen, wäre aber eine deutliche Kritik an seinem Kurs. (dpa)

 
 

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